{"id":3464,"date":"2015-06-21T09:45:24","date_gmt":"2015-06-21T07:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=3464"},"modified":"2019-08-18T14:40:27","modified_gmt":"2019-08-18T12:40:27","slug":"die-welt-besteht-aus-geschichten-von-david-loy","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=3464","title":{"rendered":"Die Welt besteht aus Geschichten <\/br> von David Loy"},"content":{"rendered":"<h4><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stories.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-3466 alignright\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stories-212x300.jpg\" alt=\"Stories\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stories-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Stories.jpg 570w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Wenn wir glauben, dass wir religi\u00f6se Mythen hinter uns gelassen haben, erliegen wir dem Irrtum, diese neueste Version von Kulturgeschichte w\u00fcrde die Welt in sich fassen. <sup class='footnote'><a href='#fn-3464-1' id='fnref-3464-1' onclick='return fdfootnote_show(3464)'>1<\/a><\/sup><\/h4>\n<blockquote><p>Die amerikanische Dichterin Muriel Rukeyser pr\u00e4gte den ber\u00fchmten Satz: &#8222;Das Universum besteht aus Geschichten, nicht aus Atomen&#8220;. Wir sind nicht nur Tiere, die Sprache gebrauchen, wir sind Lebewesen, die Geschichten erz\u00e4hlen, denn das ist in allen Kulturen eine elementare menschliche Aktivit\u00e4t. Geschichten sind mehr als nur Geschichten. Mit unseren Geschichten geben wir der Welt Sinn. Es ist nicht so, dass wir die Welt erfahren und uns danach Geschichten ausdenken, um sie zu verstehen. Geschichten lehren uns, was real, was wahr und was m\u00f6glich ist. Sie sind nicht Abstraktionen vom Leben (obwohl sie das auch sein k\u00f6nnen); sie sind notwendig, damit das Leben f\u00fcr uns verbindlich wird. Wir machen uns nicht bewusst, dass unsere Geschichten Geschichten sind und nehmen sie \u00fcblicherweise wahr, als w\u00e4ren sie die Welt. Wie Fische, die das Wasser nicht sehen, in dem sie schwimmen, nehmen wir normalerweise das Medium, in dem wir schwimmen, nicht zur Kenntnis. Wir halten es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich, dass die Welt, wie wir sie erfahren, mit dem Wesen der Dinge identisch ist. Aber genauso wie die Geschichten, deren Teil sie sind, beeinflussen unsere Konzepte und Ideen \u00fcber die Welt unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit stark. In der buddhistischen Praxis lernt man fr\u00fch und immer wieder die Wahrheit auf meinem Lieblingssticker: &#8222;Glaub nicht alles, was du denkst&#8220;. Diese Erkenntnis mag zu dem Wunsch f\u00fchren, alle Beschreibungen der Welt abzulehnen und zur Wirklichkeit, die hinter ihnen liegt &#8222;zur\u00fcckzukehren&#8220;, zu den nackten Fakten der Erfahrung. Aber auch das bedeutet, eine Geschichte zu inszenieren, die Geschichte \u00fcber das Loslassen von Geschichten. Es geht hier darum, nicht zu leugnen, dass es eine Welt unabh\u00e4ngig von unseren Geschichten gibt, sondern sich klarzumachen, dass wir Menschen die Welt durch das Geschichtenerz\u00e4hlen verstehen. Im Gegensatz zu dem erw\u00e4hnten Fisch k\u00f6nnen wir jedenfalls das Wasser wechseln, in dem wir schwimmen. Unsere Beziehung zu Geschichten kann ver\u00e4ndert werden. Geschichten sind Konstrukte, die re-konstruiert werden k\u00f6nnen, aber sie sind nicht freischwebend. Mit anderen Worten: wir sind Mit-Sch\u00f6pfer der Welt, in der wir leben. Wir brauchen Geschichten, die den Klimawandel erkl\u00e4ren und uns