{"id":3651,"date":"2015-06-15T14:27:19","date_gmt":"2015-06-15T12:27:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=3651"},"modified":"2019-08-18T14:47:12","modified_gmt":"2019-08-18T12:47:12","slug":"geschichten-sind-unmoeglich-doch-ohne-geschichten-koennen-wir-unmoeglich-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=3651","title":{"rendered":"Geschichten sind unm\u00f6glich, doch ohne Geschichten k\u00f6nnen wir unm\u00f6glich leben"},"content":{"rendered":"<p>Diesem Satz f\u00fcgt der deutsch-amerikanische Filmregisseur Wim Wenders noch hinzu: Da haben wir den Salat. Unter diesem Motto beginnt Stephen Batchelor seine autobiographische Geschichte &#8222;Bekenntnisse eines ungl\u00e4ubigen Buddhisten&#8220;. Mit Geschichten \u00fcber uns selbst und andere erkl\u00e4ren wir uns selbst und anderen das Leben, versuchen zu verstehen, rechtfertigen unsere Handlungen, w\u00e4hlen aus, erfinden, verwerfen, schlie\u00dfen ein und grenzen ab. Wie wir Menschen auf diese Weise unser Selbst konstituieren und es gleichzeitig nicht fassen k\u00f6nnen, das besch\u00e4ftigt uns hier auf dieser Website schon seit l\u00e4ngerem. <a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Geschichten.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3659 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Geschichten-300x108.jpg\" alt=\"magic open book of fantasy stories\" width=\"300\" height=\"108\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Geschichten-300x108.jpg 300w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Geschichten.jpg 694w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Ein kleiner R\u00fcckblick auf Aspekte, auf die wir dabei gesto\u00dfen sind <sup class='footnote'><a href='#fn-3651-1' id='fnref-3651-1' onclick='return fdfootnote_show(3651)'>1<\/a><\/sup>: <strong>David Loy<\/strong> schreibt dar\u00fcber, dass wir Menschen die Welt nur durch das Erz\u00e4hlen von Geschichten ordnen und verstehen k\u00f6nnen. Nicht darin liege ein Problem, sondern darin, dass wir uns das meist nicht bewusst machen und so tun, als w\u00e4ren unsere Geschichten die Welt. Dahinter steht einfach oft Angst, weil wir unser &#8222;Ich&#8220; &#8211; wenn wir es von allen anderen als getrennt erleben &#8211; nie wirklich stabilisieren und so autark machen k\u00f6nnen, wie wir uns das w\u00fcnschen. Dieses Getrenntsein sei aber eine Illusion; zum Erwachen geh\u00f6re die Erkenntnis, dass <em>meine<\/em> Geschichte nur Teil einer viel umfassenderen Geschichte aller Menschen, aller Lebewesen sei. Freiheit liege darin, sich in diesen Geschichten bewegen, die eigenen Rollen und Blickwinkel wechseln zu k\u00f6nnen. <strong>Julian Baggini<\/strong> arbeitet vor allem heraus, dass das &#8222;Selbst&#8220;, von dem hier die Rede ist, keine Illusion sei, wohl aber die Vorstellung von seiner unver\u00e4nderlichen, unsterblichen Essenz. <strong>Thomas Metzinger <\/strong>spricht von einem &#8222;Selbstmodell&#8220; im menschlichen Gehirn, bei dem es sich um eine begriffliche Hilfskonstruktion handle, die wir aber nicht als solche erfahren k\u00f6nnten. Er weist darauf hin, dass wir unter diesem &#8222;Selbstmodell&#8220;, verletzlich wie es sei, oft leiden, weil wir andauernd versuchten es aufrechtzuerhalten und zu st\u00e4rken. Gemeinsam ist ihnen, dass f\u00fcr sie alle Narrative Konstrukte sind, die auch umgebaut, anders beleuchtet, aus ungewohnten Blickwinkeln gesehen werden k\u00f6nnen. Unsere Geschichten und die Art, wie wir sie erz\u00e4hlen, k\u00f6nnen Dukkha in unserem Leben steigern oder verringern. <strong>Stephen Batchelor<\/strong> geht handlungsorientiert an das Thema heran. In dem Prozess, sich dem zu \u00fcberlassen, wie das Leben selbst sich entfalte, gebe es nichts, worauf man sich berufen k\u00f6nne und sagen: Das bin ich wirklich. Das hei\u00dfe aber nicht, dass ich nicht existiere. Batchelor betont, f\u00fcr Buddha sei das Selbst ein Projekt, das wir verwirklichen sollten und nicht ein Zustand, der nach Best\u00e4tigung oder Ablehnung verlange. Er zitiert Buddhas Worte:<\/p>\n<blockquote><p>Wie ein Bauer sein Feld bew\u00e4ssert, wie ein Pfeilmacher einen Pfeil formt, wie ein Tischler ein St\u00fcck Holz bearbeitet, so z\u00e4hmt der Weise das Selbst.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Victor von der Heyde <\/strong>weist darauf hin, dass wir unsere eigenen Geschichten kaum hinterfragen und also meist nur recht vage Vorstellungen davon haben, wie wir uns selbst definieren. Es gehe darum, Einfluss auf die Selbstbilder zu nehmen, an denen wir manchmal zu sehr festhalten. Es sei m\u00f6glich, diesen Griff zu lockern. Er stellt einige ganz praktische M\u00f6glichkeiten vor, die helfen k\u00f6nnen, unsere Blickwinkel zu \u00f6ffnen und zu erweitern. David Loy spricht in seiner Auseinandersetzung mit dem &#8222;Selbst&#8220; \u00fcber den Text seines Lieblingsstickers: <em>Glaub nicht alles, was du denkst.<\/em> Eine aufmerksame Leserin hat uns darauf hingewiesen, dass er hier <strong>Byron Katie<\/strong> zitiert. Bevor wir \u00fcber ihre Arbeit berichten, wollen wir in einem n\u00e4chsten Beitrag Worte von <strong>Siddharta Gautama<\/strong> \u00fcber das Denken einblenden.<\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-3651'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-3651-1'> Das ist nur eine kurze Zusammenschau. Weiterf\u00fchrende Literaturhinweise finden sich bei den fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen \u00fcber die zitierten Autoren auf diesem Blog <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-3651-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesem Satz f\u00fcgt der deutsch-amerikanische Filmregisseur Wim Wenders noch hinzu: Da haben wir den Salat. Unter diesem Motto beginnt Stephen Batchelor seine autobiographische Geschichte &#8222;Bekenntnisse eines ungl\u00e4ubigen Buddhisten&#8220;. 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