Was wir lesen

Wir Mitglieder unserer Wiener Meditationsgruppe haben vereinbart, in loser Folge, aber regelmäßig buddhistische oder inhaltlich verwandte Texte zu lesen, die reihum eine oder einer von uns aussucht.  Wir wollen uns darüber austauschen, und – wenn es gut läuft –  etwas davon mitnehmen, woran wir uns in der kommenden Woche in unserer Alltagspraxis erinnern können.

4. 10. 2016: Die sechs Parāmitā

2. Teil des 8. Kapitel des Kunzang lama’i shelung
Patrul Rinpoche (zitiert und zusammengefasst aus: Himmel ohne Wolken, S. 190 ff.  von Frank Zechner). Die Übersetzung „transzendent“ haben wir durch „angemessen“ ersetzt, was uns in passender  schien; und „Anstrengung“ durch „Einsatz“.

Die ersten fünf Parāmitā- Großzügigkeit, ethisches Handeln, Geduld, Anstrengung und Konzentration – sind alles Aspekte der Geschickten Mittel. Die sechste Weisheit gehört zur Ansammlung von ursprünglicher Weisheit.
Zusammenfassung:

1. Angemessene Großzügigkeit
das Geben materieller Dinge
das Geben des Dharma
das Geben von Schutz vor Angst
2. Angemessenes ethisches Handeln
unheilsames Verhalten zu unterlassen
positive Taten zu begehen
anderen nützlich zu sein
3. Angemessene Geduld:
Geduld zu üben, wenn einem Unrecht getan wird
geduldig um des Dharma willen Schwierigkeiten ertragen
Der tiefgründigen Wahrheit ohne Angst ins Auge zu sehen
4. Angemessener Einsatz
Anstrengung wie eine Rüstung
Anstrengung im Handeln
Nicht aufzuhaltende Anstrengung
5. Angemessene Konzentration
5. 1 Ablenkungen aufgeben
5.2 Die eigentliche Konzentration
Die Konzentration gewöhnlicher Wesen
Klar unterscheidende Konzentration
Die außerordentliche Konzentration der Tathagatas
6. Angemessene Weisheit
Weisheit, die vom Hören kommt
Weisheit, die vom Nachdenken kommt
Weisheit, die aus der Meditation kommt

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1. Angemessene Großzügigkeit
Angemessene Großzügigkeit umfasst
das Geben materieller Dinge
das Geben des Dharma
das Geben von Schutz vor Angst

1.1 Materielle Dinge geben
Hier unterscheidet man drei Arten von Gaben:
Einfache Gaben
eine Handvoll Teeblätter oder ein Schüsselchen Gerste, eine Handvoll Futter für Tiere.
Wasser- und Geruchsopfer für die Geister, die sich vom Leben anderer ernähren.
Dadurch werden sie vorübergehend befriedigt, und ihr Geist wird durch die Gabe des Dharma befreit.
Große Gaben
Das heißt, ihr gebt etwas von Seltenheitswert oder etwas, das euch sehr viel bedeutet – wie euer eigenes Pferd, euren Elefanten oder sogar euren Sohn, eure Tochter.
Außergewöhnliche Gaben
Dies ist das Geben eurer Glieder, eures Körpers, eures Lebens.
Gewöhnliche Wesen sind nicht dazu in der Lage. Im Augenblick könnt ihr euren Körper, euer Leben und euren Besitz, ohne daran zu hängen, im Geist dem Wohl der Anderen weihen und dabei beten, dass ihr eines Tages tatsächlich zu dieser Tat fähig sein werdet.

1.2 Den Dharma geben
Das Geben des Dharma besteht darin, andere zur spirituellen Praxis zu führen.

Es hat keinen Wert, wenn ein Anfänger ohne Erfahrung und Verwirklichung versucht, anderen mit dem Dharma zu helfen. Ebenso wie man aus einem leeren Gefäß nichts ausgießen kann, kann man von ihm keinen Segen empfangen.
Jemand im Stadium des Bestrebens, der die Wärme der Praxis besitzt, aber noch keine richtige Stabilität darin hat, kann nicht zum Wohl der anderen wirken. Sein Segen ist wie etwas, das aus einem Gefäß in ein anderes gegossen wird. Er kann andere nur dadurch füllen, dass er sich selbst leert. Seine Unterweisungen sind wie eine Lampe, die von einer Hand in die andere weitergereicht wird. Er gibt anderen Licht und bleibt selbst im Dunkeln zurück.

1.3 Schutz vor Angst geben
Dies beinhaltet, alles im Bereich eurer Möglichkeiten liegende zu tun, um Anderen
die in Schwierigkeiten sind, zu helfen, etwa Menschen die nirgends einen sicheren
Platz haben, Unterkunft zu geben, die Schutzlosen zu schützen und denen Gesellschaft zu leisten, die ohne Freunde sind. Ganz besonders sind damit auch Taten gemeint, wie das Verbieten von Jagen und Fischen, sofern man in der Position dazu ist, das Aufkaufen von Schafen die auf dem Weg zum Schlachter sind und das Retten von sterbenden Fischen, Würmern, Fliegen und ähnlichen Wesen. Denn nach Buddhas Lehre ist das Retten von Leben die segensreichste aller relativen guten Taten.
2. Angemessenes ethisches Handeln
Transzendentes ethisches Handeln besteht darin,
unheilsames Verhalten zu unterlassen
positive Taten zu begehen
anderen nützlich zu sein

2.1 Negatives Verhalten vermeiden
Dies bedeutet, alle zehn negativen Verhaltensweisen von Körper, Rede und Geist, die nicht auf das Wohl der Wesen gerichtet sind, wie ein Gift zu meiden.

2.2 Positive Taten begehen
Damit ist gemeint, so viele Quellen des Verdienstes für die Zukunft wie möglich zu schaffen, indem ihr jede Gelegenheit ergreift eine gute Tat zu tun, auch wenn sie noch so unwichtig scheint.

2.3 Das Wohl der anderen bewirken
Wenn ihr völlig frei davon seid, etwas für euch selbst zu wollen, könnt ihr beginnen zum Wohl der anderen zu wirken. Als Anfänger aber widmet ihr jede Übung, wie Gutes tun und negative Taten unterlassen, dem Wohl der Gesamtheit der Wesen und wendet dabei die drei erhabenen Methoden an.
3. Angemessene Geduld
Transzendente Geduld besteht darin:
Geduld zu üben, wenn einem Unrecht getan wird
geduldig um des Dharma willen Schwierigkeiten ertragen
Der tiefgründigen Wahrheit ohne Angst ins Auge zu sehen

3.1 Geduld Unrecht ertragen
Wenn man euch angreift, beraubt, besiegt, offen beleidigt oder heimlich verleumdet, solltet ihr nicht ärgerlich werden und wütend reagieren, sondern in positiver Weise mit liebender Güte und Mitgefühl. Wer die Geduld verliert, kann mit einem einzigen Anfall von Hass die Auswirkung von über tausend Kalpa angesammelten, guten Taten zunichte machen.

3.2 Geduld im Ertragen von Entbehrungen, um des Dharma willen
Um des Dharma willen dürft ihr euch von Hitze, Kälte und anderen Beschwernissen nicht stören lassen.

3.3 Die Geduld, der tiefgründigen Wahrheit ohne Angst ins Auge zu sehen
bemüht euch den wahren Sinn von Sūnyatā zu verstehen, ohne negative Sichtweisen aufkommen zu lassen.
Falsche Ansichten über diese Lehren zu haben oder sie zu kritisieren, ist die unheilsame Tat der Ablehnung des Dharma und kann euch für lange Kalpa in die tiefsten Höllen führen.

4. Angemessener Einsatz
Transzendente Anstrengung ist unterteilt in:
Anstrengung wie eine Rüstung
Anstrengung im Handeln
Nicht aufzuhaltende Anstrengung.

4.1 Anstrengung wie eine Rüstung
Wenn ihr über das Leben der großen Meister, Buddhas und Bodhisattva hört, von ihren Taten und von den Prüfungen, durch die sie für den Dharma gingen, verliert nicht den Mut! Denkt niemals, dass sie nur deshalb zu all dem fähig waren, weil sie Buddhas und Bodhisattva waren und ihr niemals das gleiche tun könntet wie sie. Vergesst nicht, dass sie durch nichts anderes als durch diese Taten ihre Vervollkommnung erreichten. Ihr mögt es zwar nicht besser machen als sie, doch da ihr ihre Schüler seid, habt ihr keine andere Wahl, als ihnen nachzufolgen.

Wir sind im Besitz aller Freiheiten und Vorteile eines Daseins als Mensch. Wir sind dem authentischen, spirituellen Lehrer begegnet und erhalten seine tiefgründigen Unterweisungen. Nun, da wir die Gelegenheit haben den Dharma in der richtigen Weise zu praktizieren, sollten wir aus tiefstem Herzen geloben, dies auch zu tun und bereit sein, Entbehrungen zu ertragen, große Bürden auf uns zu nehmen und unser Leben dafür zu riskieren.
4.2 Anstrengung im Handeln
Die gute Absicht den Dharma zu studieren und zu praktizieren, nützt nichts, wenn ihr es immer wieder auf den nächsten Tag verschiebt. Verbringt nicht euer ganzes Leben damit nur an das Praktizieren zu denken, es aber nicht zu tun, sonst habt ihr es am Ende vergeudet.
Tut sofort etwas, wie ein ängstlicher Mensch, der eine Schlange auf seinem Schoß entdeckt oder wie eine Tänzerin, deren Haar soeben Feuer gefangen hat.