bef\u00e4higen, \u00fcber ihn zu sprechen. Wir k\u00f6nnen die Erderw\u00e4rmung nicht einfach von den Geschichten dar\u00fcber trennen &#8211; auch wenn einige Erd\u00f6lkonzerne das versucht haben. Gem\u00e4\u00df bestimmter Arten von Geschichten zu leben, f\u00fchrt zu Steigerung von Leiden, und gem\u00e4\u00df anderer Geschichten zu leben, kann Leiden verringern. Die zentrale Figur in der grundlegenden Geschichte, zu der wir immer und immer wieder zur\u00fcckkehren ist das<strong> &#8222;Selbst&#8220;<\/strong><em>, <\/em>das &#8222;Ich&#8220; f\u00fcr individuell und wirklich halte, das aber in Wirklichkeit aus den Geschichten zusammengesetzt ist, mit denen ich mich identifiziere und nach denen ich zu leben versuche. Geschichten geben meinem Leben die Handlung, die ihm Bedeutung verleiht. Seine Geschichten auszuleben hat Konsequenzen, ein Prozess, der im Buddhismus &#8222;Karma&#8220; genannt wird. Aus dieser Perspektive ist Karma nicht etwas, was das Selbst &#8222;hat&#8220;<em>, <\/em>sondern das, was zur Empfindung von Selbst wird<em>, <\/em>w\u00e4hrend es sich in seinen Rollen verwurzelt. Gewohnheitsm\u00e4\u00dfige Tendenzen verdichten sich zum Charakter eines Menschen &#8211; und das endet damit, dass man ohne Seil gebunden ist. Unser Problem liegt nicht bei den Geschichten selbst sondern darin, wie wir uns mit ihnen identifizieren. Eine Bedeutung von Freiheit ist: die M\u00f6glichkeit, die Geschichte zu leben, mit der man sich identifiziert. Eine andere Art von Freiheit ist die F\u00e4higkeit, Geschichten und meine Rolle in ihnen zu wechseln: ich bewege mich vom Charakter, der im Drehbuch festgeschrieben ist, zum Koautor meines eigenen Lebens. Eine dritte Art von Freiheit ergibt sich daraus, verstehen zu lernen, wie Geschichten meine M\u00f6glichkeiten erzeugen und beschr\u00e4nken. Der englische Kognitionswissenschafter Guy Claxton nennt das Bewusstsein &#8222;&#8230;einen Mechanismus zur Herstellung zweifelhafter Geschichten mit dem Zweck, eine \u00fcberfl\u00fcssige und ungenaue Empfindung von Selbst zu verteidigen&#8220;<em>.<\/em> Die Haupthandlung solcher Geschichten kreist meist um Furcht und Angst, denn die Hauptfigur &#8222;Ich&#8220; kann nie die erw\u00fcnschte Stabilit\u00e4t und Autarkie erreichen. Solche Narrative versuchen ein Ego abzusichern und zu vergr\u00f6\u00dfern, das sich als vom Rest der Welt getrennt erlebt. Diese Bem\u00fchungen haben einen Bumerang-Effekt, denn &#8211; wie im Buddhismus hervorgehoben wird: ein solches getrenntes Ich ist Illusion. Zum Erwachen geh\u00f6rt die Erkenntnis, dass <em>meine <\/em>Geschichte Teil einer viel umfassendere Geschichte ist, die auch die Geschichten anderer Menschen umfasst. Unsere Geschichten haben keine scharfen R\u00e4nder, sie h\u00e4ngen miteinander zusammen. Im Aufwachsen akzeptiere ich manche der Geschichten, die die Gesellschaft anbietet und ich best\u00e4tige sie durch mein Handeln. Geschichten lehren mich, was es hei\u00dft, Bub oder M\u00e4dchen zu sein, Amerikaner oder Chinese, Christ oder Buddhist, und wie, in welcher Form und wie weit Erziehung, Religion, Geld usw. wichtig sind. Die Geschichten, die dieser Welt Sinn verleihen, sind Teil dieser Welt. Ver\u00e4ndert werden wir nicht, indem wir diese Welt transzendieren, sondern indem wir Geschichten auf neuartige Weise erz\u00e4hlen. Was Religion betrifft, bedeutet das: wir ver\u00e4ndern die Metaphern, nach denen wir leben. Religi\u00f6se Metaphern und Symbole buchst\u00e4blich zu verstehen, geht meist am Kern der Sache vorbei. Die metaphorische Natur religi\u00f6ser Sprache bedeutet, dass