{"id":2583,"date":"2014-08-28T10:12:21","date_gmt":"2014-08-28T08:12:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=2583"},"modified":"2015-04-09T15:30:19","modified_gmt":"2015-04-09T13:30:19","slug":"vier-grenzbereiche-fuer-saekulare-buddhistinnen-und-buddhisten-von-winton-higgins","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=2583","title":{"rendered":"Vier Grenzbereiche f\u00fcr s\u00e4kulare Buddhistinnen und Buddhisten <\/br> &#8211; von Winton Higgins"},"content":{"rendered":"<h2>Einf\u00fchrung <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-1' id='fnref-2583-1' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>1<\/a><\/sup><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Apr13_SecularReligion2.jpg\" alt=\"Apr13_SecularReligion2\" width=\"130\" height=\"241\" name=\"Grafik1\" align=\"bottom\" border=\"0\" \/>Dieser Workshop schlie\u00dft an einige der wertvollen Ideen an, die Stephen Batchelor k\u00fcrzlich pr\u00e4sentiert hat, teils in seinen Vortr\u00e4gen, teils in den Workshops und Seminaren, die er und Martine Batchelor unter dem Titel &#8222;S\u00e4kularer Buddhismus&#8220; in Australien gehalten haben. Seine Arbeiten haben vor allem zu einem s\u00e4kularen Verst\u00e4ndnis von Buddhas eigenen Lehren beigetragen und gleichzeitig Bez\u00fcge\u00a0 zu alten und modernen westlichen Denkern hergestellt, deren Ideen mit denen des Buddha zusammen stimmen und f\u00fcr Praktizierende im Westen in ihrer Kultur zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte in diesem Workshop unsere Sinne f\u00fcr diese \u00dcbereinstimmungen sch\u00e4rfen und daf\u00fcr, wie sie uns\u00a0 beim Weiterentwickeln von s\u00e4kularem Dharma und von Praxisgemeinschaften wirksam helfen k\u00f6nnen, abgestimmt auf unsere eigene Zeit, unsere Kultur und moderne westliche Lebensformen. Sie helfen uns, <em>samm<\/em>\u00e3 <em>ditthi <\/em>(angemessene Sichtweise) zu entwickeln, den ersten Teil des Achtfachen Pfades, denn unsere Perspektive (oder unsere Weltsicht) durchzieht und pr\u00e4gt unsere gesamte Praxis.<\/p>\n<p>Ich werde die Lekt\u00fcre von Stephens Texten gro\u00dfteils voraussetzen und die Grundlagen von s\u00e4kularem Dharma nicht behandeln, sondern eher versuchen, ein Spiegelbild von Stephens letzten Arbeiten zu bieten. Das hei\u00dft, ich werde wichtige Themen modernen westlichen Denkens pr\u00e4sentieren und ihre N\u00fctzlichkeit f\u00fcr einen s\u00e4kularen Dharma herausarbeiten. Diese Untersuchung f\u00fchrt uns in Grenzbereiche, das hei\u00dft in solche, die zwiesp\u00e4ltig und umstritten sind, wo zwei oder mehr unterschiedliche Lebensformen aufeinander treffen &#8211; daher der Titel des Workshops.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise helfen uns zwei k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte B\u00fccher bei diesem Unternehmen sehr: Peter Watson, <em>The age of atheists: how we have sought to live since the death of God<\/em> <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-2' id='fnref-2583-2' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>2<\/a><\/sup> und Terry Eagleton, <em>Culture and the death of God<\/em> <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-3' id='fnref-2583-3' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>3<\/a><\/sup>. Sie singen keineswegs aus demselben Gesangbuch, sondern bieten kontrastierende Gewichtungen und Einsch\u00e4tzungen der Gott-ist-tot-Literatur, aber sich auf die Spannungen zwischen ihnen einzulassen, kann sehr lehrreich sein.<\/p>\n<p>Wir leben und praktizieren in einer Kultur, die von christlichen religi\u00f6sen Konzepten und Institutionen gepr\u00e4gt ist, also m\u00fcssen wir uns in unserer nach-christlichen Welt orientieren. Ich werde mich stark auf diese beiden B\u00fccher beziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>1. Vortrag: Religion nuanciert betrachten<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es scheint, dass in gewissen s\u00e4kular-buddhistischen Kreisen militante Aversionen gegen Religion gepflegt werden. Die &#8222;neuen Atheisten&#8220; &#8211; Richard Dawkins, Daniel Dennett, Christopher Hitchens und Sam Harris, die Leute also, deren B\u00fccher sich auf Flugh\u00e4fen gut verkaufen &#8211; werden als Verb\u00fcndete in einer Art Kreuzzug gegen die traditionellen Religionen, ver<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Religion-300x300.jpg\" alt=\"Religion\" width=\"207\" height=\"300\" name=\"Grafik2\" align=\"bottom\" border=\"1\" \/>meintliche M\u00e4chte der Finsternis, dargestellt. In dieser Allianz wird angenommen, man k\u00f6nne Religionen\u00a0 auf ihre Wahrheitsanspr\u00fcche und Glaubenss\u00e4tze, die schon vor langer Zeit von der Wissenschaft als unwahrscheinlich entkr\u00e4ftet worden sind, reduzieren. Der unmittelbare Fehler liegt hier darin, dass die vorrangige Bedeutung von Religion als <em>kultureller Praxis<\/em> \u00fcbersehen wird <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-4' id='fnref-2583-4' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>4<\/a><\/sup>. Sie war auf diesem Planeten immer die universellste, einflussreichste und popul\u00e4rste kulturelle Praxis und wird es wahrscheinlich bleiben, auch wenn Leute im Westen sie nun schon seit einiger Zeit f\u00fcr weniger n\u00fctzlich halten als fr\u00fcher<sup class='footnote'><a href='#fn-2583-5' id='fnref-2583-5' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>5<\/a><\/sup>. Genauso wie Kulturen variieren auch Religionen; aber alle st\u00fctzen sich auf Mythen, Glaubenss\u00e4tze, Rituale, gemeinschaftliche Formen, moralische Normen und \u00c4hnliches, so wie das alle Einrichtungen der Gesellschaft tun &#8211; von Familien bis zu Nationen.<\/p>\n<p>In der Praxis repr\u00e4sentieren Religionen gelebte Erfahrungen ihrer Anh\u00e4nger: ihre Bindungen an die Gemeinschaft, ihr emotionales Leben, ihre Sehns\u00fcchte, Passionen, menschlichen Beziehungen und wichtigen Lebensereignisse &#8211; ihre Qual und ihre Begeisterung. Durch diese Prozesse haben Religionen vitale menschliche Entwicklungen inspiriert und gepr\u00e4gt, wie etwa Sprache, Literatur, Philosophie, Musik, Architektur, Malerei, Medizin, Wissenschaft und die Entwicklung von Staaten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/cranmer-240x300.gif\" alt=\"cranmer\" width=\"123\" height=\"225\" name=\"Grafik3\" align=\"bottom\" border=\"1\" \/>Ein Beispiel: die englische Sprache gut zu beherrschen, bedeutet, ihren anerkannten Ahnen viel zu verdanken: Shakespeare und den Autoren der <em>King James Bible. <\/em>Aber woher hatten die ihre Poesie? Von nirgends sonst als von Thomas Cranmers brillantem <em>Book of Common Prayers (1549), <\/em>das sie, gesetzlich dazu verpflichtet, jeden Sonntag gebraucht und auf diese Weise auswendig gelernt haben <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-6' id='fnref-2583-6' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>6<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p><strong>Der Tod Gottes<\/strong><\/p>\n<p>Der Angelpunkt christlicher Weltsicht, der einen gro\u00dfen Teil der kulturellen Entwicklung im Westen gepr\u00e4gt hat, ist &#8218;Gott&#8216;. Gem\u00e4\u00df der j\u00fcdisch-christlichen Darstellung hat er alles erschaffen und kontrolliert es bis heute. Aber seit der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung hat eine wachsende Anzahl von Intellektuellen den Verdacht gehegt, dass Gott nicht existiere (wobei sie darauf achteten, das nicht vor der Dienerschaft zu sagen) <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-7' id='fnref-2583-7' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>7<\/a><\/sup>. 1882 verk\u00fcndete Friedrich Nietzsche: &#8222;Gott ist tot&#8220;. Das ist wohl zum ma\u00dfgeblichsten Aphorismus der Moderne geworden.<\/p>\n<p>Wohlgemerkt: das war nicht mehr als eine <em>Ank\u00fcndigung,<\/em> kein begr\u00fcndetes Argument f\u00fcr Atheismus. Nietzsche &#8211; der selbst weder ein Freund Gottes noch der Wissenschaft war &#8211; hat einfach beobachtet, dass die f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Denker aufgeh\u00f6rt hatten, sich auf Gott als eine Art ersten Prinzips zu beziehen, und das bedeutete einen Neuanfang. In den USA hat sich aus einem \u00e4hnlichen Gedankengang die pragmatische Philosophie entwickelt. In beiden F\u00e4llen begann eine neue Phase in der Entwicklung s\u00e4kularen Gedankenguts.