{"id":4061,"date":"2016-06-20T17:00:03","date_gmt":"2016-06-20T15:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=4061"},"modified":"2020-07-29T15:09:01","modified_gmt":"2020-07-29T13:09:01","slug":"der-rechte-einsatz-in-theorie-und-praxis-retreat-mit-martine-und-stephen-batchelor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=4061","title":{"rendered":"Der rechte Einsatz in Theorie und Praxis <\/br> Retreat mit Martine und Stephen Batchelor"},"content":{"rendered":"<p>Martine und Stephen Batchelor sind auch heuer f\u00fcr ein s\u00e4kular-buddhistisches Retreat ins Buddhistische Zentrum nach Scheibbs gekommen, und dazu etwa 25 Frauen und M\u00e4nner, die ihnen zuh\u00f6ren, miteinander meditieren, sprechen und schweigen wollen. Am Anfang kam die Frage, an welchen Themen uns Teilnehmerinnen und Teilnehmern gelegen sei. Beide haben den Begriff &#8222;right effort&#8220; aufgegriffen, der<strong> rechte Einsatz <\/strong><sup class='footnote'><a href='#fn-4061-1' id='fnref-4061-1' onclick='return fdfootnote_show(4061)'>1<\/a><\/sup>, ein Teil des &#8222;achtfachen Pfades&#8220;, den zu gehen Buddha uns nahelegt. Martine, von der immer die praxisnahen Anleitungen f\u00fcr die Meditation kommen, empfiehlt uns, &#8222;effort&#8220; nicht mit &#8222;effect&#8220; zu verkn\u00fcpfen. Beim Einsatz solle nicht sein Effekt im Vordergrund stehen, sondern &#8211; wie bei jeder \u00dcbung von Achtsamkeit in der Meditation oder au\u00dferhalb &#8211; gehe es um das Kultivieren dessen, was heilsam ist und uns gut tut; das k\u00f6nne auch sehr entspannend und freudvoll sein. Ohne Vergleiche anzustellen, k\u00f6nnen wir uns den Einsatz anderer Menschen und unseren eigenen Einsatz durch <strong>Mudita<\/strong>, <strong>Mitfreude<\/strong>, bewusster machen und ihn so kultivieren. Der Ma\u00dfstab f\u00fcr unsere Praxis sei jedenfalls einzig, ob sie uns helfe, in unserem Alltag gut zu leben. Auch Stephen spricht \u00fcber den rechten Einsatz. Er erinnert uns daran, dass der Begriff &#8222;effort&#8220; landl\u00e4ufig mit heftiger Anstrengung bei zusammengebissenen Z\u00e4hnen assoziiert werde. F\u00fcr unsere Zwecke gehe es aber darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen Weisheit und Mitgef\u00fchl nat\u00fcrlich entstehen und wachsen k\u00f6nnen. Buddha spricht von <strong>vier Formen von Einsatz<\/strong>:<\/p>\n<blockquote><p>F\u00f6rdere in dir den Wunsch, nicht entstandene reaktive Zust\u00e4nde zu vermeiden. F\u00f6rdere den Wunsch, entstandene reaktive Zust\u00e4nde loszulassen. F\u00f6rdere den Wunsch, heilsame Zust\u00e4nde, die noch nicht da sind, entstehen zu lassen. F\u00f6rdere den Wunsch, heilsame Zust\u00e4nde, die schon da sind, aufrechtzuerhalten und auszudehnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei sollten wir nichts unterdr\u00fccken, sondern uns Bedingungen schaffen, in denen reaktives Verhalten <sup class='footnote'><a href='#fn-4061-2' id='fnref-4061-2' onclick='return fdfootnote_show(4061)'>2<\/a><\/sup> unwahrscheinlicher wird. Reaktives Verhalten loszulassen k\u00f6nne in vielen F\u00e4llen einfach darin bestehen, gar nichts zu tun <sup class='footnote'><a href='#fn-4061-3' id='fnref-4061-3' onclick='return fdfootnote_show(4061)'>3<\/a><\/sup>. Das klinge einleuchtend, sagt Stephen, aber immer noch recht abstrakt. Um es konkreter zu machen, zitiert er ausf\u00fchrlich den indischen M\u00f6nch <strong>Shantideva<\/strong>, der im 7. und 8. Jahrhundert u. Z. gelebt hat. Dessen &#8222;F\u00fchrer f\u00fcr das Leben eines Bodhisattva&#8220; hat Stephen vor vielen Jahren aus dem Tibetischen ins Englische \u00fcbersetzt <sup class='footnote'><a href='#fn-4061-4' id='fnref-4061-4' onclick='return