ihre Behauptungen nicht best\u00e4tigt werden k\u00f6nnen. Mythen &#8211; wie Metaphern im allgemeinen &#8211; vermeiden dieses Problem, da ihre Bedeutung woanders liegt. Zu religi\u00f6sen Lehren geh\u00f6ren wie zu anderen Ideologien behauptete Aussagen, die man akzeptieren oder ablehnen kann. Mythen bieten Geschichten zum Interagieren. Den buddhistischen Mythos \u00fcber Siddhartas schicksalhaftes Zusammentreffen mit einem alten Mann, einem Kranken, einem Leichnam und ein<a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Buddha-trifft-auf-Alter-Krankeit-und-Tod.jpeg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-3473 alignright\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Buddha-trifft-auf-Alter-Krankeit-und-Tod-300x227.jpeg\" alt=\"Buddha trifft auf Alter, Krankeit und Tod\" width=\"300\" height=\"227\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Buddha-trifft-auf-Alter-Krankeit-und-Tod-300x227.jpeg 300w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Buddha-trifft-auf-Alter-Krankeit-und-Tod.jpeg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>em Asketen kann man als historisches Faktum verstehen, als eine bildhafte Art der Darstellung, warum Siddharta sein Zuhause verlie\u00df, oder als ein Stilmittel, das mit dem tats\u00e4chlichen Leben des Buddha vielleicht nichts zu tun hat. Jedenfalls ist der Mythos eine wirkungsvolle Art, seine Lehre zu untermalen. Wenn man ihn als symbolisch versteht, ist diese Mehrdeutigkeit kein Problem &#8211; Mythen wirken so; das ist keine Frage von buchst\u00e4blicher Wahrheit oder Falschheit. Eine bessere Methode, einen Mythos &#8211; eine symbolische Geschichte &#8211; einzusch\u00e4tzen, w\u00e4re, zu \u00fcberlegen, was geschieht, wenn wir ihm gem\u00e4\u00df leben. Das wichtigste Kriterium f\u00fcr den Buddhismus liegt darin, ob eine Geschichte das Erwachen f\u00f6rdert. Ein Mythos, der f\u00fcr mich interpretiert worden ist, muss erst noch durch mich interpretiert werden &#8211; durch das, was ich aus ihm mache und was er mit mir macht. Eine Geschichte \u00fcber das Leiden durch Alter, Krankheit und Tod steht quer zu den Geschichten, mit denen wir unsere Sterblichkeit zu ignorieren versuchen: die Bedeutung von Geld, Besitzt\u00fcmern, Ruhm und Macht. Die Sorgen um diese G\u00fcter loszulassen er\u00f6ffnet andere M\u00f6glichkeiten, und vielleicht eine andere Beziehung zu Geschichten. Mythen sind nicht einfach schlechte Geschichten, die durch rationale und wissenschaftliche Darstellungen, die die empirische Welt besser erfassen, ersetzt werden m\u00fcssen. Aus der Perspektive von Geschichten ist einer der gef\u00e4hrlichsten Mythen der von einem Leben ohne Mythen, die Geschichte von einem Realisten, der sich von all dem Unsinn befreit hat. Die Idee, Wissenschaft und systematische Vernunft k\u00f6nnten uns von der angeblichen Unvernunft von Mythen befreien, ist heutzutage eine besonders beliebte Fiktion. Geschichten haben sowohl soziale als auch individuelle Funktionen. Manche Geschichten rechtfertigen zum Beispiel soziale Unterschiede. Mittelalterliche K\u00f6nige herrschten durch g\u00f6ttliches Recht. Ein indischer Mythos \u00fcber die verschiedenen Teile des kosmischen K\u00f6rpers rationalisiert das Kastensystem der Hindus. Wir stellen ein soziales Arrangement in Frage, in dem wir die Geschichte bezweifeln, die sie best\u00e4tigt.