4.3 Nicht aufzuhaltende Anstrengung
Werdet nicht selbstzufrieden, wenn ihr auf eine kleine Klausur, einige Übungen und einige Gebete, sowie ein oder zwei gute Werke zurückblicken könnt. Gelobt vielmehr, euer ganzes Leben lang zu praktizieren und seid entschlossen, eure Bemühungen mit der Kraft eines gleichmäßig dahinströmenden Flusses weiterzuführen, so lange, bis ihr vollkommene Buddhaschaft erlangt habt.
5. Angemessene Konzentration
Es ist unmöglich Konzentration zu entwickeln, ohne dass man auf Aufregung und
ablenkende Beschäftigungen verzichtet und einen einsamen Ort aufsucht. Als
erstes müssen Ablenkungen aufgegeben werden.

5. 1 Ablenkungen aufgeben
Alles was zusammengekommen ist, fällt wieder auseinander. Eltern, Brüder und Schwestern, Eheleute, Freunde, Verwandte – auch das Fleisch und die Knochen des Körpers, den wir mit der Geburt angenommen haben ereilt das gleiche Schicksal: wieder getrennt zu werden.
Das Habenwollen ist es, was uns so zu schaffen macht. Wir sind nie mit dem Vorhandenen zufrieden und je vermögender wir werden, desto größer wird auch unser Geiz.

5.2 Die eigentliche Konzentration
Die eigentliche Konzentration ist in drei Arten unterteilt:

Die Konzentration gewöhnlicher Wesen
Klar unterscheidende Konzentration
Die außerordentliche Konzentration der Tathagatas

Die Konzentration gewöhnlicher Wesen
Wenn ihr an der Erfahrung von Glückseligkeit, Klarheit und Freiheit von Gedanken während der Meditation festhaltet und sie bewusst anstrebt, oder wenn eure Praxis durch irgendeine Affinität in dieser Richtung gefärbt ist.

Klar unterscheidende Konzentration
Wenn ihr euch nicht mehr von meditativen Erfahrungen fesseln lasst und Konzentration euch nicht mehr fasziniert, ihr aber gleichwohl noch an Sūnyatā als einem Gegenmittel festhaltet.

Die außerordentliche Konzentration der Tathgatas
Wenn ihr keine Vorstellung von Sūnyatā als einem Gegenmittel mehr habt, sondern in einer von begrifflichem Denken freien Konzentration auf die Natur der Wirklichkeit verweilt, wird dies die außerordentliche Konzentration der Tathāgata genannt.
6. Angemessene Weisheit
Transzendente Weisheit hat drei Aspekte:

Weisheit, die vom Hören kommt
Weisheit, die vom Nachdenken kommt
Weisheit, die aus der Meditation kommt
6.1 Weisheit, die vom Hören kommt
Man hört den von einem spirituellen Lehrer gesprochenen Worten des Dharma zu und versteht dabei ihren Sinn.

6.2 Weisheit, die vom Nachdenken kommt
Man hört und versteht das Dargelegte nicht nur, sondern geht es anschließend im Geist noch einmal durch, um die Bedeutung des Gesagten einwandfrei zu erfassen und Fragen über das, was man nicht verstanden hat, stellen zu können.

6.3 Weisheit, die aus der Meditation kommt
Durch die Meditation gewinnt ihr eine praktische Erfahrung dessen, was ihr intellektuell verstanden habt und die Verwirklichung der natürlichen Seinsweise entwickelt sich, ohne jeden Irrtum in euch. Innere Gewissheit entsteht, und befreit von hemmendem Zweifel und Zögern, erblickt ihr das wahre Gesicht der natürlichen Seinsweise.

22. 9. 2016: Bodhisattva – die Prajnaparamita-Sutren

Der nächste Text, den wir gemeinsam lesen werden, stammt aus dem Buch: Himmel ohne Wolken, zusammengestellt von Frank Zechner, S. 182 ff.: boddhicitta-6_paramitas_kl.pdf

12. 9. 2016: Über Gelassenheit

Dhammapada 81-83

81
Wie den soliden Fels der Wind nicht bringt zum Wanken,
So wird der Weise nicht bei Lob und Tadel schwanken.

82
Gleich wie ein tiefer See, ganz rein und ungetrübt,
Bleibt klar der Weise, der sich in der Lehre übt.

83
Entsagend allem, wünscht der Weise nichts, noch klagt er;
Ob Glück, ob Unglück kommt, nicht jubelt noch verzagt er.

Aus der Mahārāhulovāda Sutta, Majjhima-nikaya 62

16. „Rāhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Wind ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie Wind ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben. Gerade so wie der Wind über saubere Dinge und schmutzige Dinge, Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut streicht, und der Wind deswegen nicht entsetzt, gedemütigt und angewidert ist, genauso, Rāhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Wind ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie Wind ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben.“

17. „Rāhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Raum ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie Raum ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben. Gerade so wie Raum sich nirgendwo auf etwas stützt, genauso, Rāhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Raum ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie Raum ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben.“

Und: A Perfect Balance. Cultivating equanimity with Gil Fronsdal and Sayadaw U Pandita

aus „Tricylce“: http://tricycle.org/magazine/perfect-balance/

 

17. 8. 2016: Über Hass, Gewalt und Kampf ohne Hass

Niemals in der Welt hört Hass durch Hass auf. Hass hört durch Liebe auf.

Buddha; Dhammapada

Zu diesen Themen gibt es einen älteren Artikel von Stephen Batchelor: http://tricycle.org/magazine/spaces-sky/ (in englischer Sprache).

Hier folgt ein Text, zitiert nach Joanna Macy, die über eine Prophezeiung aus dem tibetischen Buddhismus schreibt, über die ihr Choegyal Rinpoche berichtet habe:

Shambhala-Krieger

Es kommt eine Zeit, in der alles Leben auf der Erde bedroht ist. In dieser Zeit haben sich große barbarische Kräfte entwickelt, eine in der westlichen Hemisphäre, eine im Zentrum der eurasischen Landmasse. Obwohl diese beiden Mächte ihren gesamten Reichtum für die Vorbereitung ihrer gegenseitigen Vernichtung aufgebracht haben, haben sie doch viel miteinander gemeinsam: Waffen von unvorstellbarer Zerstörungskraft und Technologien, um unsere ganze Welt zu verwüsten. In dieser Zeit, wo die Zukunft des Lebens an einem seidenen Faden hängt, taucht das Königreich von Shambhala auf. Du kannst nicht dort hingehen, denn es ist kein Ort und kein geopolitisches Gebilde. Es existiert in den Herzen und dem Geist der Shambhala-Krieger. Das ist der Ausdruck, den Choegyal benutzte: „Krieger“. Du erkennst einen Shambhala-Krieger auch nicht, wenn du ihn oder sie siehst, denn sie tragen keine Uniformen, keine Abzeichen, und keine Fahnen. Sie haben keine Barrikaden, auf die sie steigen können, um auf den Feind loszugehen, oder hinter die sie sich zurückziehen können, um zu ruhen oder sich neu zu formieren. Sie haben nicht einmal ein eigenes Territorium. Sie bewegen sich immer auf dem Terrain der Barbaren.

Doch es kommt die Zeit, wo große Tapferkeit des Herzens und Unerschrockenheit des Handelns von den Shambhala-Kriegern verlangt ist, denn sie müssen geradewegs in die Zentren der barbarischen Mächte gehen, in die Löcher und Höhen und Zitadellen, wo die Waffen verwahrt werden, und sie müssen diese Waffen entschärfen. Um die Waffen, wörtlich und im übertragenden Sinne, unbrauchbar zu machen, müssen sie in die Korridore und Schaltzentralen der Macht gehen, wo die Entscheidungen gefällt werden. Die Shambhala-Krieger haben den Mut, dies zu tun, weil sie wissen, dass diese Waffen „manomaya “ sind, „geistesgemacht“. Vom menschlichen Geist geschaffen, können sie auch vom menschlichen Geist entschärft und zerstört werden. Die Shambhala-Krieger wissen, dass die Gefahren, die alles Leben auf der Erde bedrohen, nicht von außerirdischen Mächten, satanischen Gottheiten oder der Vorsehung eine bösen Schicksals ausgehen. Sie erwachsen aus unseren Entscheidungen, aus unserer Lebensweise und aus unseren Beziehungen. In dieser Zeit also begeben sich die Shambhala-Krieger ins Training. Als Choegyal das sagte, fragte ich: „Wie trainieren sie?“ Sie schulen sich, erwiderte er, im Gebrauch zweier Waffen. „Was für Waffen?“ fragte ich. Da hob er seine Hände in die Stellung, in der die Lamas die Ritualgegenstände Glocke und Dorje beim Lamatanz halten. Die Waffen sind Mitgefühl und Einsicht. Beide sind notwendig, sagte er. Du brauchst das Mitgefühl, denn das ist es, was dir den Antrieb, die Kraft, die Leidenschaft gibt, etwas zu tun. Wenn du dich dem Schmerz der Welt öffnest, kommst du in Bewegung und handelst. Aber diese Waffe allein genügt nicht. Sie kann dich ausbrennen, erschöpfen, deshalb brauchst du die andere -, du brauchst die Einsicht in die radikale wechselseitig bedingte Abhängigkeit aller Phänomene. Diese Weisheit macht dir klar, dass es hier überhaupt nicht um den Kampf zwischen dem guten und dem Bösen geht, denn die Linie zwischen Gut und Böse verläuft mitten durch jedes menschliche Herz. Mit dieser Einsicht in unsere tiefe Verflochtenheit weißt du, dass alles, was aus reinem Herzen getan wird, sich durch das gesamte Gewebe des Lebens ausbreitet, weit darüberhinaus dessen, was messbar oder wahrnehmbar ist. Doch diese Einsicht allein dürfte zu kühl, zu vernunftbezogen sein, als dass sie dich in Bewegung halten könnte – deshalb brauchst du die Hitze des Mitgefühls. Erst gemeinsam – in jedem Shambhala-Krieger und zwischen ihnen – können diese beiden uns zu beharrlichen Verfechtern eines gesunden Wandels machen. Sie sind uns gegeben, damit wir sie annehmen und zur Heilung unserer Welt nutzen.