fdfootnote_show(4061)'>4<\/a><\/sup>. In einem Kapitel geht es auch hier um den rechten Einsatz. Stephen spricht dabei lieber von &#8222;enthusiasm&#8220; als von &#8222;effort&#8220;. Es geht ihm hier wie Shantideva vor allem um eines: was uns Freude macht, strengt uns nicht an, und das sollten wir kultivieren. Shantideva erinnert seine Leser an ihre Sterblichkeit. Unter diesem Aspekt sei die einzig wichtige Frage, worum es uns im Leben wirklich gehe. Sie sei Voraussetzung daf\u00fcr, Enthusiasmus f\u00fcr das zu entwickeln, wozu wir uns berufen f\u00fchlten &#8211; und das habe dann nichts mit zusammengebissenen Z\u00e4hnen zu tun, erg\u00e4nzt Stephen. Wenn uns das gelinge, k\u00e4me alles weitere von selbst: das Selbstbewusstsein, das aus der \u00fcbernommenen Aufgabe entsteht, die Freude daran und schlie\u00dflich auch das Wissen dar\u00fcber, wann es notwendig sei, auszuruhen <sup class='footnote'><a href='#fn-4061-5' id='fnref-4061-5' onclick='return fdfootnote_show(4061)'>5<\/a><\/sup>. Shantideva schreibt: wir sollten praktizieren wie Kinder, die zum Spielen nach drau\u00dfen gehen. <a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?attachment_id=4083\" rel=\"attachment wp-att-4083\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-4083 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/spielende-Kinder-300x150.jpeg\" alt=\"spielende Kinder\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/spielende-Kinder-300x150.jpeg 300w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/spielende-Kinder.jpeg 490w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Stephen zieht <strong>Parallelen zwischen<\/strong> den oben beschriebenen <strong>vier Formen von Einsatz und den vier Aufgaben<\/strong>, vor die Buddha uns stellt:<\/p>\n<ol>\n<li>Bedingungen herzustellen, unter denen reaktives Verhalten nicht entsteht, korrespondiere mit dem Umarmen von dukkha, der conditio humana<\/li>\n<li>um das Loslassen reaktiver Zust\u00e4nde gehe es hier wie dort<\/li>\n<li>Bedingungen zu schaffen, unter denen heilsame Zust\u00e4nde entstehen k\u00f6nnen, entspreche der Erfahrung dessen, dass Reaktivit\u00e4t aufh\u00f6rt<\/li>\n<li>heilsame Zust\u00e4nde aufrechtzuerhalten entspreche dem Kultivieren des Pfades<\/li>\n<\/ol>\n<p>In diesem Zusammenhang spricht Stephen ausf\u00fchrlich \u00fcber <strong>Nirvana<\/strong>. Obwohl es in anderer Bedeutung in den allt\u00e4glichen Sprachgebrauch eingegangen sei, sei es nach seiner Interpretation ein Zustand, den wir alle kennen. Er zitiert aus einem Gespr\u00e4ch zwischen Buddha und dem Wanderm\u00f6nch Sivaka, der ihm die Frage stellt: Was meinst du damit, der Dharma sei hier und jetzt sichtbar, zeitlos, einladend, sachdienlich und f\u00fcr weise Menschen umsetzbar? Buddha antwortet mit einer Gegenfrage: Erkennst du in dir Gier, Hass, Verblendung, wenn sie auftreten? Erkennst du auch Zust\u00e4nde, wenn Gier, Hass, Verblendung nicht vorhanden sind? Sivaka beantwortet alle Fragen mit Ja<sup class='footnote'><a href='#fn-4061-6' id='fnref-4061-6' onclick='return fdfootnote_show(4061)'>6<\/a><\/sup>. Diese freien und offenen Zust\u00e4nde, in denen wir nicht von etwas getrieben sind, was wir dringend zu brauchen meinen, nennt Stephen Nirvana.<\/p>\n<div id=\"H_tipitakaID\">\n<div id=\"H_ptsID\">\n<div>Nun, in diesem Sinn haben wir beim Retreat versucht, die heilsamen Bedingungen in uns und um uns zu f\u00f6rdern und die anderen zu reduzieren. Zur Pflege des einladenden Hauses beizutragen, uns an die Regeln zu halten, die es uns leichter machen sollen, auf begrenztem Raum gut zusammenzuleben, freundlich zu sein und einander nicht zu st\u00f6ren, auch wenn uns eine oder einer durch irgendetwas auf die Nerven geht, und uns beim Anstellen um das gute Essen nicht auf einen vorderen Platz zu dr\u00e4ngeln.