{"id":2621,"date":"2014-06-06T10:09:49","date_gmt":"2014-06-06T08:09:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=2621"},"modified":"2019-08-19T15:12:15","modified_gmt":"2019-08-19T13:12:15","slug":"texte-die-angeregt-und-gut-getan-haben-ein-persoenlicher-kommentar-zu-winton-higgins-vortraegen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=2621","title":{"rendered":"Texte, die angeregt und gut getan haben: <\/br> Ein pers\u00f6nlicher Kommentar zu Winton Higgins&#8216; Vortr\u00e4gen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/kapfenstein.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2630 alignright\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/kapfenstein-300x225.jpg\" alt=\"kapfenstein\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/kapfenstein-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/kapfenstein-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/kapfenstein-624x467.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Gott ist f\u00fcr mich vor Jahrzehnten gestorben, als ich ungef\u00e4hr zwanzig war. Wie kommt es also, dass Winton Higgins&#8216; neue Vortr\u00e4ge \u00fcber &#8222;Die vier Grenzbereiche f\u00fcr s\u00e4kulare Buddhistinnen und Buddhisten&#8220; mir heute noch so nahe gehen? <sup class='footnote'><a href='#fn-2621-1' id='fnref-2621-1' onclick='return fdfootnote_show(2621)'>1<\/a><\/sup> Gott war \u00fcberm\u00e4chtig gro\u00df in meiner Kindheit und Jugend, streng und fordernd. Entfernte Ahnungen, es k\u00f6nnte sich bei ihm und der ganzen katholischen Kirche um eine Inszenierung handeln, um uns junge Leute zu reglementieren, konnte ich nicht festhalten. Das kam erst, als ich Teil der &#8222;Achtundsechziger&#8220;-Rebellion wurde. Da habe ich dann, ganz so, wie im ersten Vortrag skizziert, den wissenschaftlichen Materialismus an die Stelle der Religion gesetzt und so das &#8222;gottesf\u00f6rmige Loch&#8220;, wie Higgins es nennt, auszuf\u00fcllen versucht: Dogmen und ihre Absolutheitsanspr\u00fcche waren mir wohl vertraut. Diese Strategie hat mir lange gute Dienste geleistet, hat mir sowohl zu Einsichten \u00fcber Politik und Gesellschaft als auch zu gleichgesinnten Freundinnen und Freunden verholfen. Was uns dabei nicht leicht fiel &#8211; und das gilt teilweise bis heute &#8211; war: wie gehen wir mit Festen um, mit Weihnachten und Ostern, aber auch mit Hochzeiten und Begr\u00e4bnissen? Was mich betrifft: die Kraft der Religion, in und mit der ich aufgewachsen war, als &#8222;kulturelle Praxis&#8220;, wie Higgins es nennt, habe ich f\u00fcr lange Zeit &#8211; voller Widerspruchsgeist &#8211; untersch\u00e4tzt und daher nur schlecht in mein erwachsenes Leben integrieren k\u00f6nnen. Ich denke, das h\u00e4ngt mit der S\u00fcndenlastigkeit meiner \u00fcberkommenen Kindheitsreligion zusammen; lange musste ich mich damit auseinandersetzen, immer wieder an irgendetwas schuld zu sein. Da blieb nicht viel Raum, die Freude an festlichen Inszenierungen, die ich in meinem frommen Elternhaus auch mitbekommen habe, auf neue Weise weiter zu kultivieren. In Richard Rorty&#8217;s Formulierung &#8211; von Higgins zitiert: das Konzept der &#8222;Selbstreinigung&#8220; hatte ich mehr als genug verinnerlicht, das der &#8222;Selbsterweiterung&#8220; nur unzureichend. Dass ich nicht alles aus meiner religi\u00f6sen Erziehung in einem Schwung \u00fcber Bord werfen sollte &#8211; f\u00fcr diese Einsicht habe ich lange gebraucht. Als Mitgift habe ich doch bekommen: mich an pers\u00f6nlicher Weiterentwicklung zu freuen, Zufriedenheit mit mir selbst und Selbstgerechtigkeit auseinander halten zu k\u00f6nnen, und mich lebenslang als &#8222;work in progress&#8220; zu verstehen, wie Higgins das nennt. Dass das alles ohne das l\u00e4hmende Konzept von &#8222;Schuld&#8220; viel leichter geht, ist mir Thema lebenslangen Lernens <sup class='footnote'><a href='#fn-2621-2' id='fnref-2621-2' onclick='return fdfootnote_show(2621)'>2<\/a><\/sup>.Am Ende r\u00fchmt Higgins den &#8222;Anf\u00e4ngergeist&#8220;; ja, den zu pflegen tut allezeit gut: immer wieder aufzusp\u00fcren und wirken zu lassen, was ungewohnt, \u00fcberraschend und neuartig ist. Lange habe ich an dem folgenden Zitat von Milarepa, einem tibetischen M\u00f6nch und Dichter aus dem 11. Jahrhundert, herumger\u00e4tselt &#8211; mit Winton Higgins&#8216; Unterst\u00fctzung kann ich nun ein wenig mehr damit anfangen:<\/p>\n<blockquote><p>Die D\u00e4monen f\u00fcr D\u00e4monen zu halten, Das ist die Gefahr. Sie als leer zu erkennen, das ist der Weg. Sie zu begreifen als das, was sie sind, Das ist die Befreiung.<\/p><\/blockquote>\n<div class='footnotes' id='footnotes-2621'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-2621-1'> nachzulesen unter: &#8222;Was ist s\u00e4kularer Buddhismus?&#8220; auf dieser Website <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2621-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2621-2'> Musik kann solche Knoten l\u00f6sen helfen: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9s-EvKrXoyM\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9s-EvKrXo<\/a>. Das Motiv des &#8222;Balm of Gilead&#8220; stammt aus dem Alten Testament der Bibel; das Lied ist ein traditionelles afro-amerikanisches Spiritual, ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr Higgins&#8216; Feststellung, dass unsere Kultur ohne Kunst, die im Religi\u00f6sen wurzelt, nicht denkbar ist, und ein Lieblingsst\u00fcck von mir <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2621-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott ist f\u00fcr mich vor Jahrzehnten gestorben, als ich ungef\u00e4hr zwanzig war. Wie kommt es also, dass Winton Higgins&#8216; neue Vortr\u00e4ge \u00fcber &#8222;Die vier Grenzbereiche f\u00fcr s\u00e4kulare Buddhistinnen und Buddhisten&#8220; mir heute noch so nahe gehen? 1 Gott war \u00fcberm\u00e4chtig gro\u00df in meiner Kindheit und Jugend, streng und fordernd. 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