<\/p>\n<p>Das Problem war, dass Gott &#8211; obwohl versichert worden war, dass er tot sei &#8211; sich einfach nicht hinlegte. Einfache Leute f\u00fchrten weiterhin ihr religi\u00f6ses Leben und trafen sich, um ihn zu verehren und zu ihm zu beten. Gleichzeitig machte sich der \u00fcberwiegende Teil der Intellektuellen, gew\u00f6hnt an ein gro\u00dfes, \u00fcberw\u00f6lbendes Prinzip, an dem sie sich mit ihren Gedanken orientieren konnten, auf die Suche nach Surrogaten, Vizek\u00f6nigen, Notl\u00f6sungen, Platzhaltern und Vertretungen f\u00fcr Gott <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-8' id='fnref-2583-8' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>8<\/a><\/sup>. Wer oder was sollte nach dessen Niedergang die Rolle eines Garants von Einheit, Koh\u00e4renz und Bedeutung im Universum \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>F\u00fcr altmodische Rationalisten des 19. Jahrhunderts war Wissenschaft und ihr transzendenter Materialismus die naheliegende Wahl, um das riesige gottesf\u00f6rmige Loch im Universum zu f\u00fcllen. Ihre heutigen Erben (die neuen Atheisten) setzen sich weiterhin daf\u00fcr ein. Aber viele fanden die Referenzen der Wissenschaft f\u00fcr diese Funktion nicht \u00fcberzeugend und schlugen &#8211; viel radikaler &#8211; vor, dass die Funktion selbst keinen Sinn mehr mache und ausrangiert werden solle. Das begriffliche Universum musste auf andere Weise umstrukturiert werden, sodass es darin \u00fcberhaupt kein gottesf\u00f6rmiges Loch mehr gab &#8211; kein Bedarf an einem ersten Prinzip oder einem zentralen Angelpunkt, der alles zusammenhalten sollte.<\/p>\n<p>Die Sache wird noch un\u00fcbersichtlicher: seit der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhundert entstanden im traditionellen Christentum theologische Str\u00f6mungen, die dieser Sichtweise zustimmten: Gott ist tot, wir sollten ihn \u00fcberhaupt nicht ersetzen, aber folgen wir weiterhin dem menschlichen Lehrer Jesus in einem Universum, das ohne Gott neu strukturiert ist. Mit anderen Worten: die Spitzenvertreter westlicher Religionen weigerten sich, still zu stehen, w\u00e4hrend die traditionellen Rationalisten aufs Geratewohl ihre Sch\u00fcsse auf sie abfeuerten.<\/p>\n<p>Eine Variation dieser theologischen Kreativit\u00e4t ist es, die Metapher &#8218;Gott&#8216; zu einem anderen Zweck zu nutzen, wie etwa f\u00fcr das, dem wir intuitiv h\u00f6chsten spirituellen Wert f\u00fcr uns zuschreiben, oder f\u00fcr die Biosph\u00e4re, oder f\u00fcr das Universum <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-9' id='fnref-2583-9' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>9<\/a><\/sup>.<\/p>\n<h4>Die Suche nach dem Vizek\u00f6nig Gottes und die Entstehung der Ph\u00e4nomenologie<\/h4>\n<p>Bevor aber dieser Punkt erreicht war, wurde die Suche nach einem passenderen Vizek\u00f6nig Gottes als dem wissenschaftlichen Materialismus fortgesetzt. Dieser disqualifizierte sich, indem er denselben Anspruch auf absolute Wahrheit stellte wie vor ihm &#8218;Gott&#8216; und daher genauso anf\u00e4llig f\u00fcr Dogmatismus war. Im \u00fcbrigen konnte er Bereiche, die &#8218;Gott&#8216; zugeordnet gewesen waren, nicht abdecken: menschliches Bewusstsein, Subjektivit\u00e4t, Verlangen, die Erfahrung des Erhabenen, und letztg\u00fcltige ethische Werte.<\/p>\n<p>Die anderen Kandidaten, die Eagleton aufz\u00e4hlt, &#8211; einschlie\u00dflich <strong>der<\/strong> Vernunft, <strong>der<\/strong> Natur, <strong>dem<\/strong> Geist, der Kultur, der Nation, dem Staat, <strong>dem<\/strong> Menschen, der Lebenskraft und pers\u00f6nlicher Beziehungen &#8211; alle zu verschiedenen Zeitpunkten f\u00fcr die Rolle des verdr\u00e4ngten G\u00f6ttlichen ins Spiel gebracht &#8211; wurden den Anforderungen auch nicht gerecht. Nichts davon konnte die <em>symbolischen Ressourcen <\/em>(Eagletons Ausdruck) und das Gef\u00fchl von Zugeh\u00f6rigkeit bieten, das traditionelle Religionen egal, wie unwahrscheinlich ihre Glaubenss\u00e4tze waren, noch immer stabil zur Verf\u00fcgung stellten. Atheismus ist nicht so einfach, wie er aussieht, betont Eagleton immer wieder.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich hat der deutsche Romanschriftsteller Thomas Mann das zentrale begriffliche Problem beim Namen genannt: die Vorstellung von einer alles dominierenden Wahrheit ist\u00a0 einfach ersch\u00f6pft und hat jede Bedeutung verloren <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-10' id='fnref-2583-10' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>10<\/a><\/sup>. Wenn wir unsere Sinne \u00f6ffnen, was sehen wir? Eine wuselnde Welt, die sich der Kontrolle durch eine einfache Idee entzieht.<\/p>\n<p>Wer sich schon l\u00e4nger mit dem Dharma besch\u00e4ftigt hat, dem mag das bekannt vorkommen. Man k\u00f6nnte sich daran erinnern, wie der Buddha die &#8222;eine dominierende Idee&#8220; der Brahmanen\u00a0 vom &#8222;All&#8220;, dass n\u00e4mlich die offenkundig unendliche Vielfalt irdischer Ph\u00e4nomene auf die blo\u00dfe Entfaltung einer einzigen Gottheit hinauslaufe, drastisch umkehrte. Buddha antwortete den Brahmanen <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-11' id='fnref-2583-11' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>11<\/a><\/sup>:<\/p>\n<blockquote><p>Was ist also, ihr M\u00f6nche, alles? Das Auge ist es und die Formen, das Ohr und die T\u00f6ne, die Nase und die D\u00fcfte, die Zunge und die S\u00e4fte, der K\u00f6rper und die Gegenst\u00e4nde, der Geist und die Dinge: das hei\u00dft man, ihr M\u00f6nche, alles. Wer, ihr M\u00f6nche etwa behaupten wollte: &#8218;Ich werde solch ein &lt;Alles&gt; zur\u00fcckweisen und ein &lt;Alles&gt; von anderer Art aufweisen,&#8216; und er w\u00fcrde \u00fcber den Gegenstand seiner Behauptung befragt werden, so k\u00f6nnte er keinen Bescheid geben, w\u00fcrde vielmehr in weiteren Widerstreit geraten. Und aus welchem Grunde? Weil so etwas, ihr M\u00f6nche, nicht zu finden ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf diese Weise anerkannte Buddha die wimmelnde Vielfalt von Ph\u00e4nomenen, die F\u00fclle unserer direkten Erfahrung, leugnete aber stillschweigend, dass sie auf ein verursachendes erstes Prinzip mit Absolutheitsanspruch zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Wie \u00fcblich, richtete er sich ausdr\u00fccklich gegen metaphysische Spekulation und verwarf jede Form &#8218;essentieller Wahrheit&#8216;, die der Art zugrunde liegen sollte, in der Ph\u00e4nomene in unseren Sinnen umgesetzt werden. Die Suche nach dieser &#8218;Wahrheit&#8216; lenkt uns nur von unserer experimentellen spirituellen T\u00e4tigkeit ab.<\/p>\n<p>Zweitausenddreihundert Jahre sp\u00e4ter hat es das westliche Hauptfeld hinter diese post-metaphysische Ziellinie geschafft, und die Ph\u00e4nomenologie wurde geboren. Watson betont, dass deren kr\u00f6nende Errungenschaft unsere Suche nach Sinn in einem gottlosen Universum sei: er nennt sie <em>die am meisten untersch\u00e4tzte Bewegung des 20. Jahrhunderts<\/em> und weist darauf hin, dass durch sie schlie\u00dflich echter Atheismus begr\u00fcndet worden sei. Durch sie wird die Auffassung unterstrichen,<\/p>\n<blockquote><p>dass in einer Welt, die nicht l\u00e4nger von Gott oder Vernunft erhellt wird, alle Versuche, die unendliche Vielfalt des Universums auf Begriffe, Ideen oder Wesentliches zu reduzieren &#8211; seien sie religi\u00f6s oder wissenschaftlich, umfassten sie die &#8218;Seele&#8216;, oder &#8218;Natur&#8216; oder &#8218;Partikel&#8216;, oder das &#8218;Jenseits&#8216; &#8211; die tats\u00e4chliche Vielfalt der Wirklichkeit reduzieren, die einen Teil, und vielleicht den gr\u00f6\u00dften Teil, oder sogar die Gesamtheit ihrer Bedeutung ausmachen <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-12' id='fnref-2583-12' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>12<\/a><\/sup>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Als Edmund Husserl und Martin Heidegger diese Auffassung entwickelten (und Marcel Proust sie literarisch illustrierte), kristallisierte sich ihre Verwandtschaft mit dem Dharma heraus. Husserl hob hervor, dass die Intentionalit\u00e4t, die das menschliche Bewusstsein unterst\u00fctzt, selber kein &#8218;Ding&#8216; sei, sondern bewusste Zuwendung der Aufmerksamkeit zur Welt, um sie direkt zu erfahren. Bewusstsein ist immer transitiv: es ist Bewusstsein <em>von<\/em> etwas, absichtliches Sich-in-Beziehung-Setzen zu allem, was gerade jetzt in unserer Erfahrungswelt geschieht <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-13' id='fnref-2583-13' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>13<\/a><\/sup>. All das ist Meditierenden vertraut.