(Quelle: „Die Wiederentdeckung der sinnlichen Erde“ – Joanna Macy)

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15.6.2015:

Begonnen haben wir mit Kapitel 23 aus dem Dhammapada (das ist eine Sammlung von Aussprüchen des Buddha, wahrscheinlich im 4. Jh. v.u.Z. in den Palikanon aufgenommen. Dt. Übersetzung nach der englischen Übersetzung aus dem Pali von Thanissaro Bhikku, zitiert von: http://www.dhammapada.de/):

Elefanten

verzierter-indischer-elefant-9700349Ich werde — wie ein Elefant in der Schlacht
einen Pfeil, der von einem Bogen abgeschossen wurde, erträgt —
eine falsche Anschuldigung ertragen,
denn die breite Masse
hat keine Grundsätze.

Den Gezähmten
nehmen sie zu Versammlungen mit.
Den Gezähmten
besteigt der König.
Der Gezähmte,
der eine falsche Anschuldigung erträgt
ist, unter Menschen,
der beste.

Hervorragend sind gezähmte Maultiere
gezähmte Vollblute,
gezähmte Pferde aus Sindh.
Hervorragend, die gezähmten, großen Elefanten
mit den starken Stoßzähnen.
Noch hervorragender sind aber
jene, die sich selbst gezähmt haben.

Denn mit diesen Reittieren könnte man sich nicht
in das unerreichte Land begeben,
wie der Gezähmte es tut,
indem er sich selbst zähmt, gut zähmt.
Der Elefant Dhanapalaka
ist mitten in der Brunst schwer zu kontrollieren.
Angebunden, will er kein bißchen fressen:
der Elefant vermisst
den Elefantenwald.

Wenn er, träge & überfressen,
den müden Kopf hin und her rollt
wie ein fettes, gemästetes Schwein:
so tritt ein Schwachkopf
wieder und immer wieder
in den Mutterleib ein.

Zuvor wanderte mein Geist
wie es ihm gefiel,
wohin er wollte,
auf welchem Weg ihm recht war.
Heute werde ich ihn geschickt unter Kontrolle halten —
wie jemand mit einem Haken einen brünstigen Elefanten.

Erfreut euch der Achtsamkeit.
Wacht über euren eigenen Geist.
Erhebt euch
aus dem ungangbaren Pfad,
gleich einem Elefanten, der im Schlamm steckt.

Wenn ihr einen geistig reifen Gefährten findet —
einen erleuchteten Mitreisenden, der rechtschaffen lebt —
überwindet alle Gefahren und
geht mit ihm, dankbar,
geistesgegenwärtig.
Wenn ihr keinen geistig reifen Gefährten findet —
einen Reisegefährten, rechtschaffen, erleuchtet —
geht alleine
wie ein König, der sein Königreich,
wie der Elefant in der Matanga Wildnis,
der seine Herde aufgibt.

Alleine zu gehen ist besser,
mit einem Narren gibt es keine Gemeinschaft.
Geht alleine
und tut nichts Schlechtes, friedlich,
wie der Elefant in der Matanga Wildnis.

Ein Segen: Freunde, wenn man sie braucht.
Ein Segen: Zufriedenheit mit dem, was gerade ist.
Innerer Reichtum beim Beenden des Lebens ist ein Segen.
Ein Segen: Das Aufgeben von allem Leid und Stress.
Ein Segen in der Welt: Ehrfurcht für eure Mutter.
Ein Segen: Ehrfurcht auch für euren Vater.
Ein Segen in der Welt: Ehrfurcht für einen Praktizierenden.
Ein Segen: Ehrfurcht auch für einen Brahmanen.
Ein Segen im Alter ist Tugend.
Ein Segen: eine gefestigte Überzeugung.
Ein Segen: die erlangte Erkenntnis.
Das Nicht Tun von Schlechtem ist
ein Segen.

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23. 6. 2015:

Heute haben wir ein anderes Kapitel aus dem Dhammapada ausgewählt: Kapitel  17 über den Ärger:

Gebt den Ärger auf, macht Schluß mit dem Dünkel, überwindet jede Fessel. Wenn ihr an Name & Form keine Anhaftung habt – überhaupt nichts habt – keine Leiden, keine Belastungen, greift an.

Wer, wenn Ärger aufkommt, völlige Kontrolle behält wie bei einem Renngespann: den nenne ich einen meisterlichen Wagenlenker. Jeden anderen, einen Zügelhalter – mehr nicht.

Besiegt den Ärger mit fehlendem Ärger, schlecht mit gut; Geiz mit Großzügigkeit, einen Lügner mit Wahrheit.

Die Wahrheit sagen; nicht ärgerlich werden; geben, wenn man darum gebeten wird, egal wie wenig man hat: durch diese drei Dinge geht man in die Gegenwart der Devas ein.

Gütige Weise, die sich körperlich stets im Griff haben, sind auf dem Weg zum unerschütterlichen Zustand, wo es, wenn sie dorthin gelangt sind, kein Leid gibt.

Jene, die immer wachsam bleiben und Tag und Nacht üben im Streben nach Befreiung: Ihre Ausflüsse nähern sich dem Ende.

Das gibt es schon von alters her, Atula, & nicht erst seit heute: sie haben etwas auszusetzen an jemandem, der still da sitzt, sie haben etwas auszusetzen an jemandem, der viel spricht, sie haben etwas auszusetzen an jemandem der seine Worte abwägt. Es gibt niemanden auf der Welt, an dem nichts ausgesetzt wird. Es gab nie, wird nie, noch gibt es jetzt jemanden, der nur herabgesetzt oder nur gelobt wird.

Wenn gut unterrichtete Leute ihn dafür loben, nachdem sie ihn Tag für Tag beobachtet haben, daß er in seinem Verhalten einwandfrei, intelligent, mit Erkenntnis & Tugend versehen ist: gleich einem Goldbarren– wer kann da etwas an ihm aussetzen? Sogar Devas loben ihn. Sogar von Brahma wird er gelobt.

Hütet euch vor Ärger, der sich körperlich Bahn schafft; habt euch körperlich im Griff. Nachdem ihr körperliches Fehlverhalten aufgegeben habt, ergeht euch in körperlichem Wohlverhalten. Hütet euch vor Ärger, der sich verbal Bahn schafft; habt euch verbal im Griff. Nachdem ihr verbales Fehlverhalten aufgegeben habt, ergeht euch in verbalem Wohlverhalten. Hütet euch vor Ärger, der sich geistig Bahn schafft; habt euch geistig im Griff. Nachdem ihr geistiges Fehlverhalten aufgegeben habt, ergeht euch in geistigem Wohlverhalten. Die den Körper beherrschen – die Erleuchteten – die Rede & Geist beherrschen – Erleuchtet sind – deren Beherrschung ist gefestigt.

Quelle dieser Arbeit ist die Access to Insight „Offline Edition 2012.09.10.14“, letztmaliger Abgleich 12. März 2013, großzügig geteilt von John Bullitt und angeführt als: ©1997 Thanissaro Bhikkhu. Ins Deutsche übersetzt von Schenpen Sangmo.

Beim Lesen sind uns einige Stellen unklar geblieben, aber vor allem war uns der Text zu allgemein, als dass wir für unseren Alltag etwas damit anfangen könnten. Als Ergänzung wollen wir noch folgende Präsentation der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg lesen und nächste Woche darüber sprechen:Giraffe und Wolf

http://www.gewaltfrei-forum.de/artikel/einf.pdf

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7.7.2015:Hermann Hesse

Und dies ist nun eine Lehre, über welche du lachen wirst: die Liebe, o Govinda. scheint mir von allem die Hauptsache zu sein. Die Welt zu durchschauen, sie zu erklären. sie zu verachten, mag großer Denker Sache sein. Mir aber liegt einzig daran, die Welt lieben zu können, sie nicht zu verachten, sie und mich nicht zu hassen, sie und mich und alle Wesen mit Liebe und Bewunderung und Ehrfurcht betrachten zu können«
»Dies verstehe ich«, sprach Govinda. »Aber ebendies hat er, der Erhabene, als Trug erkannt. Er gebietet Wohlwollen, Schonung, Mitleid, Duldung, nicht aber Liebe; er verbot uns, unser Herz in Liebe an lrdisches zu fesseln. «»Ich weiß es«, sagte Siddhartha; sein Lächeln strahlte golden. »Ich weiß es, Govinda. Und siehe, da sind wir mitten im Dickicht der Meinungen drin, im Streit um Worte. Denn ich kann nicht leugnen, meine Worte von der Liebe stehen im Widerspruch, im scheinbaren Widerspruch zu Gotamas Worten. Eben darum misstraue ich den Worten so sehr, denn ich weiß, dieser Widerspruch ist Täuschung.

