{"id":873,"date":"2013-06-06T13:32:29","date_gmt":"2013-06-06T11:32:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=873"},"modified":"2019-08-20T09:12:26","modified_gmt":"2019-08-20T07:12:26","slug":"wir-und-das-geld","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=873","title":{"rendered":"Wir und das Geld"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man die Website von Karl-Heinz Brodbeck auch nur \u00fcberfliegt, schwirrt einem der Kopf. Er ist ausgebildeter Elektroingenieur, emeritierter Professor f\u00fcr Volkswirtschaftslehre, Kreativit\u00e4tsforscher und Philosoph, hat zahlreiche B\u00fccher verfasst oder herausgegeben, noch mehr Artikel geschrieben und ist Mitglied diverser Stiftungen und wissenschaftlicher Vereinigungen. Brodbeck praktiziert in der Schule des tibetischen Dzogchen und versteht sich als engagierter Buddhist. In der fr\u00fchen Bl\u00fctezeit des Buddhismus seien dessen Lehrer gleichzeitig auf dem h\u00f6chsten Stand des Wissens in anderen Disziplinen gewesen und h\u00e4tten dieses weitergegeben; an diese Tradition schlie\u00dfe er mit seiner Verkn\u00fcpfung des Dharma mit National\u00f6konomie an. So leitete er einen Vortrag zum Thema: <em>Wirtschaften mit ethischen Ma\u00dfst\u00e4ben?!<\/em> im April 2013 ein <sup class='footnote'><a href='#fn-873-1' id='fnref-873-1' onclick='return fdfootnote_show(873)'>1<\/a><\/sup>. Brodbeck beginnt mit einem Beispiel aus dem Werk Nagarjunas, des gro\u00dfen indischen Philosophen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., durch das er Buddhas Lehre von der Abh\u00e4ngigkeit aller Wesen, gleichzeitig auch aller Ph\u00e4nomene &#8211; seien sie materiell, sinnlich oder geistig &#8211; demonstriert: Mutter und Kind k\u00f6nnten nicht unabh\u00e4ngig voneinander gedacht werden; erst das Kind mache die Mutter zur Mutter und umgekehrt. Beide h\u00e4tten keine unabh\u00e4ngige Selbst-Natur, keine eigenst\u00e4ndige Substanz. Die Bestimmung nur in gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeit zu finden, sei mit dem Grundprinzip der &#8222;Leere&#8220; gemeint. Weiters bekennt er sich zu Buddhas Satz &#8222;Den Dingen geht der Geist voran&#8220;, mit dem gesagt sei, dass die Welt vom Bewusstsein gelenkt werde, dass hier auch die Kraft liege, die Welt zum Guten oder zum Schlechten zu gestalten.Da es keine unver\u00e4nderbare Menschennatur gebe, k\u00f6nne nahezu jeder &#8222;Charakterzug&#8220; durch Motivation und daraus folgende Bewusstseinsprozesse und Handlungen beeinflusst und ver\u00e4ndert werden. Philosophen h\u00e4tten immer wieder versucht, diesen Satz auf den Kopf zu stellen wie Karl Marx mit seinem Diktum vom Sein, das das Bewusstsein bestimme. Menschen seien unter den unausweichlichen Bedingungen st\u00e4ndigen Wandels auf der Suche nach Sicherheiten; das f\u00fchre dazu, dass wir immer wieder unsere Erfahrungen in Begriffe \u00fcbersetzten. So w\u00fcrden wir \u00fcber Geb\u00fchr das Wort &#8222;ich&#8220; gebrauchen, und in Verbindung damit gleich den Begriff &#8222;mein&#8220;, als k\u00f6nnte die Abgrenzung von anderen Menschen und das Abstecken eines individuellen Territoriums Verunsicherung reduzieren. Das sei mit dem Gift der Unwissenheit oder auch Verblendung gemeint. Zum Thema &#8222;Geld&#8220; stellt er fest, dass trotz dessen dauernder Pr\u00e4senz seit Jahrhunderten sein Wesen kaum erfasst worden sei. Brodbeck sagt: Geld ist kein Ding, es ist eine fiktive Gr\u00f6\u00dfe. Wert wird ihm nur zugesprochen, weil alle sich so verhalten, als h\u00e4tte es Wert, weil wir darauf vertrauen, dass das so sei. Daraus resultiere kollektive Verblendung; wir alle reproduzierten laufend die Macht des Geldes, und obwohl das Geld uns alle verbinde, glaubten wir paradoxerweise, unser eigenes Geld h\u00e4tte einen speziellen Charakter. Und so versuchten Menschen durch blo\u00dfe Vermehrung der eigene Geldmenge auf Kosten anderer Sicherheit zu gewinnen: hier k\u00e4men die beiden anderen Gifte Gier und Hass ins Spiel. Dass Geldwerte fiktiv seien, dass das Streben nach mehr Geld einer globalen Illusion folge und diese gleichzeitig erzeuge, lie\u00dfe sich in der Gegenwart an Hand der Blasen an den B\u00f6rsen und Finanzm\u00e4rkten unmittelbar nachvollziehen. \u00d6konomisches Kalk\u00fcl h\u00e4tte mehr und mehr die \u00dcbermacht \u00fcber andere Denkformen gewonnen und die im Geld liegende Illusion zu einer Gewohnheit gemacht. Dies f\u00fchre nach buddhistischer Analyse auf vielf\u00e4ltige Weise zu Leiden, wie sich an den Finanzkrisen des Kapitalismus zeige, die in den letzten Jahren neue, immer gef\u00e4hrlichere Ausma\u00dfe angenommen h\u00e4tten. Krisenbek\u00e4mpfung kann nach Brodbecks Einsch\u00e4tzung nicht einfach durch \u00e4u\u00dfere Begrenzung von Geldgier gelingen. Der irrationalen Gewohnheit des Strebens nach mehr Geld sollten wir das Aufdecken seiner Schein-Natur entgegensetzen. Wir m\u00fcssten verst\u00e4rkt Bewusstsein daf\u00fcr schaffen, dass in einer Welt gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeit aller Wesen und Dinge die einzigen gerechtfertigten und gleichzeitig sinnvollen Handlungsmotive Gewaltlosigkeit, Toleranz, Mitgef\u00fchl, Fairness und Vertrauen seien. Der Glaube an fiktive Geldwerte, Gier und Aggression im wirtschaftlichen Wettbewerb verhinderten systematisch die Erkenntnis, dass Gl\u00fcck eine erlernbare Bewusstseinsform von Schlichtheit und Freundlichkeit sei.<\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-873'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-873-1'> Der Anla\u00df daf\u00fcr war ein Symposium der \u00d6sterreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft in Wien. Die Hauptgedanken von Brodbecks Rede k\u00f6nnen auf seiner Website: <a href=\"http:\/\/www.khbrodbeck.homepage.t-online.de\/\">http:\/\/www.khbrodbeck.homepage.t-online.de\/ <\/a>unter dem Titel <em>Grundlagen der buddhistischen Wirtschaftsethik<\/em> nachgelesen werden <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-873-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man die Website von Karl-Heinz Brodbeck auch nur \u00fcberfliegt, schwirrt einem der Kopf. 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