{"id":4001,"date":"2016-06-12T16:23:02","date_gmt":"2016-06-12T14:23:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=4001"},"modified":"2019-08-18T11:19:30","modified_gmt":"2019-08-18T09:19:30","slug":"retreat-mit-jason-siff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=4001","title":{"rendered":"Retreat mit Jason Siff"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/iu-2.jpeg\" rel=\"attachment wp-att-4005\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-4005\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/iu-2.jpeg\" alt=\"iu-2\" width=\"150\" height=\"200\" \/><\/a>Auf dieser Website haben wir schon vielfach Jason Siffs Ideen und Methoden diskutiert, mit denen wir in der Wiener Gruppe auch schon jahrelang praktizieren. K\u00fcrzlich war Jason in \u00d6sterreich, um im Buddhistischen Zentrum Scheibbs ein Retreat zu leiten, und es war wieder \u2013 wie schon letztes Jahr \u2013 in vieler Hinsicht eine Inspiration. Im Gegensatz zum letzten Jahr, vielleicht auch auf Grund wiederkehrender Fragen zu der Verbindung seines Ansatzes zum Dharma (siehe auch Winton Higgins diesbez\u00fcgliche Antworten in einem fr\u00fcheren Blog-Eintrag), hat Jason diesmal sehr viel \u00fcber buddhistische Konzepte gesprochen. In guter s\u00e4kular-buddhistischer Manier in seiner eigenen Interpretation. Dazu geh\u00f6rt auch, dass Jason bei der \u00dcbersetzung von Pali-Begriffen manchmal gerne den Weg \u00fcber Nepali nimmt, das er gut versteht und das starke Einfl\u00fcsse von den alten indischen Sprachen aufweist. So \u00fcbersetzt er \u201e<em>laksana<\/em>\u201c wie im zeitgen\u00f6ssischen Nepali als \u201eZeichen\u201c, und nicht wie \u00fcblich als \u201eDaseinsmerkmale\u201c. Das mag f\u00fcr viele nach Haarspalterei klingen, aber diese Bedeutungsverschiebung bez\u00fcglich der klassischen drei \u201eZeichen\u201c der Existenz (<em>dukkha<\/em>, Verg\u00e4nglichkeit, Nicht-Selbst) ist ein Hinweis darauf, dass es dabei nicht um abstrakte, ewige Wahrheiten geht, die uns nicht in unserer Praxis helfen, sondern um etwas, das wir konkret wahrnehmen k\u00f6nnen. Wie wir eine schwarze Wolke als Zeichen f\u00fcr ein Gewitter sehen k\u00f6nnen, sind die existentiellen Zeichen, wenn wir sie denn erkennen, vielleicht ein Indiz daf\u00fcr, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Auch f\u00fcr das erste Zeichen, <em>dukkha<\/em>, w\u00e4hlt Jason die konkreteste \u00dcbersetzung: Schmerz. Nicht die Geschichte, die wir uns rund um den Schmerz zusammenreimen, und auch nicht die grunds\u00e4tzliche Unf\u00e4higkeit des Lebens, uns dauernde Befriedigung zu verschaffen, meint er mit <em>dukkha<\/em>, sondern einfach nur Schmerz. Allerdings, auch hier verschiebt er die Betonung wieder ein bisschen, geht es ihm doch um einen anderen Umgang mit Schmerz: Nicht (nur) wie wir darauf reagieren, sondern wie wir den Schmerz anders, genauer, kennenlernen k\u00f6nnen. Also keine schnelle, automatische Schubladisierung in der Art \u201eAh ja, das kenn ich schon, das ist X.\u201c, sondern eine genauere Betrachtung, was da genau passiert, und was da vielleicht sonst noch mitschwingt, das nicht nur Schmerz ist, wie Freundlichkeit vielleicht. Verg\u00e4nglichkeit, das zweite Zeichen, ist f\u00fcr Jason ebenfalls mehr als eine (ziemlich offensichtliche) ontologische Aussage \u00fcber das Wesen der Welt, sondern auch unsere Erfahrung mit der durch sie verursachten Unsicherheit. Wie reagieren wir, wenn die Welt nicht so will, wie wir wollen? Das \u00fcblicherweise mit Verg\u00e4nglichkeit \u00fcbersetzte, entsprechende Pali-Wort <em>anicca<\/em> interpretiert Jason auch vielmehr als nicht nach Ritualen, Regeln und Routinen zu handeln. Es geht also um ein genaueres Kennenlernen unserer Unsicherheit und um einen nicht-rituellen, nicht-automatisierten Umgang mit ihr. Nicht anders verh\u00e4lt es sich mit Jasons Interpretation von <em>anatta<\/em>, normalerweise mit Nicht-Selbst \u00fcbersetzt. Anstatt <em>anatta<\/em> als zu erkennende absolute Wahrheit zu sehen, oder sie vielleicht sogar noch als Grund allen Seins hochzustilisieren, geht es Jason nur um die konkrete Erfahrung. K\u00f6nnen wir sehen, wie wir zu einer Meinung, einer Emotion, einer Ansicht werden? Wie l\u00e4uft das ab mit der Identifikation? Und k\u00f6nnen wir sehen, dass Selbst nicht als eigenst\u00e4ndige Entit\u00e4t existiert, sondern auf Grund von Bedingungen entsteht? Und dass gleicherma\u00dfen Nicht-Selbst nicht als eigenst\u00e4ndige Entit\u00e4t existiert, sondern auf Grund von Bedingungen entsteht? Das wahrscheinlich auff\u00e4lligste Merkmal von Jasons Retreats ist seine betont entspannte Herangehensweise, bei der er sogar Gute-Nacht-Geschichten vorliest. Das h\u00e4ngt wohl mit seiner Auffassung von \u201erechter Anstrengung\u201c zusammen, ein Thema, das wir sowohl hier wie auch in unserer Wiener Gruppe schon h\u00e4ufig diskutiert haben. Wie kann das Laufenlassen von Gedanken und Gef\u00fchlen etwas bewirken? M\u00fcssen wir uns nicht anstrengen, und auf etwas konzentrieren? Jasons Interpretation von \u201erechter Anstrengung\u201c weicht wiederum vom buddhistischen Mainstream ab, er w\u00e4hlt lieber eine un\u00fcbliche \u00dcbersetzung von <em>samm\u0101 v\u0101y\u0101ma<\/em>: Mut. Mut, unserer Erfahrung ins Auge zu schauen, Mut, zu uns selbst ehrlich zu sein. Das genauere Kennenlernen bewirkt die Ver\u00e4nderung. Auch das genauere Kennenlernen der Anstrengung: Schwingt hier Rigidit\u00e4t mit, oder Wettbewerbsgeist, oder Interesse? F\u00fcr den Alltag der Praxis empfiehlt Jason mehr Gelassenheit. Er h\u00e4lt es f\u00fcr geradezu kontraproduktiv, t\u00e4glich stur so und so lange zu sitzen. Seiner Ansicht nach sollte Interesse der treibende Faktor sein, nicht Disziplin. Wenn Interesse am genaueren Kennenlernen unserer Erfahrung da ist, setzen wir uns hin. Wenn nicht, dann halt nicht. Kein Grund, uns deswegen fertig zu machen. In diesem Sinne: entspanntes Sitzen!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Bernd<\/p>\n<p>P.S.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dieser Website haben wir schon vielfach Jason Siffs Ideen und Methoden diskutiert, mit denen wir in der Wiener Gruppe auch schon jahrelang praktizieren. 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