<\/p>\n<p>Heideggers Beitrag in<em> Sein und Zeit<\/em> (1927) war es, die menschliche Person mehr als ein Ereignis als als ein Wesen darzustellen &#8211; ein Ereignis, bedingt durch ihre oder seine unmittelbaren Umst\u00e4nde, ihre oder seine Welt. Somit hat Heidegger die menschliche Person als etwas, was geschieht, neu bestimmt, als einen Prozess des <em>Daseins<\/em> und <em>In-der-Welt-Seins,<\/em> ein Sein, das im Tod endg\u00fcltig kulminiert.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend wir noch auf den F\u00fc\u00dfen sind, wird der Lebensprozess, von dem die Rede ist, in einem speziellen, doch sich \u00e4ndernden Kontext weiter gestaltet. Durch f\u00fcrsorgliche Beziehungen und durch das Bem\u00fchen um Authentizit\u00e4t, die gegen den Druck der Anpassung an herk\u00f6mmliche Erwartungen gewagt wird, wird er vorangetrieben.<\/p>\n<p>Vergleichen wir diese Vision mit Buddhas kryptischem Statement <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-14' id='fnref-2583-14' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>14<\/a><\/sup>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8230;in eben diesem, mit Wahrnehmung und Bewusstsein ausgestatteten K\u00f6rper von menschlichen Ma\u00dfen, ist die Welt enthalten, der Welt Entstehung, der Welt Ende und der Pfad.<\/p><\/blockquote>\n<h4>Zum Abschluss<\/h4>\n<p>In drei weiteren Vortr\u00e4gen m\u00f6chte ich die Auswirkungen eines Zugangs zur Dharma-Praxis entwickeln, die von dieser begrifflichen Revolution im westlichen Denken beeinflusst sind. Sie\u00a0 stehen auch nonkonformistischen Aus\u00fcbenden traditioneller Religionen zur Verf\u00fcgung. Zum Abschluss m\u00f6chte ich einige Vorschl\u00e4ge machen, wie wir uns zu traditionellen Religionen verhalten k\u00f6nnten, nicht zuletzt zur christlichen, die uns umgibt, aber vielleicht auch zum konventionellen Buddhismus.<\/p>\n<p>1. S\u00e4kulare Menschen haben an sich keine Streitpunkte mit Religion. Sie k\u00f6nnen sich nach Belieben der symbolischen (einschlie\u00dflich der \u00e4sthetischen) Hilfsmittel erfreuen, die traditionelle Religionen zur Verf\u00fcgung gestellt haben, ebenso der Rituale rund um besondere Ereignisse im Leben und sogar im Alltag. Aber S\u00e4kularit\u00e4t bedeutet, sich <em>dieser<\/em> Welt in <em>dieser<\/em> Zeit zuzuwenden. Hier entsteht sicherlich eine Spannung\u00a0 gegen\u00fcber Ideen und Geschichten, die Anspruch auf Zeitlosigkeit erheben und ihre Praxis auf eine andere Zeit oder ein anderes Reich hin ausrichten, sowie zu gewissen nach- oder \u00fcbermenschlichen Daseinszust\u00e4nden.<br \/>\n2. Wie jedes andere menschliche Produkt m\u00fcssen Religionen nach ihrer N\u00fctzlichkeit bei der Ausf\u00fchrung menschlicher Absichten beurteilt werden, einschlie\u00dflich der F\u00f6rderung von Gemeinschaft &#8211; vielleicht ihr haupts\u00e4chlicher Zweck seit pr\u00e4historischen Zeiten. Der Niedergang der Religiosit\u00e4t im Westen, vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg, deutet darauf hin, dass ihre N\u00fctzlichkeit sinkt und die Menschen andere Mittel finden ihren Bed\u00fcrfnissen und Absichten gerecht zu werden. Ein Teil dieser sinkenden N\u00fctzlichkeit kommt daher, dass traditionelle Religionen an zentralen neuen ethischen Anforderungen scheitern, vor allem an Inklusion von Minderheiten, Geschlechtergerechtigkeit und Demokratie <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-15' id='fnref-2583-15' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>15<\/a><\/sup>.<br \/>\nAber die traditionellen Religionen haben ihre N\u00fctzlichkeit f\u00fcr viele Menschen im Westen noch keineswegs ausgesch\u00f6pft, wie Eagleton in seinem Schlusskapitel darlegt. Und die ma\u00dfgeblichen Kr\u00e4fte traditioneller Religionen entwickeln sich in fortschrittliche Richtungen weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>2. Vortrag: Endlichkeit<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Dezember 2013 hat ein bestimmter prominenter<br \/>\nTherav\u00e3da-M\u00f6nch <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/endlichkeit-300x298.gif\" alt=\"endlichkeit\" width=\"216\" height=\"298\" name=\"Grafik4\" align=\"bottom\" border=\"0\" \/>in seiner Eigenschaft als &#8217;spiritueller Berater&#8216; der Buddhistischen Gesellschaft des australischen Bundesstaates Victoria eine Grundsatzerkl\u00e4rung in Umlauf gebracht, in der verlangt wurde, dass jede Person, die in den R\u00e4umlichkeiten der Gesellschaft lehrt, eine Reihe von Aussagen <em>buchst\u00e4blich <\/em>unterschreiben m\u00fcsse, bevor ihr erlaubt w\u00fcrde, dort Unterweisungen zu geben. Meines Wissens war Stephen Batchelor der erste, auf den sich diese Sperre bezog. Um die Musterung als Buddhist zu absolvieren, sagte das Edikt, m\u00fcsse man unter anderem best\u00e4tigen, dass man an Wiedergeburt glaube und die Pr\u00e4misse anerkennen, dass mit &#8218;Sangha&#8216; nur monastische Gemeinschaften gemeint seien. Das kam von einer Institution, die Offenheit gegen\u00fcber Buddhisten aller Traditionen und Richtungen signalisiert hatte.<\/p>\n<p>Nach meinem Gef\u00fchl schlie\u00dft sich eine Mehrheit von Praktizierenden des Dharma im Westen beiden Lehrs\u00e4tzen nicht an. In unserer Kultur hat besonders das Konzept der Wiedergeburt keinen Stellenwert.<\/p>\n<h4>Pragmatisches \u00fcber ein Leben nach dem Tod<\/h4>\n<p>Alle Behauptungen \u00fcber ein Leben nach dem Tod haben meist soliden materialistischen R\u00fcckhalt. F\u00fcr die l\u00e4ngste Zeit der Geschichte des institutionalisierten Christentums war die Angst vor dem H\u00f6llenfeuer und das Versprechen, es gebe hier einen Notausgang, das wichtigste Verkaufsinstrument. In vielen buddhistischen Traditionen n\u00e4hrt der Wunsch nach einer gl\u00fccklichen Wiedergeburt die Fr\u00f6mmigkeit der Laien, die vor allem in der Form des Spendens (<em>dana<\/em>) an den monastischen Klerus ausgedr\u00fcckt wird. Das erzeugt Verdienste, die wiederum den Segen f\u00fcr den Spender sichern. Dieses Ringelspiel der Verdienste h\u00e4lt das M\u00f6nchswesen in Gang, nicht zuletzt finanziell, und verst\u00e4rkt die spirituelle Autorit\u00e4t der M\u00f6nche. Therav\u00e3da-M\u00f6nche im speziellen haben also ein begr\u00fcndetes Interesse an Wiedergeburt.<\/p>\n<p>Vor der Entstehung starker, entwickelter Staaten mit Polizeigewalt leisteten Lehren \u00fcber ein Leben nach dem Tod auch Hilfsdienste, wenn es darum ging, potentielle B\u00f6sewichte zu schrecken, sodass sie den Regeln gehorchten. Auch wenn du in diesem Leben damit durchkommst, im n\u00e4chsten wirst du es b\u00fc\u00dfen. Das war die Botschaft. Solche Lehren waren also <em>n\u00fctzlich, <\/em>wie Pragmatiker argumentieren w\u00fcrden, und darum haben Menschenwesen sie sich ausgedacht.<\/p>\n<p>Diese Lehren waren auch psychologisch ansprechend, weil der Tod in all seiner Endg\u00fcltigkeit f\u00fcr das Ego schwer zu schlucken ist, und jene, denen gerade geliebte Menschen gestorben sind, es tr\u00f6stlich finden zu denken, dass die Verstorbenen nicht einfach zu existieren aufgeh\u00f6rt haben, sondern vielmehr einfach irgendwo anders hingegangen sind &#8211; in den Himmel, in ein neues Leben &#8211; und dass wir uns nach und nach alle wieder treffen werden.<\/p>\n<p>Aus all diesen guten pragmatischen Gr\u00fcnden stie\u00dfen jene, die behaupteten oder vermuteten, dass der Tod wirklich das Ende sei, auf eine Menge institutioneller, psychologischer und kultureller Widerst\u00e4nde. Allerdings folgte die Tendenz wissenschaftlicher Entdeckungen, von der Evolution bis zur Neurowissenschaft, dem Weg der Skeptiker und verbannte gleichzeitig\u00a0 eine Menge allgemeinen Glaubens an \u00dcbernat\u00fcrliches aus der Kultur, auch in der Truppe der Kirchg\u00e4nger. Wie genau erkl\u00e4rt man Wiedergeburt einem Neurowissenschafter?