Aus Hermann Hesse ,“ Siddhartha. Eine indische Dichtung“, S. Fischer, Berlin 1922

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28.7.:

Dieses Zitat hat Stephen dem Buch „Buddhismus für Ungläubige“ vorangestellt:

Wir empfangen die Wahrheit nicht, wir müssen sie für uns selbst entdecken nach einer Reise durch die Wildnis, die niemand an unserer statt antreten, die niemand uns ersparen kann, denn unsere Weisheit ist der Standpunkt, von dem aus wir schließlich die Welt betrachten.

 Marcel Proust

Stephen Batchelor, „Mit dem Bösen leben“ S. 92

Erstaunen ist ein Geschenk. Wie groß sie auch sein mag, keine Anstrengung kann die hartnäckige Fassade von Banalität abtragen, die die Welt zu etwas Flachem, Routinenmäßigen und Undurchlässigen macht.

Das Mysterium, dass da überhaupt etwas ist, glimmt an den Rändern des Gewahrseins, dringt aber nur selten in all seiner Intensität zu uns durch. „Weil sie so unglaublich nah ist, kannst du diese Wahrheit nicht aus den Augen verlieren“, sagte der chinesische Zen-Mönch Ta-hui aus dem 12. Jahrhundert. „Aber wenn du sie zu erreichen versuchst, indem du deinen Geist benutzt, hast du sie bereits um achtzehntausend Meilen verfehlt.“ Trotz der verzweifelten Versuche Maras, das Erstaunen durch eine trostspendende Ansicht oder einen Glauben zu ersetzen, bleibt man seiner eigenen Frage nur treu, wenn man das Rätsel der Welt sich selbst enthüllen lässt.

 11.8.2015

Auszüge aus dem Buch „WU WEI“ – DIE LEBENSKUNST DES TAO von Theo Fischer

Gedanken entstehen immer aus dem Vergleichen mit Elementen des Gedächtnisses, der Erinnerung, sie gehören folglich grundsätzlich der Zeitform der Vergangenheit an, gleich womit sie sich befassen mögen. Die Gegenwart kann niemals von Gedanken erreicht werden.
Auch Ideen und Ausblicke auf die Zukunft wurzeln in Erfahrungen, die man in der Vergangenheit gemacht hat.
Das Tao aber, – die zeitlose Dimension in uns-, existiert einzig in der Gegenwart, in diesem hauchdünnen Raum zwischen Vergangenheit und Zukunft. Das Zusammenwirken dieser Kräfte geschieht hier und jetzt, niemals vorher oder nachher. Das bedeutet, dass Denken uns immer von der Gegenwart weg in die Vergangenheit führt und sei es nur um die Differenz von Sekundenbruchteilen, wenn wir ein unmittelbares Erlebnis interpretieren statt es direkt zu erfahren Damit soll Denken keineswegs verteufelt werden, es hat seinen Platz dort, wo es nützlich ist und gebraucht wird.
Die ununterbrochene Geschwätzigkeit unseres Geistes jedoch ist ein ernsthaftes Hindernis für das Leben in der absoluten Gegenwart.
Bereits wenn wir nur ein paar Sekunden aufmerksam unsere Umgebung, die Geschehnisse um uns herum beobachten, haben wir Berührung mit der kosmischen Energie.
Beoachten ist kein intellektueller Vorgang. Im Grunde ist es etwas ganz Einfaches. Wir bemerken etwas, vielleicht einen Schmetterling, und sehen hin. Mehr nicht. Das wäre Beobachten. Was tun wir aber wirklich?
Wenn vor unseren Augen ein schöner Schmetterling erscheint, geschieht das inmitten des üblichen Prozesses unserer vor sich hinschwatzender Gedanken. Der Sinnesreiz gelangt an unser Gehirn. Inzwischen hat sich- übertrieben dargestellt- der Schmetterling bereits wieder ein Stück von uns entfernt, ist möglicherweise hinter einem Baum aus unserer Sicht verschwunden. Erst mit dieser Verzögerung reagiert unser Geist. Das Gehirn übernimmt die Projektion der Augennetzhaut, kramt dann in der Erinnerung, ob ähnliche Bilder des gesehenen Vorganges vorhanden sind, vergleicht diese miteinander, sucht in der Abteilung Wortschatz nach dem Begriff, vergleicht diesen mit dem Bild und erkennt dann: Aha! Ein Schmetterling!
Jetzt erst erfährt das Bewusstsein, dass die Augen einen schönen Schmetterling gesehen haben. Von unmittelbarem spontanem Erleben kann dann keine Rede mehr sein.
Dieser vergleichende gedankliche Prozess läuft blitzschnell ab; so schnell, dass wir ihn nicht registrieren und meinen, unser Erlebnis mit dem Schmetterling sei „unmittelbar“
Wir müssen also wieder lernen, Dinge einfach anzusehen, ohne sie mit unserer Erinnerung zu vergleichen oder ihnen Etiketten aufzukleben.
Die sanfte Kunst des Beobachtens ist die Grundlage für die Aufmerksamkeit. Beobachten ist ein Vorgang, der den gesamten Sinnesbereich mit einschließt.
Die Weisen Chinas haben uns in zweieinhalb Jahrtausenden nichts überliefert, was man mit Gedanken erreichen könnte. In allen uns zugänglichen Schriften ist viel von Leere die Rede, wenn es sich um geistige Dimensionen handelt. Leere steht hier keineswegs für Nichts. Leere im östlich-philosophischen Sinn ist der Urzustand des Kosmos, eine Leere die potentiell alles Geschaffene in sich enthält.Der menschliche Geist im Zustand der Stille, also Gedankenfreiheit, wird mit dieser Leere gleichgesetzt.
Dschuang Dsi schreibt dazu:
„Wenn man in äußerster Stille verharrt, dann scheint das himmlische Licht hervor.
Wer dies himmlische Licht ausstrahlt, der sieht sein Wahres-Selbst.
Wer sein Wahres-Selbst bewahrt, der verwirklicht das Absolute.“

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25.8.2015:

Sutta Nipatta 1.1
PTS: Sn 1-17 Uraga Sutta: The Serpenturaga sutta

translated from the Pali by
Nyanaponika Thera
© 1995

1. He who can curb his wrath as soon as it arises, as a timely antidote will check snake’s venom that so quickly spreads, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

2. He who entirely cuts off his lust as entering a pond one uproots lotus plants, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

3. He who entirely cuts off his craving by drying up its fierce and rapid flow, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

4. He who entirely blots out conceit as the wind demolishes a fragile bamboo bridge, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

5. He who does not find core or substance in any of the realms of being, like flowers which are vainly sought in fig trees that bear none, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

6. He who bears no grudges in his heart, transcending all this „thus“ and „otherwise,“ — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

7. He who has burned out his evil thoughts, entirely cut them off within his heart, — such a monk gives up the here and the beyond, just as the serpent sheds its worn-out skin.

8. He who neither goes too far nor lags behind, entirely transcending the diffuseness of the world, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

9. He who neither goes too far nor lags behind and knows about the world: „This is all unreal,“ — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

10. He who neither goes too far nor lags behind, greedless he knows: „This is all unreal,“ — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

11. He who neither goes too far nor lags behind, lust-free he knows: „This is all unreal,“ — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

12. He who neither goes too far nor lags behind, hate-free he knows: „This is all unreal,“ — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

13. He who neither goes too far nor lags behind, delusion-free he knows: „This is all unreal,“ — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

14. He who has no dormant tendencies whatever, whose unwholesome roots have been expunged, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

15. States born of anxiety he harbors none which may condition his return to earth, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

16. States born of attachment he harbors none which cause his bondage to existence, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.

17. He who has the five hindrances discarded, doubt-free and serene, and free of inner barbs, — such a monk gives up the here and the beyond, just as a serpent sheds its worn-out skin.
Sutta Nipata

I. BUCH DER SCHLANGE (Uraga Vagga) – [Pali]
I.1. Die Schlange (Uraga-Sutta)

1
Wer seinen Zorn, sobald er sich erhoben, bannt,
Wie durch Arznei ein weiterfressend Schlangengift,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
2
Wer restlos abgeschnitten hat die Lust,
Wie Blütenstengel man im Lotusteiche bricht,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
3
Wer restlos das Begehren abschnitt,
Austrocknend diesen reißend-schnellen Strom,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
4
Wer restlos seinen Dünkel hat zerstört,
Wie Wogenflut den schwachen Bambussteg,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
5
Wer in den Daseinsformen Wesenskern nicht findet,
Wie einer, der auf Feigenbäumen Blüten sucht,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
6
In wessen Innerem Unmut keinen Raum hat,
Wer über Lebens Wechselfälle sich erhebt,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
7
Wer ausgebrannt die üblen Gedanken,
Sie innen restlos ausgerottet hat,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
8
Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer diese ganze Weltausbreitung überwand,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
9
Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Erkennend von der Welt: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
10
Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer gierfrei weiß: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
11
Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer lustfrei weiß: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
12
Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer haßfrei weiß: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
13
Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer wahnfrei weiß: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
14
In dem sich auch verborgene Neigung nicht mehr findet,
In dem des Unheilsamen Wurzeln sind getilgt,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
15
In dem es keine Ausgeburten der Beklemmung gibt,
Bedingungen für Wiederkunft im Diesseits.
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
16
In dem es keine Ausgeburten der Verstrickung gibt,
Die Ursach‘ sind für Bindung an das Dasein,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.
17
Wer Hemmung fünffach überwand und unverstört
Von Zweifel und von innerem Stachel frei,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

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8.9.2015:

Heute haben wir uns mit dem Ausschnitt aus Stephen Batchelors Talk „Über das Selbst“ beschäftigt, den wir vor wenigen Tagen auf unserem Blog veröffentlicht haben (s. dort).