\u00a0 Wenn Menschen aufh\u00f6ren, an die Geschichten zu glauben, die die soziale Ordnung rechtfertigen, beginnt der Wandel. Als das Volk Frankreichs das g\u00f6ttliche Recht seines K\u00f6nigs nicht mehr akzeptierte, folgte die Franz\u00f6sische Revolution. Eine der vorherrschenden Geschichten unserer Tage ist: wir leben in einer Welt, die von unpers\u00f6nlichen physischen Gesetzen beherrscht wird, die uns und unserem Schicksal indifferent gegen\u00fcberstehen. Menschenwesen haben keine Funktion im gewaltigen Entwurf der Dinge. Wir haben keine entscheidende Rolle zu spielen, au\u00dfer vielleicht unser Leben zu genie\u00dfen, so sehr wir k\u00f6nnen und so lange wir k\u00f6nnen &#8211; wenn uns das m\u00f6glich ist. Diese Geschichte von einem Universum, das sich ausschlie\u00dflich auf physische Gesetze und Prozesse reduzieren l\u00e4\u00dft, wird auch im Sozialen angewendet. Der Gedanke von Entwicklung durch nat\u00fcrliche Selektion hat untergraben, was von der alten religi\u00f6sen Geschichte des Westens \u00fcbriggeblieben war: Zur Erkl\u00e4rung der Sch\u00f6pfung wird Gott nicht mehr ben\u00f6tigt. <a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/on-the-origin-of-species.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3489 alignright\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/on-the-origin-of-species-221x300.jpg\" alt=\"on the origin of species\" width=\"158\" height=\"214\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/on-the-origin-of-species-221x300.jpg 221w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/on-the-origin-of-species.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 158px) 100vw, 158px\" \/><\/a>Bald nachdem Charles Darwin &#8222;The Origin of Species&#8220; ver\u00f6ffentlicht hatte, wurde seine Theorie verwendet, um die Entwicklung eines neuen Typs industrieller \u00d6konomie zu rechtfertigen. Herbert Spencer pr\u00e4gte den Begriff: &#8222;survival of the fittest&#8220; und wandte ihn auf die menschliche Gesellschaft an. Du musst \u00fcber den Kerl, der dir auf dem Weg nach oben der n\u00e4chste ist, dr\u00fcbersteigen oder er wird \u00fcber dich steigen. Wert und Bedeutung von Leben wurden weitgehend aus der Sicht von \u00dcberleben und Erfolg verstanden, die Ma\u00dfzahl daf\u00fcr war haupts\u00e4chlich Geld, nicht Fruchtbarkeit. Laut dieser Geschichte geht es im Leben darum, was du kriegen und womit du durchkommen kannst, bis du stirbst. Du bist entweder ein Gewinner oder ein Verlierer, und wenn du nicht erfolgreich bist, gib niemand anderem die Schuld. Es war kein Zufall, dass Spencers Geschichte vom Sozialdarwinismus die M\u00e4chtigsten am meisten ansprach. Industriebonzen wie Andrew Carnegie und John D. Rockefeller begr\u00fc\u00dften seine Philosophie. Offensichtlich bl\u00fcht und gedeiht die Hauptaussage des Sozialdarwinismus &#8211; dass man seine eigenen wirtschaftlichen Interessen auch auf die Kosten des Wohlbefindens anderer verfolgen soll &#8211; noch immer. Aus buddhistischer Perspektive scheint es ebenso offenkundig, dass diese Geschichte das Absto\u00dfende ihrer Motive leugnet, vor allem der &#8222;drei Gifte&#8220; Gier, Hass und Ichsucht. Der verblendete Glaube, dass ein Mensch vom anderen getrennt sei, gestattet es, seine eigenen Interessen unabh\u00e4ngig davon zu verfolgen, was diesem anderen geschieht. Soziologen haben darauf hingewiesen, dass eine Anwendung des Darwinismus auf soziale Zust\u00e4nde unpers\u00f6nliche biologische Vorg\u00e4nge mit menschlichen Einrichtungen, die reformierbar sind, vermischt. Aber wenn gen\u00fcgend Leute diese Geschichte glauben und dementsprechend handeln, wird sie zu einer selbsterf\u00fcllenden Prophezeiung. Dann konstruieren wir die soziale Welt nach diesen Prinzipien und die Gesellschaft wird