<\/p>\n<h4>Der Tod als existentielle Zeichensetzung<\/h4>\n<p>Vielen der f\u00fchrenden westlichen Denkern (Dichter eingeschlossen) begann zu d\u00e4mmern, dass es nicht ausreichte, unglaubw\u00fcrdige Ideen \u00fcber ein Nachleben aufzugeben; wir sollten unsere Menschlichkeit bekr\u00e4ftigen, indem wir gerade unsere menschliche Sterblichkeit, Verletzlichkeit und unsere begrenzten F\u00e4higkeiten annehmen. Sie seien fundamentale Voraussetzungen, unserem Leben Sinn zu geben und herauszufinden, wie wir es leben k\u00f6nnten. Das ist mit &#8218;Endlichkeit&#8216; gemeint, deren Bef\u00fcrworter uns ermutigen, uns voll auf sie voll einzulassen. Das Ziel des Lebens sollte sein, schl\u00e4gt George Santayana vor, triumphierend mit der Endlichkeit zu leben <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-16' id='fnref-2583-16' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>16<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir Buddhas Einstellung zu all dem einsch\u00e4tzen? Sicherlich hatte er eine Menge \u00fcber Tod und Verg\u00e4nglichkeit zu sagen, nicht zuletzt in seiner ersten Lehrrede mit der Darstellung dessen, was Dukkha ausmacht,\u00a0 &#8211; eine Liste, die mit Geburt, Altern, Krankheit und Tod beginnt. In \u00dcbereinstimmung mit den vorherrschenden Annahmen seiner Zeit und seiner Weltgegend akzeptierte er allerdings eindeutig, dass Menschen wiedergeboren werden, so wie er auch akzeptiert h\u00e4tte, dass die Erde flach ist. Aber er hat das niemals als wesentlichen Teil des Dharma <em>gelehrt &#8211; <\/em>es war einfach Teil der kulturellen Tapete.<\/p>\n<p>Am Ende der ber\u00fchmten <em>Kalama Sutta <\/em>anerkennt er stillschweigend die Skepsis mancher seiner Zuh\u00f6rer in Bezug auf Wiedergeburt: er sagt den Kalamern, dass die Praxis des Dharma ihnen jedenfalls ein w\u00fcrdevolles, sinnvolles und unbeschwertes Leben sichern werde, sollte sich herausstellen, es gebe kein sp\u00e4teres Leben <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-17' id='fnref-2583-17' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>17<\/a><\/sup>. Mit anderen Worten: Dharma-Praxis tr\u00e4gt ihren Lohn in sich &#8211; ein Thema, zu dem wir sp\u00e4ter zur\u00fcckkehren werden.<\/p>\n<p>Wie so oft waren es die Dichter, die das Problem des Lebens nach dem Tod aufgriffen;\u00a0 sie sahen darin eine implizite Herabsetzung <em>dieses<\/em> Lebens &#8211; ein Thema nach dem Herzen von s\u00e4kular denkenden Menschen (und Dichtern). Rainer Maria Rilke, jedermanns liebster spiritueller Dichter, schrieb \u00fcber den Irrtum,<em> irgendein Leben nach dem Tod oder eine Wiedergeburt f\u00fcr au\u00dferordentlicher zu halten als uns hier \u00fcberhaupt erst zu finden<\/em>. Indem wir uns in Tr\u00e4umen von einem Leben nach dem Tod verlieren, verf\u00e4lschen wir unsere Priorit\u00e4ten und missachten unsere Chancen und Verantwortlichkeiten in <em>diesem<\/em> Leben. Hier zu sein, sagte er, <em>ist eine Quelle mit tausend M\u00fcndungen; ein Netz aus purer Kraft, das niemand ber\u00fchren kann, ohne in Ehrfurcht niederzuknien<\/em> <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-18' id='fnref-2583-18' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>18<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>Rilke fasste eine Idee knapp zusammen, die Heidegger ausgef\u00fchrt h\u00e4tte: wir wissen, dass wir sterben werden, und das gibt uns klare Rahmenbedingungen, die Geschichte unseres Lebens auf sinnvolle Weise zu gestalten. Wir wissen, wie es enden wird:\u00a0<em>der Tod treibt die Handlung unseres Lebens voran, <\/em>so fasst Watson Rilke zusammen <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-19' id='fnref-2583-19' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>19<\/a><\/sup>. Wir sind die Autoren unserer Lebensgeschichten, die (wie alle guten Geschichten) einen Anfang, eine Mitte und einen Schluss haben m\u00fcssen. Nicht zu akzeptieren, dass der Tod das Ende bedeutet, hei\u00dft, unser Leben wie eine endlose, formlose Seifenoper zu konzipieren.<\/p>\n<p>Diese Empfindung mag f\u00fcr Anh\u00e4nger des im ersten Vortrag erw\u00e4hnten Dichters und Liturgikers Thomas Cranmer vertraut klingen. Im seinem Er\u00f6ffnungsgesang des Begr\u00e4bnisritus hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Man that is born of a woman hath but a short time to live, and is full of misery. He cometh up, and is cut down like a flower; he flyeth as it were a shadow and never continueth in one stay.<br \/>\nIn the midst of life we are in death.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die lebende buddhistische Dichterin Mary Oliver wirft am Ende ihres tief ber\u00fchrenden <em>In Blackwater Woods <\/em>einen optimistischeren Blick auf die Endlichkeit:<\/p>\n<blockquote><p>To live in this world<br \/>\nyou must be able<br \/>\nto do three things:<br \/>\nto love what is mortal;<br \/>\nto hold it<br \/>\nagainst your bones<br \/>\nknowing your own life depends on it;<br \/>\nand, when the time comes to let it go,<br \/>\nto let it go.<\/p><\/blockquote>\n<p>Als der wichtige pragmatische Philosoph Richard Rorty die Diagnose erhielt, dass er todkrank sei, sch\u00f6pfte er Trost aus dieser Strophe aus Algernon Swinburne&#8217;s <em>The garden of Proserpine<\/em> (1866):<\/p>\n<blockquote><p>We thank with brief thanksgiving<br \/>\nWhatever gods may be<br \/>\nThat no life lives for ever;<br \/>\nThat dead men rise up never;<br \/>\nThat even the weariest river<br \/>\nWinds somewhere safe to sea.<\/p><\/blockquote>\n<h4>Endlichkeit in der Ph\u00e4nomenologie<\/h4>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/heidegger.jpeg\"><span style=\"color: #000080;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/heidegger.jpeg\" alt=\"heidegger\" width=\"187\" height=\"270\" name=\"Grafik5\" align=\"bottom\" border=\"1\" \/><\/span><\/a>Der Denker, der vielleicht am meisten \u00fcber Endlichkeit zu sagen hat, war der wichtige Ph\u00e4nomenologe Martin Heidegger. Seine Sichtweise, in schonungsloser Zusammenfassung, war diese: wir sind in eine Lebenswelt geworfen, nicht aus eigener Wahl. Doch w\u00e4hrend wir reifen, machen wir genau diese Welt zu unserer Heimat, wir wohnen in ihr, wir werden mit ihr vertraut, wir lernen, uns um Teile von ihr zu k\u00fcmmern (Menschen, Projekte&#8230;) und treiben so den Prozess unseres Lebens voran. (In einem sp\u00e4teren Vortrag werden wir diese Sichtweise\u00a0 mit der Praxis von Meditation verkn\u00fcpfen).<\/p>\n<p>Wie wir im ersten Vortrag gesehen haben: darum geht es beim <em>Dasein<\/em> und <em>In-der-Welt-Sein<\/em>. Aber davon untrennbar ist, was Heidegger <em>Sein zum Tode<\/em> nennt. (<em>In the midst of life we are in death<\/em>, wie Cranmer es ausdr\u00fcckt). Wir erf\u00fcllen einen Prozess, der sich zwischen Geburt und Tod erstreckt, mit Leben.<\/p>\n<p>Um es zu wiederholen: wir sind nicht so sehr stabile Wesen als sich entwickelnde Vorg\u00e4nge und Ereignisse. Daher m\u00fcssen wir diesen Lebensprozess zu unserem ganz eigenen machen und Verantwortung daf\u00fcr \u00fcbernehmen &#8211; um ihm W\u00fcrde und Bedeutung zu verleihen. Das bedeutet, Authentizit\u00e4t in einem zweifachen Sinn zu erreichen: dem Konformit\u00e4tsdruck zu widerstehen, und sich best\u00e4ndig der eigenen Sterblichkeit bewusst zu sein.<\/p>\n<p>Um an diesem Punkt zu Rilke zur\u00fcckzukehren: wir sollten unseren Tod einzigartig machen, genauso wie wir &#8211; wenn wir gut leben &#8211; unser Leben einzigartig machen. <em>Strebe danach, deinen Tod zu einer Konsequenz deines Lebens zu machen, <\/em>wie Watson Rilke zusammenfasst <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-20' id='fnref-2583-20' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>20<\/a><\/sup>.<\/p>\n<h4>Zum Abschluss<\/h4>\n<p>Wenn <em>dieses<\/em> Leben in <em>dieser<\/em> Welt das einzige ist, das wir haben, dann sollten wir es wirklich sehr ernst nehmen. Mary Oliver fragt:<\/p>\n<blockquote><p>Tell me, what is it you plan to do<br \/>\nwith your one wild and precious life?<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir sollten uns tief einlassen auf unsere Erfahrung dieser \u00fcberreichen Lebenswelt, mit der wir uns besch\u00e4ftigen m\u00fcssen. Ist es nicht das, worum es in der Dharma-Praxis geht? Wir praktizieren nicht, um irgendeine zuk\u00fcnftige Belohnung zu erhalten, sondern um dieses Leben, genau hier und jetzt, sinnvoll zu machen. Um das Beste aus seinem Potential von Wachstum, Tiefe und W\u00fcrze zu machen, um unsere Erfahrung dieser Welt, unserer einzigen Heimat, zu intensivieren. Das ist sicherlich die Intention hinter der grundlegenden Lehre \u00fcber unsere wesentliche Praxis, die Meditation. Dieser Geist beseelt die <em>Satipatth\u00e3na sutta.<\/em><\/p>\n<p>Wie Mary Oliver es am Ende ihres Gedichts <em>When death comes<\/em> formuliert:<\/p>\n<blockquote><p>When it&#8217;s over, I want to say: all my life<br \/>\nI was a bride married to amazement.