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class='footnotes' id='footnotes-4061'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-4061-1'> Diese \u00dcbersetzung von &#8222;samm\u0101 v\u0101y\u0101ma&#8220;, engl. &#8222;right effort&#8220; finde ich besser als Anstrengung&#8220;, &#8222;Bem\u00fchen&#8220;, oder auch &#8222;Streben&#8220; <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4061-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-4061-2'> mit &#8222;reaktivem Verhalten&#8220; ist einfach gemeint: sich in schwierigen Situationen ohne nachzudenken blindlings in Reaktionen nach eingefahrenen Mustern zu st\u00fcrzen <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4061-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-4061-3'> Samyutta Nikaya, Maggasamyutta 8 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4061-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-4061-4'> s.: <a href=\"http:\/\/server.dream-fusion.net\/jamchen\/files\/PDF%20Files\/19361420-A-Guide-to-the-Bodhisattvas-Way-of-Life.pdf.\">http:\/\/server.dream-fusion.net\/jamchen\/files\/PDF%20Files\/19361420-A-Guide-to-the-Bodhisattvas-Way-of-Life.pdf.<\/a> Zum Nachlesen auf deutsch: Der Weg des Lebens zur Erleuchtung: Das Bodhicaryavatara von Shantideva<strong>,<\/strong> \u00fcbersetzt von Ernst Steinkellner, erschienen in Diederichs Gelber Reihe. Eine andere \u2013 allerdings unvollst\u00e4ndige \u2013 \u00dcbersetzung findet sich im Internet auf: <a href=\"http:\/\/www.berzinarchives.com\/\">www.berzinarchives.com\/<\/a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4061-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-4061-5'> eine etwas genauere Darstellung von Shantidevas Worten dazu findet sich in unserem fr\u00fcheren Blog-Eintrag mit dem Titel: Stephen Batchelor \u00fcber Shantidevas &#8222;Weg des Bodhisattva&#8220; <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4061-5'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-4061-6'>Sanditthika Sutta, AN 6.47, <a href=\"http:\/\/www.accesstoinsight.org\/tipitaka\/an\/an06\/an06.047.than.html\">http:\/\/www.accesstoinsight.org\/tipitaka\/an\/an06\/an06.047.than.html<\/a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4061-6'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martine und Stephen Batchelor sind auch heuer f\u00fcr ein s\u00e4kular-buddhistisches Retreat ins Buddhistische Zentrum nach Scheibbs gekommen, und dazu etwa 25 Frauen und M\u00e4nner, die ihnen zuh\u00f6ren, miteinander meditieren, sprechen und schweigen wollen. Am Anfang kam die Frage, an welchen Themen uns Teilnehmerinnen und Teilnehmern gelegen sei. Beide haben den Begriff &#8222;right effort&#8220; aufgegriffen, der &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=4061\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDer rechte Einsatz in Theorie und Praxis <\/br> Retreat mit Martine und Stephen Batchelor\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"aside","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4061"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4061"}],"version-history":[{"count":30,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4061\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5657,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4061\/revisions\/5657"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4061"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4061"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4061"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}