Wo liegt das Problem?

Alles beruht tatsächlich auf unserer eigenen Verblendung. Wir könnten die Gesellschaft, die Regierung, die Polizei dafür verantwortlich machen: wir könnten sagen, dass die schlechten Zeiten, die Völlerei, die Autobahnen, unseres eigenes Auto, unsere Kleidung schuld daran sind. Wir könnten versuchen, die Verantwortung für alles nur Vorstellbare abzuwälzen. Aber wir sind es selbst, die nicht fähig sind, die Zügel aus der Hand zu geben, um uns ausreichend warmherzig und mitfühlend zu erweisen. Wir selbst sind das Problem.

Chögyam Trungpa

Ein Rat in schwierigen Zeiten

Wir neigen dazu, unsere Perspektiven machmal auf einen Tunnelblick zu verengen. Heinz von Förster sagt dazu:

„Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“

Heinz von Foerster (* 1911 als Heinz von Förster in Wien- † 2002 in Pescadero, Kalifonien) war ein österreichischer ein Physiker, Kybernetiker und Philosoph.

Heinz von Förster Foto

Heute

Achte gut auf diesen Tag, denn er ist das Leben.

Rumi

Was sind die Kernelemente des säkularen Buddhismus?

Wie definieren wir eine säkulare Herangehensweise an den Dharma?

Der säkulare Buddhismus trägt zum Prozess bei, den Dharma und seine Praxis kulturell für Menschen verfügbar zu machen,die von der modernen westlichen Kultur durchdrungen sind.  
Das Adjektiv "säkular" bezieht sich hier auf die Notwendigkeit für jede große Tradition- wie den Buddhismus-, Menschen in den spezifischen Zeiten, Orten und Kulturen anzusprechen,in denen sie leben.Säkularität steht im Gegensatz zu der Tendenz von Religionen, unabhängig vom historischen Kontext zeitlose metaphysische Wahrheiten  zeitlose Regeln, Praktiken und Rituale  mit Bestimmtheit zu behaupten.
Der Dharma beruht zwar auf einer zeitlosen Metaethik – der Ethik der Fürsorge – aber wir müssen unsere Praxis im Kontext historischer Situationen gestalten. 
Heute muss uns der Dharma zum Beispiel bei der Bewältigung unserer beiden großen Krisen leiten – der globalen Erwärmung und der globalen sozialen Ungerechtigkeit. Zu Buddhas Zeiten gab es diese Probleme noch nicht.
Als säkulare BuddhistInnen sehen wir den Buddha selbst also nicht als religiösen Propheten, sondern als das, was die alten Griechen einen "praktischen Philosophen" nannten: einen, der einen fruchtbaren Weg eingeschlagen hat, um mit den grundlegenden Schwierigkeiten der Menschen während der anhaltenden landwirtschaftlichen Revolution umzugehen. Das heißt, Menschen mit einem gewissen Maß an Muße und Freiheit,fundierte Lebensentscheidungen zu treffen, die aber immer noch hartnäckig Geburt, Alter, Krankheit, Tod, Widrigkeiten, Frustration und Verwundbarkeit ausgesetzt sind. Um als Menschen zu gedeihen, müssen wir kreativ mit diesen Elementen des Menschseins arbeiten.
Wir sind selbst solche Menschen, also können wir davon profitieren, den Dharma anzuwenden, um unsere Lebenserfahrungen zu analysieren und intelligent auf die Schwierigkeiten zu reagieren,denen wir heute gegenüberstehen.
Aus dem Englischen übersetzt von Eva-Maria Glatz

Festen Boden gibt es nicht

In unserem gewöhnlichen Leben gibt es hinter unserem Gerede, allen Bewegungen, die wir machen, hinter all den Gedanken unseres Geistes das grundlegende Fehlen eines festen Bodens. Da ist ein ständiges Brodeln. Wir erfahren es in Form von Unruhe und Unbehagen. Wir erfahren es in der Form von Angst. Es ruft Leidenschaft, Aggression, Unwissenheit, Eifersucht und Stolz hervor, aber wir tauchen niemals auf den Grund seiner Essenz hinab.

Pema Chödrön ist buddhistische Nonne und Schriftstellerin.

Über die Hoffnung

Wenn du annimmst, dass es keine Hoffnung gibt, dann garantierst du, dass es keine Hoffnung gibt. Wenn du aber annimmst, dass es einen Instinkt zur Freiheit gibt, dass es Möglichkeiten gibt, Dinge zu ändern, dann gibt es auch die Möglichkeit, dass du dazu beitragen kannst, die Welt besser zu machen.“ — Noam Chomsky

Avram Noam Chomsky (*1928 in Philadelphia,USA ) war Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er ist einer der weltweit bekanntesten kritischen Intellektuellen der USA.

Lasst euch nichts gefallen

Über den österreichischen Musikanten Willi Resetarits

Im Sommer 1976 bei der Besetzung des Arenagebäudes im dritten Bezirk in Wien habe ich ihn zum ersten Mal gehört. Als Sänger nahm wenig später mit der Band Schmetterlinge die Proletenpassion auf, in der die Geschichte aus der Sicht der kleinen Leute erzählt wird. Ich war berührt und begeistert.