<br \/>\nI was the bridegroom, taking the world into my arms.<\/p>\n<p>When it is over, I don&#8217;t want to wonder<br \/>\nif I have made of my life something particular, and real.<br \/>\nI don&#8217;t want to find myself sighing and frightened,<br \/>\nor full of argument.<\/p>\n<p>I don&#8217;t want to end up simply having visited the world.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<h2>3. Vortrag: Das Numinose, das Transzendente und das Sublime<\/h2>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Halte in deinem Herzen Raum frei f\u00fcr das Unvorstellbare.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Mary Oliver<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2502 alignright\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Transzendenz-300x224.jpg\" alt=\"Transzendenz\" width=\"244\" height=\"102\" \/><\/p>\n<p>Rationalit\u00e4t ist ein Markenzeichen moderner Kultur und die meisten von uns sind sich wohl darin einig, dass sie eine tolle Sache ist. Sie ist unerl\u00e4sslich f\u00fcr das L\u00f6sen von Problemen, f\u00fcr den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt und daf\u00fcr, komplizierte St\u00e4dte, Gesellschaften und globale Netzwerke wie das Internet in gro\u00dfem Ma\u00dfstab zu koordinieren. Rationalit\u00e4t saugt alle m\u00f6glichen Arten von Aberglauben, Vorurteilen, irrationalen \u00c4ngsten und Feindseligkeiten auf und spuckt sie aus. Verst\u00e4ndlicherweise ist eine der \u00fcbelsten Beurteilungen, die einem Menschen zugeschrieben werden k\u00f6nnen, zu sagen, er oder sie w\u00e4re &#8218;irrational&#8216;.<\/p>\n<p>Rationalit\u00e4t ist zwar ein guter Dienstbote, hat aber eine Tendenz zum Gr\u00f6\u00dfenwahn und gibt einen schlechten Chef ab. Das passiert, wenn wir beginnen, ihr G\u00f6tzendienste zu leisten. Im Jahr 1918 hat der klassische Soziologe Max Weber den ber\u00fchmten Ausspruch getan, Modernit\u00e4t h\u00e4tte die Welt <em>rationalisiert und entzaubert. <\/em>Alle Feen seien gestorben, weil rationalistische Eltern ihre Kinder gelehrt h\u00e4tten, dass sie nicht existierten. Der Kult des Rationalismus hat eine Neigung, jede Erfahrung auszubleichen, die uns verzaubern, staunen machen und Ehrfurcht und Verwunderung in uns ausl\u00f6sen kann; gegen derartige numinose Erfahrungen stellt er sich.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Rationalismus \u00fcber numinose Erfahrungen die Nase r\u00fcmpft, machen wir Menschen diese weiterhin &#8211; das ist eine menschliche Gabe &#8211; und traditionelle Religionen haben das Beste aus ihnen gemacht. In der j\u00fcdisch-christlichen Tradition sind sie Andeutungen \u00fcber das Reich des Transzendenten, \u00fcber das Wirken &#8211; und die Botschaften &#8211;\u00a0 Gottes. Gl\u00e4ubige k\u00f6nnten sagen, sie h\u00e4tten Gott &#8218;erfahren&#8216;, h\u00e4tten den Atem Gottes gesp\u00fcrt, h\u00e4tten eine Heimsuchung der Jungfrau Maria erlebt oder eine Sprachnachricht von einem Heiligen bekommen. Traditionelle Buddhisten k\u00f6nnten sagen, sie h\u00e4tten einen Hauch des Unbedingten und Todlosen erfahren. W\u00e4hrend Rationalismus das Numinose also missbilligt, haben traditionelle Religionen es sich seit langem in der Form angeeignet, die William James &#8218;gemeinsame Fiktion&#8216; \u00fcber Transzendenz nannte <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-21' id='fnref-2583-21' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>21<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>F\u00fcr sich allein genommen, ist Rationalismus eine aufregende Sache. Er weist auf eine Ebene der Existenz hin, die angeblich viel besser ist als diese Welt, oder einen Aufstieg aus der Conditio humana in eine Art gl\u00fcckseligen, dukkha-freien, perfekten Lebenszustand bedeutet. Oder beides: der Himmel, von Engeln bev\u00f6lkert. Je schmerzlicher, unterdr\u00fcckter, benachteiligter und unsicherer jemandes reale Verh\u00e4ltnisse sind, desto verf\u00fchrerischer winkt das Transzendentale.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Karl Marx schrieb, Religion sei Opium f\u00fcr das Volk, war Opium das allt\u00e4glichste wirksame Schmerzmittel, das zur Verf\u00fcgung stand. Wenn sie konnten, n\u00fctzten Menschen Opium als Schmerzstiller, nicht zur Bet\u00e4ubung. Der Satz vor dem allbekannten Zitat lautet <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-22' id='fnref-2583-22' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>22<\/a><\/sup> :<\/p>\n<blockquote><p>Die Religion ist der Seufzer der bedr\u00e4ngten Kreatur, das Gem\u00fcth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zust\u00e4nde ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr Marx war der einzige Weg, \u00fcber die Religion hinaus zu wachsen, die \u00dcberwindung der sozialen Misere, die zu Tr\u00e4umen von Transzendenz f\u00fchrt.<\/p>\n<h4>Das ungezwungen Sublime<\/h4>\n<p>Rationalismus und Religion tun sich in den Augen s\u00e4kular denkender, halbwegs sicher und behaglich lebender Menschen zusammen, um <em>diese<\/em> Welt und <em>dieses<\/em> Leben, denen wir keine Aufmerksamkeit widmen sollen, schlecht zu machen. Sie sprechen in Abstraktionen und Verallgemeinerungen, sie lenken uns ab vom fantastischen und \u00fcberreichen Hier-und-Jetzt, das sie zu einer d\u00fcsteren, konturlosen Landschaft verflachen. Wenn wir sublime Erfahrungen wollen, stehen sie uns jederzeit zur Verf\u00fcgung: zur\u00fcck zu Mary Oliver, der &#8211; nach ihrer eigenen Zuschreibung &#8211; &#8218;Braut, verm\u00e4hlt mit dem Erstaunen&#8216;:<\/p>\n<blockquote><p>Instructions for living a life.<br \/>\nPay attention.<br \/>\nBe astonished.<br \/>\nTell about it.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Botschaft von Ph\u00e4nomenologen wie Heidegger ist, dass wir uns selbst und unsere Conditio humana nicht \u00fcbersteigen k\u00f6nnen (und dazu auch keinen Grund haben). Wir k\u00f6nnen von der Welt nicht zur\u00fccktreten oder uns \u00fcber sie erheben <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-23' id='fnref-2583-23' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>23<\/a><\/sup>. Das k\u00f6nnte uns\u00a0 gegen\u00fcber der Gro\u00dfartigkeit religi\u00f6ser Begriffe wie Erl\u00f6sung, Seelenheil und Transzendenz selbst umso argw\u00f6hnischer machen. Vielleicht geh\u00f6rt auch &#8218;Erleuchtung&#8216; auf diese Liste. All diese Begriffe weisen auf das hin, was die Autorin Cynthia Ozick\u00a0 &#8218;die immer wiederkehrende Sehnsucht nach menschlicher Vollendung&#8216; <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-24' id='fnref-2583-24' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>24<\/a><\/sup> nennt, die ironischerweise auf einen nach- oder \u00fcbermenschlichen Zustand hindeutet.<\/p>\n<p>Ist es so schrecklich, als menschliches work-in-progress zu sterben? Haben wir eine Alternative?<\/p>\n<h4>Erwachen als Prozess oder Zustand?<\/h4>\n<p>Der Buddha sprach \u00fcber &#8218;Erwachen&#8216; als einen Prozess. Dharma-Praxis wirkt auf diesen Prozess hin; die Metapher ist ganz einfach. Aufwachen ist etwas, was wir alle wenigstens einmal in 24 Stunden tun, und wir wissen, wie es sich anf\u00fchlt, aus Bewusstlosigkeit heraus die Sinne zu \u00f6ffnen und in die Welt zu treten. Erwachen im spirituellen Sinn ist genauso. Wir erwachen &#8211; manchmal auf atemberaubende Weise! &#8211; zu Erfahrungen und Einsichten, die frisch und neu f\u00fcr uns sind. Viele von uns haben solche Momente kennengelernt, besonders in Retreats. Das hat mit einer Art von Vollendung nichts zu tun.<\/p>\n<p>Aber der Buddha lebte in einer Kultur, in der die Menschen auf die Idee der Erl\u00f6sung oder &#8218;Befreiung&#8216; (<em>moksha<\/em>) fixiert waren. Dazu geh\u00f6rte eine pessimistische Sicht des menschlichen Lebens auf der Erde, durch die eskapistische Sehns\u00fcchte nach Transzendenz und Erl\u00f6sung gen\u00e4hrt wurden. Der Begriff <em>Erwachen<\/em> bekam daher eine zweite Bedeutung als ein Zustand, der einen <em>auf Dauer <\/em>aus dem Sumpf der Conditio humana (<em>dukkha<\/em>) emporheben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Als die Tradition des Buddha nach seinem Tod zur Religion wurde, wurde die zweite Bedeutung von Erwachen zur ersten, und Erwachen selbst wurde durch eine andere Metapher &#8211; &#8218;Erleuchtung&#8216; &#8211; ersetzt, die als ein unumkehrbarer Zustand verstanden wurde, in seinem Wesen transzendent und nach-menschlich. Das wurde zur &#8218;gemeinsamen Fiktion&#8216; des als Religion verstandenen Buddhismus, eine Fiktion, die monastisch-autorit\u00e4re Strukturen st\u00fctzte. Einem Erleuchteten widerspricht man nicht! F\u00fcr uns andere r\u00fcckt dann der H\u00f6hepunkt spiritueller Praxis in unerreichbare Ferne, f\u00fcr alle praktischen Zwecke m\u00f6glichst dem Blick entzogen.