Im Gespräch darüber hat sich für uns ergeben: Dem sprachlichen Dilemma des „Ist/Ist nicht“ lässt sich kaum entgehen. Stephens Fest-Stellung, das“ Selbst“ sei ein Projekt, bedeutet unausweichlich doch wieder, es durch eine Aussage zu bekräftigen.
Durch Denken allein kommen wir der Sache nicht näher.
Wir können die Empfindung, von anderen Wesen nicht getrennt zu sein, in uns pflegen und uns in geschwisterlichem Handeln üben.

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5.10.2015

Im Anschluss an unser Gespräch vom 8. 9. (s.o.) wollen wir uns genauer mit dem Selbst beschäftigen und daher diese beiden Texte – für Stephen Batchelor offenkundig  Schlüsselstellen – noch  einmal lesen:

Wie performativ ist das Selbst ?

By action is one a merchant, by action a servant,
By action is one a thief, by action a soldier,
By action is one a priest, by action a ruler,
In this way the wise see action as it really is,
Seeing conditioned arising, understanding result of action.

[SUTTA-NIPĀTA, Lehr-Dichtungen, III:9.: Vāsettha-Sutta, 651-3, p. 84. Übersetzung ins Englische von Nanavira Thera]

Durch Taten ist man ein Bauer, durch Taten ein Handwerker,
Durch Taten ist man ein Kaufmann, durch Taten ein Diener,
Durch Taten ist man ein Dieb, durch Taten ein Soldat,
Durch Taten ist man ein Priester, durch Taten ein Herrscher.
Auf diese Weise sieht der Weise die Taten, wie sie geschehen,
erkennt das bedingte Entstehen, versteht die Wirkungen der Taten.
[Ins Deutsche übersetzt von Renathe Seifarth in Stephen Batchelor, „Bekenntnisse eines ungläubigen Buddhisten“, p. 196]

Die Gestaltung/Kultivierung des Selbst als Aufgabe

Just as a farmer irrigates his field,
Just as a fletcher fashions an arrow,
Just as a carpenter shapes a piece of wood,
So the sage tames the self.

Dhammapada Vers 80, Übersetzung von Stephen  Batchelor

Eigener Versuch einer Übertragung ins Deutsche:

So wie der Bauer sein Feld bewässert,
der Pfeilmacher einen Pfeil herstellt,
der Zimmermann ein Stück Holz formt,
so zähmt der Weise das Selbst.

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16.10.2015:

Es ist nicht das Problem, wie die Welt ist,

sondern wie wir sie auffassen und wie wir den Begriffen auf den Leim gehen,

mit welchen wir versuchen, unser Leben verständlicher zu machen.

nach Nargajuna

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13.11.2015

„The Work“ von Byron Katie

byron katieEs geht uns weiterhin um das „Selbst“ und wie wir darauf Einfluss nehmen können. Bei der Beschäftigung mit diesen Fragen sind wir auf die Arbeit von Byron Katie gestoßen und haben begonnen, uns darüber näher zu informieren. Eine Einführung gibt es auf der deutschsprachigen Website: http://www.vtw-the-work.org/startseite.html. Wir wollen uns  in der Praxis mit den beiden Arbeitsblättern „Urteile über deinen Nächsten“ und „Untersuche eine Überzeugung“ (beide leicht auf der Website zu finden) auseinandersetzen.

Wir sind uns dessen bewusst, dass Byron Katies Arbeit nicht unumstritten ist, finden sie aber interessant genug, dass wir uns eigene Meinungen bilden wollen.

Nachtrag: s. unseren Blog-Eintrag über Byron Katies Arbeit.

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1.12.2015:

BuddhadasaIch mache nichts den ganzen Tag lang …
aber genieße Glück und Freude
jenseits von Worten und
jenseits von Vergleich.
Doch dieses besondere Glück übersteigt uns keineswegs!
Keiner kann hier klagen, es wäre doch unerreichbar.
Denn ich spreche lediglich von dem,
was man gerade tut …
Einer zu sein, der „den ganzen Tag lang nichts“ macht,
und damit den ganzen Tag lang gut durchzukommen,
ist so wunderbar freudvoll …
Worauf es dabei alleine ankommt, ist,
die innerste, naturgemäße Ruhe des Geistes
in die Arbeit hineinzulegen, die man gerade tut,
bis man dies und die Arbeit „vergisst“ …
Zu diesem Zeitpunkt wirkt kein „Ich“ mehr,
das da noch etwas „tut“.
Zu diesem Zeitpunkt braut der Geist
kein „Ich“ mehr zusammen,
das da gerade „arbeitet“.
Die befreiende Ruhe des Geistes „Samâdhi“
ergründet jetzt so seltsam einzigartig, selbsttätig,
die wahre Natur der Dinge.
Und sie ergründet diese,
eben indem man „geschickt“ arbeitet,
dies heißt ohne jene Gefahr,
dass hier etwa noch
ein „Ich“ für „mich“
arbeiten würde.

Ajahn Buddhadasa, thailändischer Theravada-Mönch im 20. Jahrhundert

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14. 12. 2015:

aus Stephen Batchelors „Mit dem Bösen leben“, S. 19/20:

Screenshot (37)Screenshot (39)

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13.1.2016

Wir haben uns im Gespräch mit der Bilderserie „Der Ochse und sein Hirte“ und den ausgewählten Textpassagen dazu beschäftigt, die wir kürzlich auf unserem Blog veröffentlicht haben. Dabei ging es auch um die Frage des „Zähmens“ des Selbst – dieses Bild legt eine Gewaltsamkeit nahe, die wir hinter uns lassen wollen. Wir waren uns einig, dass Begriffe wie „bilden“ oder „kultivieren“ angemessener sind.

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30.1.2016

Wir möchten uns an den nächsten Abenden mit der Sattipatthana Sutta beschäftigen (Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch von Bhikku Analayo: The direct Path-Satipaṭṭhāna. Textgrundlage ist: M I 55-63 (= Majjhima-nikâya, Sutta Nr. 10), die Übersetzung des Buches aus dem Englischen stammt von Ilse Maria Bruckner und Siegfried C. A. Fay und ist im Verlag Beyerlein & Steinschulte 2010 erschienen. Das ganze Buch ist zugänglich unter: https://www.buddhismuskunde.uni-hamburg.de/pdf/5-personen/analayo/direkte-weg.pdf Wir haben den Text der Sutta für unsere Website mit freundlicher Genehmigung des Verlags hier übernommen). . Diese Lehrrede wird – vor allem in der Vipassana-Bewegung – als Grundlage und Zusammenfassung der Anleitungen Buddhas zur Meditation gesehen. Hier eine neue deutsche Übersetzung:

SATIPATTHANA-SUTTA:

So habe ich gehört: Einmal lebte der Erhabene im Land der Kuru bei einer ihrer Städte namens Kammâsadamma. Dort sprach er die Mönche an: „Ihr Mönche!“ – „Ehrwürdiger!“, antworteten sie. Der Erhabene sagte dies:

[DIREKTER WEG:] „Ihr Mönche, dies ist der direkte Weg zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Kummer und Wehklage, zum Beenden von dukkha und Betrübtheit, zur Erlangung der richtigen Methode, zur Verwirklichung von Nibbâna, nämlich die vier satipatthânas.

[DEFINITION:] Welche vier? Hier, ihr Mönche, verweilt ein Mönch hinsichtlich des Körpers den Körper betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt. Hinsichtlich der Gefühle verweilt er die Gefühle betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt. Hinsichtlich des Geistes verweilt er den Geist betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt. Hinsichtlich der dhammas verweilt er dhammas betrachtend, unermüdlich, wissensklar und achtsam, frei von Verlangen und Betrübtheit hinsichtlich der Welt.

[ATMUNG:] Und wie, ihr Mönche, verweilt er hinsichtlich des Körpers den Körper betrachtend? Hier, nachdem er in den Wald oder zum Fuße eines Baumes oder zu einer unbewohnten Hütte gegangen ist, setzt er sich nieder; und [nachdem] er sich mit gekreuzten Beinen gesetzt, den Körper aufgerichtet und Achtsamkeit [geistig] in den Vordergrund gebracht hat, atmet er achtsam ein, atmet achtsam aus. Lang einatmend weiß er: ‚Ich atme lang ein’; lang ausatmend weiß er: ‚Ich atme lang aus’; kurz einatmend weiß er: ‚Ich atme kurz ein’; kurz ausatmend weiß er: ‚Ich atme kurz aus’. Er übt sich so: ‚Ich werde, den ganzen Körper empfindend, einatmen’; er übt sich so: ‚Ich werde, den ganzen Körper empfindend, ausatmen’. Er übt sich so: ‚Ich werde, die Körperformation beruhigend, einatmen’; er übt sich so: ‚Ich werde, die Körperformation beruhigend, ausatmen’.
Gerade wie ein geschickter Drechsler oder sein Lehrling, wenn er eine lange Drehung macht, weiß: ‚Ich mache eine lange Drehung’, oder wenn er eine kurze Drehung macht, weiß: ‚Ich mache eine kurze Drehung’, so weiß der Mönch lang einatmend auch: ‚Ich atme lang ein’, … [weiter wie oben].