tats\u00e4chlich in eine Art von darwinistischem Dschungel verwandelt. W\u00e4hrend ich das schreibe, wird in einem neuen Oxfam Bericht <em><sup class='footnote'><a href='#fn-3464-2' id='fnref-3464-2' onclick='return fdfootnote_show(3464)'>2<\/a><\/sup><\/em> festgestellt, dass im Jahr 2014 das reichste Prozent der Weltbev\u00f6lkerung 48 Prozent des Reichtums der Welt zu eigen hatte, w\u00e4hrend die 80 Prozent am unteren Ende der Reichtumsskala etwa 5 Prozent besa\u00df. Wenn das mit grundlegenden sozio\u00f6konomischen Gesetzen in \u00dcbereinstimmung st\u00fcnde, w\u00fcrden wir eine solche Entwicklung ablehnen und irgendwie versuchen, sie zu hemmen, m\u00fcssten uns aber nicht prinzipiell an derart gro\u00dfe Mi\u00dfverh\u00e4ltnisse anpassen. Die sozialdarwinistische Geschichte tr\u00e4gt also dazu bei, eine solche Ungleichheit zu &#8222;normalisieren&#8220; und legt nahe, sie zu akzeptieren. Es gibt aber Alternativen. Statt eine solche Geschichte zu akzeptieren, die nur dazu dient, den wachsenden Reichtum und die steigende Macht einer privilegierten Elite zu rationalisieren, k\u00f6nnen wir nach besseren Geschichten Ausschau halten, besser, weil ein ihnen gem\u00e4\u00dfes Leben soziales Dukkha verringern w\u00fcrde. Sowohl kollektiv als auch pers\u00f6nlich k\u00f6nnen unsere Geschichten ge\u00e4ndert werden, und in diesem Fall m\u00fcssen sie sich \u00e4ndern, damit wir auf die \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Herausforderungen, mit denen wir jetzt konfrontiert sind, besser reagieren k\u00f6nnen. Im pluralistischen Klima unserer Gegenwart k\u00f6nnen wir die grundlegenden religi\u00f6sen und s\u00e4kularen Narrative, die uns in der Vergangenheit gedient haben, nicht l\u00e4nger in gleicher Weise verstehen. Wir k\u00f6nnen uns in einen beschr\u00e4nkten Rahmen zur\u00fcckziehen, in dem nur eine einzige Weltsicht gilt, oder wir k\u00f6nnen die Vielfalt von Geschichten und Perspektiven im Geist spielerischen Nicht-Anhaftens annehmen.<\/p><\/blockquote>\n<div class='footnotes' id='footnotes-3464'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-3464-1'> &#8222;The World is made of Stories&#8220; von David Loy wurde im Sommer 2015 im buddhistischen Magazin &#8222;Tricycle&#8220; ver\u00f6ffentlicht und mit Zustimmung des Autors f\u00fcr unsere Website \u00fcbersetzt <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-3464-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-3464-2'> Oxfam ist eine internationale Entwicklungsorganisation, E.G. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-3464-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir glauben, dass wir religi\u00f6se Mythen hinter uns gelassen haben, erliegen wir dem Irrtum, diese neueste Version von Kulturgeschichte w\u00fcrde die Welt in sich fassen. 1 Die amerikanische Dichterin Muriel Rukeyser pr\u00e4gte den ber\u00fchmten Satz: &#8222;Das Universum besteht aus Geschichten, nicht aus Atomen&#8220;. Wir sind nicht nur Tiere, die Sprache gebrauchen, wir sind Lebewesen, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=3464\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Welt besteht aus Geschichten <\/br> von David Loy\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"aside","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3464"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3464"}],"version-history":[{"count":25,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5230,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3464\/revisions\/5230"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}