<\/p>\n<p>Wenn wir auf nicht-transzendente Weise \u00fcber unsere Dharma-Praxis nachdenken: worauf l\u00e4uft sie hinaus? Wir m\u00fcssen offenkundig die transzendente Idee loslassen, es gebe eine perfekte Existenzweise. Daran festzuhalten w\u00fcrde bedeuten, unsere Praxis auf<em> Selbst-Reinigung<\/em> zu beschr\u00e4nken: uns in eine vorgefertigte Schablone hinein zu quetschen und dabei alles, was au\u00dferhalb dieser Schablone liegt, wie Fremdk\u00f6rper und Verunreinigungen zu behandeln.<\/p>\n<p>Beim entgegengesetzten Ansatz\u00a0 geht es um das Bestreben nach <em>Selbst-Erweiterung<\/em> (um Richard Rorty&#8217;s Ausdr\u00fccke zu gebrauchen): laufend an sich zu arbeiten, menschliche Intelligenz, Weisheit und Rechtschaffenheit zu kultivieren, und so unser menschliches Potential bis zu seinen R\u00e4ndern auszusch\u00f6pfen <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-25' id='fnref-2583-25' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>25<\/a><\/sup>. Und das bedeutet, so oft wie m\u00f6glich zu erwachen. Aus unseren kleinen Offenbarungen soviel wie m\u00f6glich zu machen. Uns niemals zu erlauben, gegen\u00fcber den unerwarteten spirituellen Reicht\u00fcmern dieses Lebens hier auf der Erde\u00a0 blasiert oder abgestumpft zu werden. <em>Paying close attention<\/em>, wie Mary Oliver vorschl\u00e4gt.<\/p>\n<h4>Das Sublime im Alltag<\/h4>\n<p>Wenn man das tut, wird man wahrscheinlich feststellen, dass Max Weber unrecht hatte (aber er hatte eine Entschuldigung: es gab eine Menge Ern\u00fcchterung in der Welt von 1918). Diese Welt ist voll von Zauber &#8211; man muss sich ihm nur stellen. Ein pers\u00f6nliches Beispiel: vor zehn Tagen habe ich mit vielen anderen einen Freund, einen gro\u00dfen Naturliebhaber, in vollen s\u00e4kularen Ehren begraben. Es war auf einem Friedhof hoch \u00fcber dem Meer, an einem klassischen Wintertag in Sydney. Viele Menschen halten ja die Teilnahme an einem gut gestalteten Begr\u00e4bnis f\u00fcr einen Moment sublimer Vertiefung in die Conditio humana und das Verbundensein aller Dinge; besonders eine Erdbestattung gibt dieser Erfahrung durch das unverh\u00fcllt Organische einen eigenen Akzent. W\u00e4hrend eines &#8218;Moments der Besinnung&#8216;, als wir alle still waren, erhob sich ein Wal direkt vor der K\u00fcste aus dem Meer. Was f\u00fcr ein Wink, dieses eine kostbare Leben zu genie\u00dfen und sich ihm anzuvertrauen!<\/p>\n<p>Das war eine eindrucksvolle Begegnung mit <em>dem Sublimen &#8211; <\/em>f\u00fcr uns vielleicht ein besseres Wort als <em>das Numinose,<\/em> weil es nicht mit derselben religi\u00f6sen Fracht belastet ist. Auch das Sublime l\u00e4sst sich allem Ehrfurchtgebietenden, allem unsagbar Sch\u00f6nen, auch dem Grauen, zuschreiben &#8211; es ist das, was uns (vielleicht mit Ausnahme der Dichter) \u00fcber die Grenzen der Sprache hinausf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen sicher nicht religi\u00f6s sein, um das Sublime zu erfahren, und es m\u00fcssen keine au\u00dferordentlichen Geschehnisse damit verbunden sein. Ronald Dworkin berichtet in seinem neuen Buch, dass Wissenschafter, die die unendliche Weite des Raums und Komplexit\u00e4t von Partikeln erforscht h\u00e4tten, von Ehrfurcht erf\u00fcllt und \u00fcberw\u00e4ltigt emotionale Reaktionen zeigten, die einem Zittern nahe kamen <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-26' id='fnref-2583-26' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>26<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/charles-darwin.jpeg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2575 alignright\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/charles-darwin.jpeg\" alt=\"charles darwin\" width=\"197\" height=\"256\" \/><\/a>Und Charles Darwin, dieser boshafte Zerst\u00f6rer religi\u00f6ser Mythen, war dem gegen\u00fcber, was er selbst entdeckt hatte, in \u00e4hnlicher Weise ehrf\u00fcrchtig. Das Sublime erreicht man durch den Gemeinplatz<em>, <\/em>durch die langsame Ansammlung von Fakten, schrieb er in sein Notizbuch <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-27' id='fnref-2583-27' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>27<\/a><\/sup>. Und am Ende seines Opus magnum, <em>On the Origin of species, <\/em>steht sein bekannter Kommentar zu dem evolution\u00e4ren Modell, das er fortgef\u00fchrt hatte: <em>There is grandeur in this view of life <\/em>(auch wenn seine religi\u00f6sen Kritiker das nur in einer gegenteiligen Sichtweise anerkannten).<\/p>\n<p>F\u00fcr Praktizierende des Dharma hat Stephen Batchelor <em>&#8218;the everyday sublime&#8216;<\/em> als einen Fachausdruck bezeichnet <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-28' id='fnref-2583-28' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>28<\/a><\/sup>. Denn eine seiner Inspirationsquellen, Martin Heidegger, entfaltet das Drama des Daseins, des In-der-Welt-Seins in unserer <em>durchschnittlichen Allt\u00e4glichkeit <\/em>(die uns t\u00e4glich auf dem Meditationskissen begegnet). Stephen beginnt seinen Artikel also folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>Meditation geht vom Sublimen im Alltag aus und kulminiert darin. Ich bin wenig daran interessiert, Zust\u00e4nde ununterbrochener Konzentration zu erreichen, in denen der sinnliche Reichtum der Erfahrung durch rein introspektive Verz\u00fcckung ersetzt wird. Ich bin nicht daran interessiert, Mantras zu rezitieren, Buddhas oder &#8218;Mandalas&#8216; zu visualisieren, au\u00dferk\u00f6rperliche Erfahrungen zu erreichen, anderer Menschen Gedanken zu lesen, luzides Tr\u00e4umen zu praktizieren, Channeling psychischer Energien durch Chakren zu \u00fcben, ganz zu schweigen davon, mein Bewusstsein in die transzendente Vollkommenheit des Unbedingten zu integrieren. F\u00fcr mich bedeutet Meditation, bereitwillig anzunehmen, was geschieht, w\u00e4hrend dieser Organismus in diesem Moment mit seiner Umgebung in Ber\u00fchrung kommt. Erfahrung von Mystischem weise ich nicht zur\u00fcck. Ich weise nur die Ansicht zur\u00fcck, das Mystische, hinter dem blo\u00df Offenkundigen verborgen, sei irgendetwas anderes als das, was gerade jetzt in Zeit und Raum geschieht. Das Mystische transzendiert die Welt nicht, sondern s\u00e4ttigt sie. &#8218;Nicht <i>wie<\/i> die Welt ist, ist das Mystische, sondern <i>dass<\/i> sie ist&#8216;, notierte Wittgenstein im Jahr 1921.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier gibt es ein Echo von Darwins Erkenntnis, das Sublime sei im Gemeinplatz zu finden, und des zentralen Grundsatzes der Ph\u00e4nomenologie: unsere Erfahrungen sprechen f\u00fcr sich selbst &#8211; es gibt keine verborgene Wahrheit oder unsichtbare Hand, die sich hinter ihnen versteckt h\u00e4lt. Dem T\u00e4nzer vom Tanz zu erz\u00e4hlen, ist nicht m\u00f6glich und nicht notwendig, wie Rorty es formuliert <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-29' id='fnref-2583-29' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>29<\/a><\/sup>.<\/p>\n<h4>Zum Abschluss<\/h4>\n<p>Dieser Zugang zur Dharma-Praxis hat weitreichende Konsequenzen f\u00fcr unseren Zugang zur Meditation und f\u00fcr unsere Priorit\u00e4ten im Dharma. Ich m\u00f6chte sie und die Implikationen unsere Sichtweise auf die Endlichkeit im letzten Vortrag herausarbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>4. Vortrag: Intensit\u00e4t in der Praxis<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Buddha hat einmal gesagt, wir sollten \u00fcben, als ob unsere Haare in Brand st\u00fcnden. Das ist vielleicht etwas drastisch, aber es passt gut zu einem Hauptmotiv in Peter Wat<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2503 alignright\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Intensit\u00e4t.jpg\" alt=\"Intensit\u00e4t\" width=\"225\" height=\"132\" \/>sons Buch: praktisch alle von ihm zitierten Denker, die hilfreiche Antworten auf die Frage gegeben haben, wie wir angesichts des Todes Gottes\u00a0 leben sollten, haben geraten, <em>intensiv<\/em> zu leben, mit <em>Authentizit\u00e4t<\/em>, und mit wachsender <em>Tiefe<\/em> und <em>Sensibilit\u00e4t<\/em>.