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich des Körpers den Körper innerlich betrachtend, oder er verweilt hinsichtlich des Körpers den Körper äußerlich betrachtend, oder er verweilt hinsichtlich des Körpers den Körper sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens im Körper betrachtend, oder er verweilt, die Natur des Vergehens im Körper betrachtend, oder er verweilt, die Natur sowohl des Entstehens als auch des Vergehens im Körper betrachtend. Die Achtsamkeit ‚Ein Körper ist da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Genau so verweilt er hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend.

[KÖRPERHALTUNGEN:] Sodann, ihr Mönche, weiß er beim Gehen: ‚Ich gehe’, beim Stehen weiß er: ‚Ich stehe’, beim Sitzen weiß er: ‚Ich sitze’, beim Niederlegen weiß er: ‚Ich lege mich nieder’, oder er weiß der Haltung entsprechend, in der sich der Körper gerade befindet.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich des Körpers den Körper innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens im Körper betrachtend. Die Achtsamkeit ‚Ein Körper ist da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Auch so verweilt er hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend.

[AKTIVITÄTEN:] Sodann, ihr Mönche, handelt er wissensklar beim Vorwärts- und Zurückgehen, er handelt wissensklar beim Hinblicken und Wegblicken; er handelt wissensklar beim Beugen und Strecken seiner Glieder; er handelt wissensklar beim Tragen von Obergewand, Essensschale und Robe; er handelt wissensklar beim Essen und Trinken, beim Kauen und Schmecken; er handelt wissensklar beim Entleeren von Kot und Urin; er handelt wissensklar beim Gehen, Stehen und Sitzen, beim Einschlafen und Aufwachen, beim Sprechen und Schweigen.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich des Körpers den Körper innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens im Körper betrachtend. Die Achtsamkeit ‚Ein Körper ist da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Auch so verweilt er hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend.

[ANATOMISCHE TEILE:] Sodann, ihr Mönche, untersucht er prüfend ebendiesen Körper, von den Fußsohlen aufwärts und von den Haarspitzen abwärts, von Haut umschlossen, angefüllt mit vielen Arten von Unreinheit: In diesem Körper gibt es Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge, Gedärm, Gekröse, Mageninhalt, Exkremente, Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Talg, Speichel, Nasenschleim, Gelenkflüssigkeit und Urin. Gerade so, als wäre da ein Beutel mit einer Öffnung an jedem Ende, gefüllt mit vielen Arten von Körnern, wie Hügelreis, roter Reis, Bohnen, Erbsen, Hirse und weißer Reis, und ein scharfsichtiger Mann würde ihn öffnen und ihn so untersuchen: Das ist Hügelreis, das ist roter Reis, das sind Bohnen, das sind Erbsen, das ist Hirse, das ist weißer Reis – so sieht er auch ebendiesen Körper … [weiter wie oben].

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich des Körpers den Körper innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens im Körper betrachtend. Die Achtsamkeit ‚Ein Körper ist da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Auch so verweilt er hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend.

[ELEMENTE:] Sodann, ihr Mönche, untersucht er prüfend ebendiesen Körper, gleich wo und in welcher Haltung er sich befindet, als aus Elementen bestehend: In diesem Körper gibt es das Erdelement, das Wasserelement, das Feuerelement und das Windelement.
Gerade so, als hätte ein geschickter Schlächter oder sein Lehrling eine Kuh geschlachtet und säße an einer Straßenkreuzung mit dem in Einzelteile zerlegten Tier, so sieht er auch ebendiesen Körper … [weiter wie oben].

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich des Körpers den Körper innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens im Körper betrachtend. Die Achtsamkeit ‚Ein Körper ist da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Auch so verweilt er hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend.

[VERWESENDER LEICHNAM:] Sodann, ihr Mönche, als sähe er einen Leichnam, hingeworfen auf einem Leichenfeld – einen Tag, zwei oder drei Tage tot, aufgedunsen, bläulich verfärbt, aus dem Flüssigkeiten sickern … wie er von Krähen, Falken, Geiern, Hunden, Schakalen oder verschiedenen Arten von Würmern verschlungen wird … ein Skelett mit Fleisch und Blut, von Sehnen zusammengehalten … ein fleischloses Skelett, blutverschmiert, von Sehnen zusammengehalten … ein Skelett ohne Fleisch und Blut, von Sehnen zusammengehalten … voneinander gelöste Knochen, in alle Richtungen zerstreut … weiß gebleichte Knochen, von der Farbe der Muschelschalen … aufeinander gehäufte Knochen, über ein Jahr alt … morsche Knochen, zu Staub zerfallend – vergleicht er ebendiesen Körper damit: Auch dieser Körper ist von derselben Art, so wird er sein, er ist von diesem Schicksal nicht ausgenommen.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich des Körpers den Körper innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens im Körper betrachtend. Die Achtsamkeit ‚Ein Körper ist da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Auch so verweilt er hinsichtlich des Körpers, den Körper betrachtend.
3 In der Lehrrede selbst folgt auf jedes Verwesungsstadium des Leichnams der vollständige Kehrvers, den ich im Sinne einer besseren Lesbarkeit  gekürzt habe.

[GEFÜHLE:] Und wie, ihr Mönche, verweilt er hinsichtlich der Gefühle, die Gefühle betrachtend? Hier, wenn er ein angenehmes Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein angenehmes Gefühl’; wenn er ein unangenehmes Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein unangenehmes Gefühl’; wenn er ein neutrales Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein neutrales Gefühl’. Wenn er ein weltliches angenehmes Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein weltliches angenehmes Gefühl’; wenn er ein nichtweltliches angenehmes Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein nichtweltliches angenehmes Gefühl’; wenn er ein weltliches unangenehmes Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein weltliches unangenehmes Gefühl’; wenn er ein nichtweltliches unangenehmes Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein nichtweltliches unangenehmes Gefühl’; wenn er ein weltliches neutrales Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein weltliches neutrales Gefühl’; wenn er ein nichtweltliches neutrales Gefühl empfindet, weiß er: ‚Ich empfinde ein nichtweltliches neutrales Gefühl’.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich der Gefühle die Gefühle innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens in den Gefühlen betrachtend. Die Achtsamkeit ‚Gefühl ist da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Genau so verweilt er hinsichtlich der Gefühle, die Gefühle betrachtend.

[GEIST:] Und wie, ihr Mönche, verweilt er hinsichtlich des Geistes, den Geist betrachtend? Hier erkennt er einen Geist voller Begierde als ‚voller Begierde’ und einen Geist ohne Begierde als ‚ohne Begierde’; er erkennt einen zornigen Geist als ‚zornig’ und einen zornlosen Geist als ‚zornlos’; er erkennt einen verblendeten Geist als ‚verblendet’ und einen nicht verblendeten Geist als ‚nicht verblendet’; er erkennt einen zusammengezogenen Geist als ‚zusammengezogen’ und einen zerstreuten Geist als ‚zerstreut’; er erkennt einen weiten Geist als ‚weit’ und einen engen Geist als ‚eng’; er erkennt einen übertreffbaren Geist als ‚übertreffbar’ und einen unübertreffbaren Geist als ‚unübertreffbar’; er erkennt einen konzentrierten Geist als ‚konzentriert’ und einen unkonzentrierten Geist als ‚unkonzentriert’; er erkennt einen befreiten Geist als ‚befreit’ und einen unbefreiten Geist als ‚unbefreit’.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich des Geistes den Geist innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens im Geist betrachtend. Die Achtsamkeit ‚Geist ist da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Genau so verweilt er hinsichtlich des Geistes, den Geist betrachtend.

[HINDERNISSE:] Und wie, ihr Mönche, verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas betrachtend? Hier verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der fünf Hindernisse betrachtend. Und wie verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der fünf Hindernisse betrachtend? Wenn Sinnesbegierde in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist Sinnesbegierde’; wenn Sinnesbegierde nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist keine Sinnesbegierde’. Und er erkennt, wie nicht entstandene Sinnesbegierde entstehen kann, wie entstandene Sinnesbegierde überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Sinnesbegierde vorgebeugt werden kann. Wenn Übelwollen in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist Übelwollen’; wenn Übelwollen nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist kein Übelwollen’. Und er erkennt, wie nicht entstandenes Übelwollen entstehen kann, wie entstandenes Übelwollen überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen des überwundenen Übelwollens vorgebeugt werden kann. Wenn Dumpfheit und Mattheit in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist Dumpfheit und Mattheit’; wenn Dumpfheit und Mattheit nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist keine Dumpfheit und Mattheit’. Und er erkennt, wie nicht entstandene Dumpfheit und Mattheit entstehen kann, wie entstandene Dumpfheit und Mattheit überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Dumpfheit und Mattheit vorgebeugt werden kann. Wenn Rastlosigkeit und Sorge in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist Rastlosigkeit und Sorge’; wenn Rastlosigkeit und Sorge nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist keine Rastlosigkeit und Sorge’. Und er erkennt, wie nicht entstandene Rastlosigkeit und Sorge entstehen kann, wie entstandene Rastlosigkeit und Sorge überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Rastlosigkeit und Sorge vorgebeugt werden kann. Wenn Zweifel in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist Zweifel’; wenn Zweifel nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚In mir ist kein Zweifel’. Und er erkennt, wie nicht entstandener Zweifel entstehen kann, wie entstandener Zweifel überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen des überwundenen Zweifels vorgebeugt werden kann.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens in den dhammas betrachtend. Die Achtsamkeit ‚dhammas sind da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Genau so verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der fünf Hindernisse betrachtend.

