I wish the wars were all over…

über die Sängerin, Liedermacherin und Aktivistin Joan Baez

Als ichJoan Baez in Wiens Stadthalle vor ungefähr 30 Jahren persönlich erlebt habe, war ich begeistert von ihrer ausdrucksvollen, klaren Stimme und ihrer Präsenz. Unter jungen Linken war sie damals schon sehr bekannt als Aktivistin für Bürgerrechte und gegen den Vietnamkrieg.

Joan Baez, in New York geboren, hatte schon als Schülerin ihre Mitschüler mit Schulhofkonzerten unterhalten. Nach Beendigung der High School schrieb sie sich zwar an der Boston University ein, konzentrierte sich aber bald nur noch auf ihre Gesangskarriere. 1959 erreichte sie auf dem Newport Folk Festival zum ersten Mal ein größeres Publikum.

In den Anfangsjahren ihrer Karriere litt Joan Baez an schweren Lampenfieberattacken, zeitweise verstärkt durch Agoraphobie. Manchmal habe sie vor lauter Angst einen Konzertauftritt unterbrechen müssen, habe sich im Waschraum mit Wasser erfrischt, ein wenig geweint und sei dann wieder auf die Bühne gegangen. Niemand habe etwas bemerkt oder bemerken wollen. Manchmal sei die Angst vor einem Konzert so groß geworden, dass sie nicht einmal das elterliche Haus habe verlassen können. Nur ihre Schwester Mimi, die sie zu den Konzerten begleitete, habe davon gewusst und sie bei der Bewältigung dieses Problems unterstützt. Das Lampenfieber habe sie noch lange begleitet. Heute sei sie davon befreit und gehe entspannt auf die Bühne.

Baez bezeichnete 2009 die Begegnung mit Bob Dylan als ihren künstlerischen Durchbruch. Dylan erinnert sich einem Film vor allem an den harmonischen Zusammenklang ihrer Stimmen und das Besondere an Baez’ zum Teil virtuosem und kompliziertem Gitarrenspiel, das keiner außer ihr in dieser Form beherrscht habe.

In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre stand sie mit an der Spitze der Folkbewegung. 1962, auf einer Tournee durch die Südstaaten, entschloss sie sich, nur noch dort aufzutreten, wo es keine Rassenschranken gab. Somit blieben ihr in den USA nur die schwarzen Universitäten. Im August 1963 sang sie auf dem Civil Rights March das berühmte We Shall Overcome, das in den folgenden Jahren quasi zu ihrem sängerischen Markenzeichen wurde. 1969 trat sie auf dem Woodstock-Festival auf. Die schwangere Sängerin nutzte dieses große Forum, um die Missstände in der Welt anzuprangern.

Kurz vor ihrem 50. Geburtstag 1991 engagierte sie zum ersten Mal einen Manager und nahm Gesangsunterricht. Seit dieser Zeit spielt sie bei Plattenaufnahmen nur noch sehr selten Instrumente, sondern konzentriert sich weit mehr auf ihren Gesang. Bei Live-Tourneen spielt sie die Gitarre nach wie vor selbst.

Die Eltern von Joan Baez waren Quäker, zu deren Maximen Gewaltlosigkeit gehört. Das wurde zu auch einer wichtigen Vokabel in Joan Baez’ politischem Wortschatz, auch gegenüber dem politischen Gegner, zum Beispiel bei Demonstrationen gegenüber der Polizei. Bei politischen Veranstaltungen auch unter schwierigen, politisch-emotional aufgeladenen Bedingungen (z. B. als Steine auf schwarze Schüler geworfen wurden, die in eine weiße Schule gingen), hatJoan Baez immer darauf gedrängt, dieses Wort mehrfach in die Reden einzuflechten, die die angespannte Situation zu deeskalieren.

Nachdem sie 1972 in einem Interview gesagt hatte, dass sie zehn Jahre zuvor eine lesbische Beziehung unterhalten hatte und sich als bisexuell sieht, gab sie 1978 einige Benefizkonzerte gegen die sogenannte Briggs-Initiative, die allen homosexuellen Lehrern den Unterricht an öffentlichen Schulen in Kalifornien verbieten wollte.

In Madrid sang sie 1977 nach dem Ende der Diktatur Francisco Francos unter anderem den Song We Shall Not be Moved (Spanisch No nos moverán), der 40 Jahre lang in Spanien verboten gewesen war. Im selben Jahr veröffentlichte sie den Protestsong China, in dem sie die blutige Niederschlagung des Volksaufstandes auf dem Tian’anmen-Platz in Peking anprangerte. 1992 war sie eine der ersten Künstlerinnen, die Bosnien-Herzegowina besuchten. Im kriegszerstörten Sarajevo ging sie, geschützt durch eine kugelsichere Weste, mit Begleitschutz durch die Straßen, sprach mit den Menschen und musizierte u. a. mit dem als Cellist von Sarajevo bekannten Straßenmusiker Vedran Smailovic. 2010 zeigte sich Baez in der Öffentlichkeit kritisch gegenüber dem neuen verschärften Einwanderungsgesetz für Mexikaner im US-Bundesstaat Arizona und nutzte dazu Konzertauftritte.

Ihr Sohn Gabriel aus der Ehe mit David Harris ist im Dezember 1969 geboren. Er begleitet sie heute als Perkussionist ihrer Band.

Nach der Scheidung von Harris hatte sie kurze und wechselnde Beziehungen zu verschiedenen Partnern, lebt aber seither als Single. Sie wohnt gemeinsam mit ihrem Sohn Gabriel, Schwiegertochter und Enkelin in Kalifonien. Auch ihre Mutter lebte bis zu ihrem Tod im Jahre 2013, kurz nach ihrem 100. Geburtstag, bei ihr. Auf ihrem Grundstück hat Baez ein Baumhaus, in dem sie einen großen Teil ihrer freien Zeit verbringt, meditiert und schreibt.

Ich habe sie zuletzt im April 2020 singen gehört und gesehen. Sie hat jetzt weiße Haare, ihre Stimme ist tiefer geworden. In Quarantäne singt sie für die heroes of our time, für die Krankenschwestern, Busfahrer, Ärzte und Supermarkt-Angestellte, sie singt auch auf Deutsch, Italienisch und Spanisch.

Ihren Lebenslauf würde ich mit Martine Bachelor ein beeindruckendes Beispiel von creative engangement nennen.

Die Daten habe ich aus Wikipedia Einträgen und einigen Zeitungsartikeln zusammengestellt.

Eva-Maria

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