<\/p>\n<p>Diese unsere K\u00f6rper von menschlichen Ma\u00dfen, mit Wahrnehmung und Geist begabt (wie Buddha es formuliert hat), die pers\u00f6nliche Welten bewohnen, die sich schnell \u00e4ndern &#8211; sie sind es, die uns ausmachen, und sie halten nicht so lange. Also: h\u00e4ng dich rein! Erinnere dich an die Zeile von Mary Oliver: &#8218;<em>I don&#8217;t want to end up simply having visited this world.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Warum ber\u00fchrt uns diese Botschaft seit dem Tod Gottes (und nachdem wir sp\u00e4tere Versuche, ihn zu ersetzen, aufgegeben haben) so stark? Unsere Kultur war lange von metaphysischen und transzendentalen Ideen durchdrungen, die zur Abkehr von der sinnlichen und wahrnehmbaren Welt dr\u00e4ngten. Alte Vorstellungen, durch die uns eingeredet worden war, wir sollten gro\u00dfartige Narrative und &#8218;eine dominierende Idee&#8216; unserer gelebten Erfahrung in all ihrer Unmittelbarkeit, Fl\u00fcchtigkeit und Vielfalt vorziehen, wurden nun ausgemustert. Um an unsere Erfahrung unmittelbar heranzukommen, m\u00fcssen wir uns von transzendentalen Ablenkungen abwenden.<\/p>\n<p>Eine der Kehrseiten des alten metaphysischen Zugangs und der falschen G\u00f6tter, die ihn ersetzt haben (z. B. Konsumdenken, Wohlstands-Theologien und Formen von &#8218;Selbstverwirklichung&#8216;) war, dass sie Gleichg\u00fcltigkeit, Trivialit\u00e4t und defensive Oberfl\u00e4chlichkeit f\u00f6rderten. Kein Wunder, dass Stephen Batchelor im obigen Zitat auflistet, wohin ihn seine Meditationspraxis nicht f\u00fchren soll!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend n\u00e4mlich traditionelle \u00dcberzeugungen viel an Boden verloren haben, gibt es weiterhin viel Leichtgl\u00e4ubigkeit, besonders in neueren Formen westlicher Spiritualit\u00e4t. &#8218;Die Abgebr\u00fchten, die an nichts glauben&#8216;, kommentiert Eagleton, &#8218;erweisen sich oft als die Fantasten, die bereit sind, an alles zu glauben&#8216; <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-30' id='fnref-2583-30' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>30<\/a><\/sup>. In Gro\u00dfbritannien glauben mehr Leute an UFOs als an Gott. Einer von vier Amerikanern glaubt an Astrologie, einer von f\u00fcnf an Wiedergeburt. Hollywoodgr\u00f6\u00dfen str\u00f6men Scientology zu, riesige Pfingst-Gemeinden schie\u00dfen wie Pilze aus dem Boden. Und so weiter.<\/p>\n<h4>Die Satipatth\u00e3na Sutta<\/h4>\n<p>Der ausf\u00fchrlichste Rat des Buddha, wie wir unsere Erfahrung des Da-Seins und In-der-Welt-Seins intensivieren k\u00f6nnen, ist in der Satipatth\u00e3na-Sutta enthalten. Darin werden alle ph\u00e4nomenologischen K\u00e4stchen angekreuzt: sie ist frei von metaphysischen Wahrheitsanspr\u00fcchen und l\u00e4dt uns ein, uns immer tiefer bewusst zu werden, wie wechselhaft, vielf\u00e4ltig und unzentriert &#8211; und entscheidend wichtig &#8211; unsere Lebenswelten und unser Selbst sind.<\/p>\n<p>Die Sutta enth\u00e4lt keine technischen Anweisungen und verlangt nicht von uns, technische Fertigkeiten zu entwickeln. Sie ist frei von Esoterik und dem Versprechen metaphysischer Offenbarungen (die es nicht gibt). Das, was wir verstehen m\u00fcssen, wird sich aus unserer eigenen Erfahrung ergeben, wenn wir nach unserem Bauchgef\u00fchl praktizieren.<\/p>\n<p>Aber die Praxis, die die Sutta darlegt, verlangt sehr wohl von uns, ein Gesp\u00fcr f\u00fcr Grundlegendes im Dharma zu entwickeln. Daher gibt es heuristische Hinweise, worauf wir sinnvollerweise achten sollten und welche Fragen uns helfen k\u00f6nnten, unserer Lebensweise und ihren Auswirkungen auf unsere ethische und spirituelle Entwicklung nachzusp\u00fcren. Als F\u00fchrer beim &#8218;Experimentieren mit uns selbst&#8216; in Rorty&#8217;s Sinn ist die Sutta un\u00fcbertroffen.<\/p>\n<p>Sie kulminiert in der Betrachtung der vier gro\u00dfen Aufgaben (auch bekannt als die Vier Edlen Wahrheiten), aber diese sind in allen Stadien der Dharma-Praxis enthalten. Sie verlangen von uns, die unvermeidlichen Schwierigkeiten der Conditio humana (<em>dukkha<\/em>, einschlie\u00dflich unserer Endlichkeit) voll anzunehmen; unsere instinktiven und gewohnheitsm\u00e4\u00dfigen Ausfl\u00fcchte aus diesen Schwierigkeiten, n\u00e4mlich Festhalten oder Sich-Abwenden, loszulassen; zu Augenblicken der Stille zu erwachen, die mit dem vor\u00fcbergehenden Aufh\u00f6ren von Festhalten oder Sich-Abwenden einhergehen; und eine facettenreiche Lebensform zu kultivieren, die unsere ethische und spirituelle Entwicklung vertieft <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-31' id='fnref-2583-31' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>31<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>In Heideggers Begriffen dr\u00fccken diese miteinander verkn\u00fcpften Aufgaben die <em>F\u00fcrsorge<\/em> aus, die wir auf unserem Kissen und im Alltag einf\u00fchren &#8211; die Art, wie wir in unseren Welten zu leben lernen und uns in ihnen entwerfen, auf diese Weise einen Unterschied machend. Das ist mit <em>intensivem<\/em> Leben gemeint: das Beste aus diesem Leben zu machen.<\/p>\n<p>Wie der Buddha f\u00fchrte Heidegger die m\u00e4\u00dfigende Gr\u00f6\u00dfe des <em>Loslassens<\/em> ein. Intensiv zu leben darf sich nie zu Eigensinn verfestigen und wir d\u00fcrfen nicht zu Kontrollfreaks werden, die sich in alles einmischen. In diese Falle zu geraten w\u00fcrde gleichzeitig bedeuten, die Entwicklung unserer Sensibilit\u00e4t und Aufnahmef\u00e4higkeit zu blockieren. Daher hebt Heidegger <em>Gelassenheit<\/em> hervor: Ruhe, Gefasstheit, Nicht-Anhaften, Zur\u00fcckhaltung &#8211; die Dinge sein lassen <sup class='footnote'><a href='#fn-2583-32' id='fnref-2583-32' onclick='return fdfootnote_show(2583)'>32<\/a><\/sup>. Dieses Prinzip kommt Buddha&#8217;s <em>upekkha<\/em> nahe (Gleichmut, eine der zentralen &#8218;unmessbaren&#8216; emotionalen T\u00f6nungen des erwachenden Geistes).<\/p>\n<p>Auch das bedeutet ein Leben der Integrit\u00e4t und Autentizit\u00e4t zu leben, im vollen Bewusstsein unserer Endlichkeit, mit der Bestimmung, im Angesicht konventioneller Erwartungen unseren eigenen Kurs zu steuern. Keine geringe Aufgabe!<\/p>\n<p>In der Kommunikation war Heideggers nicht so brillant; h\u00f6ren wir also Mary Oliver zu, in <em>The journey:<\/em><\/p>\n<blockquote><p>One day you finally knew<br \/>\nwhat you had to do, and began,<br \/>\nthough the voices around you<br \/>\nkept shouting<br \/>\ntheir bad advice \u2013<br \/>\nthough the whole house<br \/>\nbegan to tremble<br \/>\nand you felt the old tug<br \/>\nat your ankles.<br \/>\n\u2018Mend my life!\u2019<br \/>\neach voice cried.<br \/>\nBut you didn&#8217;t stop.<br \/>\nYou knew what you had to do,<br \/>\nthough the wind pried<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2594 alignright\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/mary-oliver.jpg\" alt=\"mary oliver\" width=\"160\" height=\"160\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/mary-oliver.jpg 160w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/mary-oliver-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><br \/>\nwith its stiff fingers<br \/>\nat the very foundations,<br \/>\nthough their melancholy<br \/>\nwas terrible.<br \/>\nIt was already late<br \/>\nenough, and a wild night,<br \/>\nand the road full of fallen<br \/>\nbranches and stones.<br \/>\nBut little by little,<br \/>\nas you left their voices behind,<br \/>\nthe stars began to burn<br \/>\nthrough the sheets of clouds,<br \/>\nand there was a new voice<br \/>\nwhich you slowly<br \/>\nrecognised as your own,<br \/>\nthat kept you company<br \/>\nas you strode deeper and deeper<br \/>\ninto the world,<br \/>\ndetermined to do<br \/>\nthe only thing you could do \u2013<br \/>\ndetermined to save<br \/>\nthe only life you could save.<\/p><\/blockquote>\n<h4>Zum Abschluss<\/h4>\n<p>\u00dcber die vier gro\u00dfen Aufgaben m\u00fcssen wir Bescheid wissen, und es ist ein enormer Vorteil, die Satipatth\u00e3na sutta und die dharmischen Lehren, auf die sie anspielt, genau zu kennen. Aber was wir mindestens genauso brauchen ist die Dringlichkeit und Intensit\u00e4t, die Mary Oliver hier wachruft. F\u00fcr uns Leute im Westen ist es ungewohnt, nicht zielgerichtet zu handeln. Wir wollen Ergebnisse erreichen, Ziellinien \u00fcberqueren, Erinnerungstroph\u00e4en entgegennehmen, vielleicht sogar eine Goldmedaille und ein Zertifikat der vollen Erleuchtung. Ohne das neigen wir dazu, das Interesse zu verlieren und uns etwas anderem zuzuwenden, das uns sofortige und greifbarere Belohnung bietet.