[DASEINSGRUPPEN:] Sodann, ihr Mönche, verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der fünf Daseinsgruppen des Anhaftens betrachtend. Und wie verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der fünf Daseinsgruppen des Anhaftens betrachtend? Hier erkennt er: ‚So ist die materielle Form’, ‚so ist das Entstehen der materiellen Form’, ‚so ist das Vergehen der materiellen Form’. ‚So ist das Gefühl’, ‚so ist das Entstehen des Gefühls’, ‚so ist das Vergehen des Gefühls’. ‚So ist die Wahrnehmung’, ‚so ist das Entstehen der Wahrnehmung’, ‚so ist das Vergehen der Wahrnehmung’. ‚So sind die Willensregungen’, ‚so ist das Entstehen der Willensregungen’, ‚so ist das Vergehen der Willensregungen’. ‚So ist das Bewusstsein’, ‚so ist das Entstehen des Bewusstseins’, ‚so ist das Vergehen des Bewusstseins’.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens in den dhammas betrachtend. Die Achtsamkeit ‚dhammas sind da’, ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Genau so verweilt er hinsichtlich der dhammas, die dhammas in der Form der fünf Daseinsgruppen des Anhaftens betrachtend.

[SINNESBEREICHE:] Sodann, ihr Mönche, verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der sechs innerlichen und äußerlichen Sinnesbereiche betrachtend. Und wie verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der sechs innerlichen und äußerlichen Sinnesbereiche betrachtend? Hier erkennt er das Auge, er erkennt Formen, und er erkennt die Fessel, die in Abhängigkeit von beiden entsteht, und er erkennt auch, wie eine nicht entstandene Fessel entstehen kann, wie eine entstandene Fessel überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Fessel vorgebeugt werden kann. Er erkennt das Ohr, er erkennt Klänge, und er erkennt die Fessel, die in Abhängigkeit von beiden entsteht, und er erkennt auch, wie eine nicht entstandene Fessel entstehen kann, wie eine entstandene Fessel überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Fessel vorgebeugt werden kann. Er erkennt die Nase, er erkennt Gerüche, und er erkennt die Fessel, die in Abhängigkeit von beiden entsteht, und er erkennt auch, wie eine nicht entstandene Fessel entstehen kann, wie eine entstandene Fessel überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Fessel vorgebeugt werden kann. Er erkennt die Zunge, er erkennt Geschmäcke, und er erkennt die Fessel, die in Abhängigkeit von beiden entsteht, und er erkennt auch, wie eine nicht entstandene Fessel entstehen kann, wie eine entstandene Fessel überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Fessel vorgebeugt werden kann. Er erkennt den Körper, er erkennt Tastbares, und er erkennt die Fessel, die in Abhängigkeit von beiden entsteht, und er erkennt auch, wie eine nicht entstandene Fessel entstehen kann, wie eine entstandene Fessel überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Fessel vorgebeugt werden kann. Er erkennt den Geist, er erkennt Geistesobjekte, und er erkennt die Fessel, die in Abhängigkeit von beiden entsteht, und er erkennt auch, wie eine nicht entstandene Fessel entstehen kann, wie eine entstandene Fessel überwunden werden kann und wie dem künftigen Entstehen der überwundenen Fessel vorgebeugt werden kann.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens in den dhammas betrachtend. Die Achtsamkeit ‚dhammas sind da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Genau so verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der sechs innerlichen und äußerlichen Sinnesbereiche betrachtend.

[ERWACHENSFAKTOREN:] Sodann, ihr Mönche, verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der sieben Erwachensfaktoren betrachtend. Und wie verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der sieben Erwachensfaktoren betrachtend? Hier erkennt er, wenn der Erwachensfaktor Achtsamkeit in ihm vorhanden ist: ‚Der Erwachensfaktor Achtsamkeit ist in mir’; wenn der Erwachensfaktor Achtsamkeit nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Achtsamkeit ist nicht in mir’; er erkennt, wie der nicht entstandene Erwachensfaktor Achtsamkeit entstehen kann und wie der entstandene Erwachensfaktor Achtsamkeit durch Entwicklung vervollkommnet werden kann. Wenn der Erwachensfaktor Ergründung der dhammas in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Ergründung der dhammas ist in mir’; wenn der Erwachensfaktor Ergründung der dhammas nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Ergründung der dhammas ist nicht in mir’; er erkennt, wie der nicht entstandene Erwachensfaktor Ergründung der dhammas entstehen kann und wie der entstandene Erwachensfaktor Ergründung der dhammas durch Entwicklung vervollkommnet werden kann. Wenn der Erwachensfaktor Energie in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Energie ist in mir’; wenn der Erwachensfaktor Energie nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Energie ist nicht in mir’; er erkennt, wie der nicht entstandene Erwachensfaktor Energie entstehen kann und wie der entstandene Erwachensfaktor Energie durch Entwicklung vervollkommnet werden kann. Wenn der Erwachensfaktor Freude in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Freude ist in mir’; wenn der Erwachensfaktor Freude nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Freude ist nicht in mir’; er erkennt, wie der nicht entstandene Erwachensfaktor Freude entstehen kann und wie der entstandene Erwachensfaktor Freude durch Entwicklung vervollkommnet werden kann. Wenn der Erwachensfaktor Ruhe in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Ruhe ist in mir’; wenn der Erwachensfaktor Ruhe nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Ruhe ist nicht in mir’; er erkennt, wie der nicht entstandene Erwachensfaktor Ruhe entstehen kann und wie der entstandene Erwachensfaktor Ruhe durch Entwicklung vervollkommnet werden kann. Wenn der Erwachensfaktor Konzentration in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Konzentration ist in mir’; wenn der Erwachensfaktor Konzentration nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Konzentration ist nicht in mir’; er erkennt, wie der nicht entstandene Erwachensfaktor Konzentration entstehen kann und wie der entstandene Erwachensfaktor Konzentration durch Entwicklung vervollkommnet werden kann. Wenn der Erwachensfaktor Gleichmut in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Gleichmut ist in mir’; wenn der Erwachensfaktor Gleichmut nicht in ihm vorhanden ist, erkennt er: ‚Der Erwachensfaktor Gleichmut ist nicht in mir’; er erkennt, wie der nicht entstandene Erwachensfaktor Gleichmut entstehen kann und wie der entstandene Erwachensfaktor Gleichmut durch Entwicklung vervollkommnet werden kann.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens in den dhammas betrachtend. Die Achtsamkeit ‚dhammas sind da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Genau so verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der sieben Erwachensfaktoren betrachtend.

[EDLE WAHRHEITEN:] Sodann, ihr Mönche, verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der vier edlen Wahrheiten betrachtend. Und wie verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der vier edlen Wahrheiten betrachtend? Hier erkennt er, wie es wirklich ist: ‚Dies ist dukkha’; er erkennt, wie es wirklich ist: ‚Dies ist das Entstehen von dukkha’; er erkennt, wie es wirklich ist: ‚Dies ist das Ende von dukkha’; er erkennt, wie es wirklich ist: ‚Dies ist der Weg, der zum Ende von dukkha führt’.

[KEHRVERS:] Auf diese Weise verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas innerlich … äußerlich … sowohl innerlich als auch äußerlich betrachtend. Er verweilt, die Natur des Entstehens … des Vergehens … sowohl des Entstehens als auch des Vergehens in den dhammas betrachtend. Die Achtsamkeit ‚dhammas sind da’ ist in ihm gegenwärtig in dem Maße, das zum reinen Erkennen und für andauernde Achtsamkeit erforderlich ist. Und er verweilt unabhängig, an nichts in der Welt haftend. Genau so verweilt er hinsichtlich der dhammas, dhammas in der Form der vier edlen Wahrheiten betrachtend.

