Das Unglück und das Glück

Wenn Ihr die Schmerzen nicht haben wollt, spricht das Leben, sollt ihr auch die Lust nicht haben. Richtet ihr euch auf mich ein, so verfehlt ihr zum vornherein die Richtung. Es begegnen mir da zu viele Gerechte, die wollen mich alle meistern. Wenn ich sie aber einfach nicht beachte?…Da kommen sie mir nun alle mit ihrer Lebenskunst und haben bloß die Kunst, aber nicht mich. Nur in mir würden sie die Kunst finden können, aber wenn sie sie fänden, würden sie sie gar nicht mehr so nennen. Ich soll sie nicht mehr unglücklich machen dürfen, aber wie können sie dann je glücklich werden, wie können sie dann je fühlen, was Glück ist, da doch Glück vom Unglück so wenig zu trennen ist wie Licht vom Schatten, die einander bedingen.

Robert Walser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sicherheitscheck * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.