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Segen, den wir uns selbst geben k\u00f6nnen, ist das, was die Zen-Leute &#8218;Anf\u00e4ngergeist&#8216; nennen. Es ist der K\u00f6nigsweg zum Sublimen im Alltag. Wenn unsere Erfahrungen in Meditation und Alltag nicht frisch sind, lebendig und staunenswert &#8211; vielleicht gehen wir nicht tief genug beim Abstreifen ausgedienter Gewohnheiten des Geistes. Fahren wir mit Autopilot? Erleben wir unsere Praxis als Routine, sogar als eine l\u00e4stige Pflicht, als etwas, was von unserem wirklichen Leben getrennt ist?<\/p>\n<p>Vielleicht m\u00fcssen wir unser Potential an Neugier, Freude und Erstaunen bewusst erschlie\u00dfen. Das k\u00f6nnen wir tun, indem wir unsere Inspirationsquellen nahe bereithalten; darunter sollten die Natur, die Dichtkunst und unsere Sangha sein. Meditation, und Dharma-Praxis im allgemeinen, sind gemeinschaftliche Unternehmungen. Diese Grundtatsache kann man in unserer individualistischen Kultur leicht aus den Augen verlieren.<\/p>\n<p>Aber mehr als alles m\u00fcssen wir zu dem gro\u00dfen Ganzen zur\u00fcckkehren, das unsere eigene Kultur uns zur Verf\u00fcgung stellt mit ihren Anregungen, dieses eine wilde und kostbare Leben in einem Geist von Dringlichkeit, Intensit\u00e4t und Authentizit\u00e4t, aber auch des Loslassen-K\u00f6nnens, zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00dcbersetzung: Evamaria Glatz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-2583'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-2583-1'> Im Juli 2014 hat Winton, von dem auf unserer Website schon mehrere Texte\u00a0 zu lesen sind, in Sydney, Australien, einen Workshop mit vier Vortr\u00e4gen gehalten. Mit seiner freundlichen Zustimmung\u00a0 ver\u00f6ffentlichen wir sie in deutscher \u00dcbersetzung. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-2'> New York 2014 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-3'> New York, 2014 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-4'> Darauf hat urspr\u00fcnglich der klassische Soziologe Emile Durckheim (1858-1917) hingewiesen, s.: Eagleton, p. 148 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-5'> s.Eagleton, p.122 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-5'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-6'> s. Brian Cummings, &#8218;Introduction&#8216; zu seinem Werk <em>The book of Common prayer: the texts of 1549, 1559 and 1662<\/em>, Oxford 2011; und Daniel Swift,<em> Shakespeares common prayers: the book of common prayer and the Elizabethan age,<\/em> Oxford u. New York 2013 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-6'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-7'> Eagleton, p. 24 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-7'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-8'> Das ist ein Hauptthema von Eagletons Buch <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-8'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-9'> etwa: Lloyd Geering, From the Big Bang to God, Wellington 2013 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-9'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-10'> James Wood paraphrasiert Mann in Watkins, p. 534 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-10'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-11'> Samyutta Nik\u00e3ya 35.23 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-11'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-12'> Watson p.553 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-12'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-13'> s. Watson, p 72 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-13'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-14'> Anguttara Nik\u00e3ya 4, 45 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-14'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-15'> Der wichtige pragmatische Philosoph Richard Rorty hat die Auffassung vertreten, dass hinter dem Tod Gottes mehr die Demokratie stehe als die Wissenschaft: s. Watson&#8217;s Diskussion pp. 512-516 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-15'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-16'> paraphrasiert bei Watson, p. 68 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-16'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-17'> &#8230;Gibt es aber keine andere Welt und keine Frucht, kein Ergebnis guter oder schlechter Taten, so lebe ich eben hier in dieser Welt ein leidloses, gl\u00fcckliches Leben, frei von Hass und \u00dcbelwollen&#8230; (Anguttara Nikaya III. 66) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-17'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-18'> zitiert bei Watson, pp. 229-230; das deutsche Originalzitat konnte ich nicht identifizieren E.G. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-18'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-19'> Watson, s. Vortrag 1, p. 230 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-19'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-20'> Watson, p. 232  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-20'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-21'> zitiert bei Watson, p. 133 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-21'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-22'> Einleitung zu seiner Schrift &#8218;Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie&#8216;, 1843 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-22'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-23'> Watson, p. 337 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-23'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-24'> zitiert in Watson, p.545 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-24'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-25'> Richard Rorty, Essays on Heidegger and others, Cambridge 1991, pp. 153-154 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-25'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-26'> zitiert bei Watson, p. 522-523 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-26'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-27'> zitiert bei Watson, p. 551 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-27'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-28'> &#8218;The everyday sublime&#8216;, Kap. 3 in Manu Brazzano (hrsg.): After mindfulness: new perspectives on psychology and meditation, London 2014; s. auch Stephen Batchelors kommendes Buch: After Buddhism, New Haven and London, 2015 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-28'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-29'> Rorty 1991, p.36 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-29'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-30'> p. 191 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-30'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-31'> s. Batchelor 2014 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-31'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2583-32'> s. Michael Inwood, A Heidegger dictionary, Oxford 1999, p. 117 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2583-32'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung 1 &nbsp; Dieser Workshop schlie\u00dft an einige der wertvollen Ideen an, die Stephen Batchelor k\u00fcrzlich pr\u00e4sentiert hat, teils in seinen Vortr\u00e4gen, teils in den Workshops und Seminaren, die er und Martine Batchelor unter dem Titel &#8222;S\u00e4kularer Buddhismus&#8220; in Australien gehalten haben. Seine Arbeiten haben vor allem zu einem s\u00e4kularen Verst\u00e4ndnis von Buddhas eigenen Lehren &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=2583\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eVier Grenzbereiche f\u00fcr s\u00e4kulare Buddhistinnen und Buddhisten <\/br> &#8211; von Winton Higgins\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":30,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2583"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2583"}],"version-history":[{"count":43,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2583\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3167,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2583\/revisions\/3167"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/30"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}