[VORAUSSAGE:] Ihr Mönche, wenn jemand diese vier satipatthânas auf diese Weise sieben Jahre lang entwickelt, kann eines von zwei Ergebnissen für ihn erwartet werden: entweder vollendete Erkenntnis hier und jetzt oder, wenn noch eine Spur von Anhaften übrig ist, Nichtwiederkehr. Dahingestellt bleiben mögen die sieben Jahre … sechs Jahre … fünf Jahre … vier Jahre … drei Jahre … zwei Jahre … ein Jahr … sieben Monate … sechs Monate … fünf Monate … vier Monate … drei Monate … zwei Monate … ein Monat … ein halber Monat … wenn jemand diese vier satipatthânas auf diese Weise sieben Tage lang entwickelt, kann eines von zwei Ergebnissen für ihn erwartet werden: entweder vollendete Erkenntnis hier und jetzt oder, wenn noch eine Spur von Anhaften übrig ist, Nichtwiederkehr. In Bezug hierauf wurde also gesagt:

[DIREKTER WEG:] Ihr Mönche, dies ist der direkte Weg zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Kummer und Wehklage, zum Beenden von dukkha und Betrübtheit, zur Erlangung der richtigen Methode, zur Verwirklichung von Nibbâna, nämlich die vier satipatthânas.“ So sprach der Erhabene. Die Mönche waren erfüllt und voller Freude ob der Worte des Erhabenen.

Zur Erleichterung des Auffindens bestimmter Passagen der Lehrrede haben wir jeden Abschnitt mit einer kurzen Überschrift versehen, die sich nicht im Original findet. Damit die komplexe Sutta übersichtlicher und leichter lesbar wird, hat Elena Tagieva diese Zusammenfassung erstellt:

Satipatthana-Sutta- Zusammenfassung

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11. 7. 2016:

Anhaften – Upādāna

ist Teil der zwölfgliedrigen Kette des Bedingten Entstehens (Saṃyutta Nikāya)

(…)

7. Was aber, ihr Bhikkhu, nennt man Festhalten-Wollen?

Vier Arten des Festhalten-Wollens, ihr Bhikkhu, gibt es:

Festhalten-Wollen an den Objekten der Sinnlichen Gier,

Festhalten-Wollen an falschen Ansichten,

Festhalten-Wollen an Regeln und Riten,

Festhalten-Wollen an der Illusion eines eigenständigen Ichs.

Das, ihr Bhikkhu, nennt man Festbalten-Wollen.

8. Was aber, ihr Bhikkhu, nennt man Gier? Es gibt sechs Gruppen der Gier:

die Gier nach Form,

nach Tönen,

nach Düften,

nach Geschmäckern,

nach körperlichen Gefühlen

und die Gier nach Objekten des Bewusstseins.

Das, ihr Bhikkhu, nennt man Gier.

(…)

 4 Arten des Anhaftens – Upadana

kāmupādāna

Ergreifen von Sinnlichkeit – Suche und Sucht, sinnliche Absicht, Wunscherfüllung

Verstärkung und Verhärtung des Begehrens durch das dem Begehren nachgeben

ditthupādāna

Ergreifen von (falschen) Anschauungen – Festhalten an Meinungen: Recht haben und kompetent sein wollen.

Festhalten an Tugenden und Gepflogenheiten

silabbatupādāna

Überschätzen von Verhaltensweisen. Die Meinung, mit bloßem Verhalten und guten Werken sei das höchste Ziel zu erreichen.

Anhaften an Riten.

Der Glaube an die Möglichkeit der Weltverbesserung.

attavādupādāna

Sich mit etwas als „Ich“ oder „Mein“ identifizieren.

Der Glaube, eine als Ganzheit und Einheit aufgefasste Person zu sein,

obwohl nur sechs Berührungssüchte den Eindruck einer Person erwecken.

Festhalten an der «Ich-bin» Behauptung

Die einzelnen Skandhas – Anhaftungsgruppen

1. Körperlichkeitsgruppe (skt./p. rūpa) Sinnesorgane

2 Gefühlsgruppe (skt./p. vedanā) angenehm, unangenehm und neutral, durch Berührung der Sinnesorgane von außen

3 Wahrnehmungsgruppe (skt. samjñā, p. saññā) Geistesobjekte – Gestalten

4 Geistesformationsgruppe (skt. samskāra, p. samkara auch: sankhāra) Interessen, Willensregungen, Sehnsüchte und Tatabsichten. Der Mensch reagiert und interpretiert die Wahrnehmungen.

5 Bewusstseinsgruppe (skt. vijñāna, p. viññāna) Es ist die Summe der vier ersten Daseinsfaktoren. Ein „Selbst“ entsteht, in dem die Außenwelt nicht erfasst wird, sondern das die Außenwelt in sich entstehen lässt („projiziert“).

Screenshot (43)

Screenshot (39)

Screenshot (41)

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25.7.2016

Bhikkhunupassaya Sutta – Die Wohnung der Nonnen

In Sāvatthi.

Nachdem sich der Ehrwürdige Anando in der Frühe angekleidet hatte, nahm er Mantel und Schale und begab sich zu einem Nonnenkloster. Dort angekommen, setzte er sich auf vorbereitetem Sitz nieder. Da begaben sich einige Nonnen dorthin, wo der Ehrwürdige Anando weilte, begrüßten ihn ehrfurchtsvoll und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandten sie sich also an den Ehrwürdigen Anando:

„Es gibt hier, Herr Anando, einige Nonnen, die haben ihr Bewusstsein bei den 4 Pfeilern der Achtsamkeit wohlgefestigt und ein gewaltiges, allmählich gemerktes Ergebnis erfahren.“

„So ist es, Schwestern. So ist es, Schwestern. Wahrlich, o Schwestern, wer da als Mönch oder Nonne sein Bewusstsein bei den 4 Pfeilern der Achtsamkeit wohlgefestigt hat, von dem ist zu erwarten, daß er ein gewaltiges, allmählich gemerktes Ergebnis erfahren wird.“

Nachdem nun der Ehrwürdige Anando die Nonnen durch ein Lehrgespräch unterwiesen, angeregt, erhoben und erheitert hatte, stand er auf und entfernte sich. Darauf ging der Ehrwürdige Anando in Sāvatthi um Almosenspeise, und nach Rückkehr vom Almosengange, nach beendetem Mahle, begab er sich zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, berichtete er dem Erhabenen von seinem Gespräch im Nonnenkloster. Und der Erhabene sprach:

„So ist es, Anando. So ist es, Anando. Wahrlich, o Anando, wer da als Mönch oder Nonne sein Bewusstsein bei den 4 Pfeilern der Achtsamkeit wohlgefestigt hat, von dem ist zu erwarten, daß er ein gewaltiges, allmählich gemerktes Ergebnis erfahren wird. In welchen vier?

Da wacht, Anando, der Mönch beim Körper über den Körper, unermüdlich, klar bewußt, achtsam, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Trübsinns.

Während er aber so beim Körper über den Körper wacht, erscheint aufgrund des Körpers beim Körper Fieberdurst oder Schlaffheit des Gemütes, oder das Bewusstsein wendet sich nach außen.

Dieser Mönch, Anando, soll das Bewusstsein auf irgendeine befriedigende Vorstellung richten.

Hat er das Bewusstsein auf irgendeine befriedigende Vorstellung gerichtet, dann entsteht Freude.

Dem Freudigen entsteht Entzücken.

Entzückt im Geiste, beruhigt sich der Körper.

Beruhigten Körpers fühlt er sich wohl.

Sich wohl fühlend, einigt sich das Bewusstsein.

Da führt er sich vor Augen: ‚Zu welchem Zweck ich das Bewusstsein dahin gerichtet hatte, dieser Zweck ist nun erfüllt. Wohlan denn, so will ich es zurückziehen‘.

Und er zieht es zurück und erwägt nicht mehr und sinnt nicht mehr. So erkennt er: ‚Frei von Erwägen, frei von Sinnen bin ich, nach innen achtsam ist mir wohl‘.

So, Anando, vollzieht sich gerichtete Entfaltung.

Und wie, Anando, vollzieht sich nicht-gerichtete Entfaltung? Läßt da, Anando, der Mönch sein Bewusstsein nicht nach außen gerichtet werden, so weiß er: ‚Nicht nach außen gerichtet ist mein Bewusstsein.‘ Und er weiß: ‚Nicht bin ich zerstreut auf Früheres oder Späteres, erlöst, nicht gerichtet.‘ Und er weiß nun: ‚Beim Körper wache ich über den Körper, bei den Gefühlen über die Gefühle, beim Bewusstsein über das Bewusstsein, bei den Geistesformationen über die Geistesformationen, unermüdlich, klar bewußt, achtsam, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Trübsinns: mir ist wohl.‘ So, Anando, vollzieht sich nicht-gerichtete Entfaltung.

Da habe ich denn, Anando, die gerichtete Entfaltung gezeigt und die ungerichtete. Was da, Anando, ein Meister den Jüngern aus Wohlwollen und Mitleid, von Mitleid bewogen, schuldet, das habt ihr von mir empfangen. Da laden, Anando, Bäume ein, und dort leere Klausen. Wirket Schauung, Anando, auf daß ihr nicht lässig werdet, später nicht Reue empfindet: das haltet als unser Gebot.“

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der Ehrwürdige Anando über das Wort des Erhabenen.

Saṃyutta Nikaya 47.10., Übersetzung Hellmuth Hecker

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2 Antworten auf „Was wir lesen“

  1. wu wei, denke ich, bitte überprüfen.

    Und ja, was Ihr lest interessiert mich auch –
    auch wenn ich bisher kein Feedback zu Eurer noch relativ
    neuen Kolummne gelesen habe.

    grüße, paula

  2. freunde,

    was für ein Kontrast:
    Byron Katie mit ihrem Fragebogensystem und
    Ajahn Buddhadasas Text über befreiendes Nicht-tun, Kein-Ego
    und Samadhi.

    Mehr scheint mir dazu nicht zu sagen.

    Grüße,
    paula

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