Geboren als Sohn kleiner Leute im Südburgenland, wo alle kroatisch sprachen, lernte er erst im Alter von drei Jahren deutsch, als die Familie nach Wien übersiedelte. Ein Studium gab er zugunsten der höchst unsicheren Karriere als Sänger auf.

Nach und nach wurde er weit über die Grenzen Österreichs bekannt, besonders als Ostbahn-Kurti – Tausende kamen zu den Konzerten, die er mit anderen Musikern unterschiedlichen Formationen gab.

Nah bei den kleinen Leuten ist er immer geblieben, egal welcher Hautfarbe oder Konfession sie waren. Gemeinsam mit anderen organisierte er das legendäre Lichtermeer im Jänner 1993 gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz.

Auch bei der Gründung des Integrationshauses, wo heute 100 Mitarbeiter Flüchtlinge betreuen und beraten, stand er an vorderster Stelle. Am Tage vor seinem Tod eröffnete er noch den Flüchtlingsball in Wien.

die letzte Tonaufnahme im Jahr 2021 : Elapetsch, Tod, kommentierte er so:

Wenn man ein Bewusstsein dafür kriegt, dass die Tage gezählt sind, intensiviert sich das Leben. Man kriegt ein Gefühl, dass man sich nicht verzetteln muss, indem man allzu viele ungeliebte Tätigkeiten aus Pflichtbewusstsein macht, sich quält und dann missmutig ist, so Resetarits. „Elapetsch, Tod“ bedeute also, dem Tod eine lange Nase zu drehen. Dahinter schwebt: Dem Tod durchaus gefasst ins Auge blicken und es leicht nehmen mit der Vergänglichkeit.

Hier kann man ihn singen hören: https://www.youtube.com/watch?v=30vWrsjRnxg

Er verunglückte im Alter von73 Jahren in seinem Haus. Viele Menschen aus Wien, auch ich, trauern um ihn.

Die Dämonen

Die Dämonen für Dämonen zu halten,

das ist die Gefahr.

Sie als leer zu erkennen,

das ist der Weg.

Sie zu begreifen als, das was sie sind,

das ist die Befreiung.

Sie als Vater und Mutter zu erkennen,

das ist ihr Ende.

Wenn wir sie als Schöpfungen des Geistes gelten lassen,

dann verwandeln sie sich in Ausschmückungen.

Wissen wir derart damit umzugehen,

dann ist das Ganze befreit.

Milarepa lebte im elften Jahrhundert in Tibet und war ein Yogi, Asket und Dichter

Stephen Batchelor über eine Ethik der Unsicherheit

Am 9. März 2022 hielt Stephen Batchelor einen Online-Vortrag über dieses Thema. 

Stephen begann das Gespräch mit einem Thema, das für uns heute von entscheidender Bedeutung ist: die Invasion der Ukraine. Als Reaktion auf diese zutiefst beunruhigende Situation müssen wir uns fragen: Was soll ich tun? Was sollen wir tun? Aber wie in vielen Situationen, die wir erleben, ist die Antwort nicht so einfach zu finden, da erhebliche Unsicherheit darüber besteht, welche Wahl wir treffen sollten. Und doch müssen wir uns als ethische Wesen, wie Stephen betonte, für eine Vorgehensweise entscheiden; wir müssen handeln.

Alle ethischen Entscheidungen haben tatsächlich dieses Element der Unsicherheit, nicht nur, weil wir niemals alle Faktoren einer Situation vollständig kennen können, sondern auch, weil wir die Ergebnisse unserer Handlungen nicht vorhersagen können. Selbst mit den besten Absichten führt das, was wir tun, möglicherweise nicht zu positiven Ergebnissen.
Wie können wir also die Fähigkeit entwickeln, ethisch zu handeln, wenn Unsicherheit immer vorhanden ist? Wie entwickeln wir die Fähigkeit, in jeder Situation eine "angemessene Antwort" zu finden, wie der Zen-Meister Yunmen es ausdrückte?

Stephen legte dar, dass die grundlegenden Elemente für eine Ethik der Ungewissheit im frühen Buddhismus und in bestimmten sokratischen philosophischen Dialogen zu finden seien. Sowohl Gotama als auch Sokrates äußerten sich in Sinne einer Ethik, die eher auf Mitgefühl und Unwissenheit beruht als auf a priori moralischen Überzeugungen und metaphysischen Gewissheiten. Indem er zu den frühen Diskursen des Buddha und den Dialogen seines griechischen Zeitgenossen Sokrates zurückkehrte, sprach er über gemeinsame philosophische und ethische Themen, die es uns ermöglichen können, am besten auf die Krisen zu reagieren, mit denen wir heute konfrontiert sind – Klimawandel, Krieg, Armut und soziale Ungerechtigkeit.

Nachfolgend das Video dieses Vortrags:
https://youtu.be/wdojxH8IpjQ

es geht weiter…

Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist gestern, der andere morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist.

Dalai Lama

Dalai Lama liegt mit Infektion im Krankenhaus - DER SPIEGEL