{"id":1998,"date":"2014-06-01T14:29:12","date_gmt":"2014-06-01T12:29:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=1998"},"modified":"2019-08-19T15:57:43","modified_gmt":"2019-08-19T13:57:43","slug":"bettler-bettlerinnen-und-ich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?p=1998","title":{"rendered":"Bettler, Bettlerinnen und ich"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ich durch Wiens winterliche Stra\u00dfen gehe, bin ich oft in Gedanken, und manchmal trage ich Taschen in den H\u00e4nden. Da kauert dann so eine Person am Gehsteig oder auf den Stufen zur U-Bahn. Eine Zumutung. Soll ich stehen bleiben? Meine Gedanken unterbrechen, meine Taschen abstellen, nach M\u00fcnzen suchen &#8211; hab ich \u00fcberhaupt Kleingeld? Wie viel soll ich geben? Besonders peinlich ist es mir, vor den Augen einer Bettlerin herumzukramen. Manchmal geh ich ein paar Schritte weiter, suche einen Euro und kehr damit noch einmal um. Manchmal geh ich vorbei und hab ein schlechtes Gewissen. <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-2000\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/bettler-300x252.jpg\" alt=\"bettler\" width=\"300\" height=\"252\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/bettler-300x252.jpg 300w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/bettler-624x525.jpg 624w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/bettler.jpg 985w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> Was passiert da? Erst einmal: jemand nimmt unerwartet Kontakt mit mir auf. Es kann passieren, dass ich mich gleich einmal in die Defensive gedr\u00e4ngt f\u00fchle. Wie ich reagiere, ist da nur zum Teil meine freie Entscheidung. Dann schau ich: ein Mann oder eine Frau? &#8211; Frauen kriegen eher was von mir. Wie ist sie gekleidet? Worauf sitzt sie? Ist er\/sie mir auf einen kurzen Blick sympathisch? Schwieriger wird es noch, wenn verbal oder nonverbal an mein Mitleid appelliert wird. Dann fange ich leicht zu rechnen an: der will nur Geld von mir &#8211; ist er das &#8222;wert&#8220;? Geh\u00f6rt er vielleicht einer organisierten Gruppe an? Das sind so die Fragen der Europ\u00e4erin, die erst in den letzten Jahren im Alltag auf Bettler und Bettlerinnen trifft, und die diese noch ungewohnte &#8222;Zumutung&#8220; rational zu bew\u00e4ltigen versucht. Ganz sch\u00f6n viel Entscheidungsdruck f\u00fcr eine einfache Bitte! Und Buddhistin bin ich auch, und in dem Fall ist es egal, ob s\u00e4kular oder nicht. Es geht um Dana, um freiwilliges, absichtsloses Geben. Der Mensch da fordert mich auf, f\u00fcr kurze Zeit mein Herz zu \u00f6ffnen. Ob er\/sie dabei berechnend ist, kann f\u00fcr mich sekund\u00e4r bleiben. Das &#8222;Alles Gute!&#8220;, das ich nach einer Gabe meist zu h\u00f6ren bekomme, h\u00f6rt sich manchmal mechanisch an, manchmal sehr freundlich &#8211; dann ist es ein Geschenk f\u00fcr mich, und es war eine kleine Begegnung. Ich will in Zukunft f\u00fcr solche F\u00e4lle in der Manteltasche M\u00fcnzen bei mir tragen, um mir das Kramen zu ersparen. Und, wichtiger: wie auch immer ich auf die Frau oder den Mann vor mir reagiere: mir bewusst machen, was ich da tue, und vielleicht auch, warum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich durch Wiens winterliche Stra\u00dfen gehe, bin ich oft in Gedanken, und manchmal trage ich Taschen in den H\u00e4nden. Da kauert dann so eine Person am Gehsteig oder auf den Stufen zur U-Bahn. Eine Zumutung. Soll ich stehen bleiben? Meine Gedanken unterbrechen, meine Taschen abstellen, nach M\u00fcnzen suchen &#8211; hab ich \u00fcberhaupt Kleingeld? 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