{"id":231,"date":"2013-01-16T13:02:58","date_gmt":"2013-01-16T12:02:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=231"},"modified":"2014-01-07T11:55:20","modified_gmt":"2014-01-07T10:55:20","slug":"john-peacock-uber-metta-meditation","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=231","title":{"rendered":"\u00dcber Metta-Meditation <br>  von John Peacock"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/index2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1324 alignright\" alt=\"John Peacock\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/index2.jpg\" width=\"129\" height=\"189\" \/><\/a>John Peacock<\/strong> studiert und praktiziert Buddhismus seit fast 40 Jahren. Er wurde urspr\u00fcnglich in der tibetischen Gelugpa-Tradition in Indien ausgebildet, studierte danach Theravada in Sri Lanka. Er unterrichtet Buddhistische Studien an der Universit\u00e4t von Bristol und ist Co-Direktor des \u201eOxford Mindfulness Centre\u201c. Er lehrt Meditation seit \u00fcber 25 Jahren. Der folgende Text findet sich im englischen Original auf YouTube in zwei von mehreren Dharma Talks.<sup class='footnote'><a href='#fn-231-1' id='fnref-231-1' onclick='return fdfootnote_show(231)'>1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Es handelt sich also um urspr\u00fcnglich gesprochenes, nicht geschriebenes Wort; so erkl\u00e4rt sich der Wechsel zwischen Passagen frischer Direktheit und theoretischer \u00dcberlegungen.<\/p>\n<h1>Freundlichkeit als ein Weg zum Erwachen<\/h1>\n<h2>Teil 1<\/h2>\n<p>Wenn man zu den fr\u00fchen Texten zur\u00fcckgeht, findet man oft etwas ganz anderes als in den sp\u00e4teren Traditionen. Das ist manchmal \u00fcberraschend und aufregend. Hier geht es um <i>Metta<\/i>, daneben auch um die anderen Geisteshaltungen der <i>Brahmaviharas<\/i><sup class='footnote'><a href='#fn-231-2' id='fnref-231-2' onclick='return fdfootnote_show(231)'>2<\/a><\/sup>. Beim Blick auf die Texte des Pali-Kanon \u00e4ndert sich das Bild von ihnen. \u201eLiebende G\u00fcte\u201c halte ich f\u00fcr einen ziemlich schlampige \u00dcbersetzung von Metta. Ich meine, die \u00dcbung der Brahmaviharas sind nicht Konzentrations\u00fcbungen, sondern Einsichts\u00fcbungen.<\/p>\n<p>Die <i>Metta Karaniya Sutta<\/i> ist ein sehr alter Text aus dem Pali &#8211; Kanon mit sehr eigener Sichtweise. Buddha sagt darin: es gibt keine bessere Achtsamkeit als diese. Der Weg zu Metta ist der Weg zum Erwachen. Das ist revolution\u00e4r, besonders im Vergleich mit den Traditionen, die \u2013 vor allem Theravada \u2013 die Weisheit (<i>panja<\/i>) in den Vordergrund stellen. Ich verwende das Wort <i>Erwachen<\/i> (engl.: <i>awakening<\/i>) als Alternative zu <i>Erleuchtung<\/i> (engl.: <i>enlightenment<\/i> ). Dieses Wort kam im westlichen Denken im 18. Jahrhundert auf. Buddha sprach nicht dar\u00fcber, sondern \u00fcber Erwachen &#8211; die Alternative zum Schlafwandeln. Er sagt: Wach auf zu den drei Facetten der Existenz: Unbest\u00e4ndigkeit (<i>anicca<\/i>), Schmerz (<i>dukkha<\/i>) und Nicht-Ich (<i>anatta<\/i>). Und das kann Metta bewirken.<\/p>\n<p>Metta bedeutet nicht \u201eLiebende G\u00fcte\u201c , sondern Freundlichkeit, grenzenlose Freundlichkeit gegen\u00fcber allen Dingen. Buddha verlangt von uns nicht, jedermann zu lieben, sondern zu jedermann freundlich und respektvoll zu sein, sich selbst eingeschlossen. Das ist f\u00fcr die meisten Menschen im Westen eine gro\u00dfe Aufgabe, weil wir uns selbst das Leben so schwer machen. Hier ist ein Gegensatz zu asiatischen M\u00f6nchen. Also m\u00fcssen wir einiges an Zeit damit verbringen, Metta uns selbst gegen\u00fcber zu entwickeln. Metta ist die Grundlage dharmischer Einstellung; es ist eine Einstellung von Herz und Geist (<i>jitta<\/i>), eine Basis f\u00fcr Befreiung. Die Traditionen haben Weisheit (<i>panja<\/i>) als Basis f\u00fcr Befreiung bevorzugt und <i>jitta<\/i> in den Hintergrund ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Freundlichkeit allen Dingen gegen\u00fcber ist fundamental. Die urspr\u00fcngliche Bedeutung des Wortes ist: fett werden, anschwellen, auch ausstreuen. Nur aus Selbstrespekt kann Respekt f\u00fcr andere entstehen. Metta ist eine ganz spezielle, heilsame Art, die Welt zu sehen. F\u00fcr die Praxis hei\u00dft das: wenn Metta nicht dabei ist, wird es kalt. Es geht nicht nur darum, was wir sehen, sondern darum, es freundlich anzusehen. Ohne das kommen wir dahin, uns selbst zu gei\u00dfeln. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Praxis sollte sein: Gedanken sind nicht unsere Feinde, sie sollten einfach durch-gehen. Wenn wir sie unterdr\u00fccken, f\u00fcttern wir sie. Besser ist es, freundlich zu dem zu sein, was da ist.<\/p>\n<p>Metta ist <i>bhavana<\/i>, das bedeutet nicht Meditation, sondern: Kultivieren. Wir betreiben Kultivierung; Buddha gebrauchte dieses Wort in der agrarischen Gesellschaft, in der er lehrte. Meditation kann so wirken, als w\u00e4re sie vom Objekt entfernt; Buddha meinte aber etwas Proaktives: Erde aufbereiten. Metta ist Voraussetzung f\u00fcr Gleichmut (<i>upecca<\/i>), was auch als Synonym f\u00fcr <i>nibbana<\/i> gesehen werden kann, daf\u00fcr, im Schmerz und in der Freude die Balance nicht zu verlieren. Das kommt nicht einfach so daher, es muss kultiviert werden. Das schl\u00e4gt Buddha uns vor, diese Emotion zu pflegen, die strahlende, sich ausbreitende Freundlichkeit allen Wesen gegen\u00fcber, uns selbst eingeschlossen.<\/p>\n<p>In den fr\u00fchesten Texten gebraucht der Buddha <i>panja vimutti<\/i> (Befreiung durch Weisheit) und <i>jitta vimutti<\/i> (Befreiung durch Herz und Geist) wie Synonyme. Beide bedeuten Befreiung, und zwar nicht so, dass eine Form der anderen \u00fcberlegen w\u00e4re. In sp\u00e4teren Traditionen bekam <i>panja vimutti<\/i> ein \u00dcbergewicht und war so den M\u00f6nchen und Nonnen vorbehalten und den Laien nicht zug\u00e4nglich. Von Buddha selbst war das nicht so gemeint, es gab f\u00fcr ihn verschiedenen Wege zur Befreiung. Hierarchisierung der Begriffe, etwa durch Buddhaghosa<sup class='footnote'><a href='#fn-231-3' id='fnref-231-3' onclick='return fdfootnote_show(231)'>3<\/a><\/sup>, f\u00fchrte dazu, dass es so schien, als g\u00e4be es nur eine Form von Praxis.<\/p>\n<p><i>Sati<\/i> (Achtsamkeit) ist f\u00fcr den Buddha grenzenlose Freundlichkeit. Die rechte Achtsamkeit wird oft auf einfache Pr\u00e4senz in der Gegenwart reduziert. Das impliziert, dass alles, worauf man blickt, okay w\u00e4re. Aber nichts \u00e4ndert sich, wenn man nur darauf schaut; manchmal muss man handeln. Wir formen unser Leben durch die Art, wie wir unseren Geist gebrauchen. Also: die rechte Achtsamkeit wird zu grenzenloser Freundlichkeit; grenzenlose Freundlichkeit ist die rechte Achtsamkeit, auf diese Weise formen wir unseren Geist. Menschen finden Metta-Praxis schwieriger als etwa Achtsamkeit auf den Atem, weil sie etwas sehr Aktives ist. Man muss sich aktiv engagieren bei dem, was man tut. F\u00fcr Buddha bedeutete rechte Achtsamkeit, die Welt mit grenzenloser Freundlichkeit zu \u00fcberziehen. Da liegt das Motiv daf\u00fcr, jede Handlung achtsam zu tun. Aus der Saat von Achtsamkeit w\u00e4chst Mitgef\u00fchl. Wir werden uns bewusster des Schmerzes, der Verwirrung, der Leiden in der Welt. Wenn wir alles das ohne Freundlichkeit ansehen, kann es \u00fcberw\u00e4ltigend sein. Die Ressource, die uns hilft, Mitgef\u00fchl aufrechtzuerhalten, ist Freundlichkeit. Es ist auch eine Aufhebung des Unterschieds zwischen Denken und Gef\u00fchl. Wir sollten nicht mit dem Kopf f\u00fchlen, sondern mit dem Herzen denken. Metta ist nicht sentimental, was die \u00dcbersetzung \u201eliebende G\u00fcte\u201c eher nahelegt. Metta ist aktive Freundlichkeit. Es bedeutet: wie kommst Du zurecht mit der Person, die dich irritiert? Freundlichkeit l\u00e4sst sich kultivieren.<\/p>\n<p>Metta ist nicht Liebe, und nicht N\u00e4chstenliebe, es ist das Gef\u00fchl, wenn das Bewusstsein von \u201eSelbst\u201c und \u201eder Andere\u201c abgel\u00f6st wird. Metta ist auch die direkte Kenntnis vom Strom des Lebens. Wir leben in einem sich bewegenden Muster gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeiten. Buddha gebraucht hier das Wort <i>anukampa<\/i>, das bedeutet: um jemanden\/etwas zittern. Das ist es, was geschieht wenn das Selbst in den Hintergrund tritt. In pers\u00f6nlichen Beziehungen dominiert oft das Ich. Was man braucht, ist der Mittlere Weg zwischen dem Ich und den anderen. Das kann nur mit Freundlichkeit wachsen, nur das kann uns \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Das Wort <i>karuna<\/i> (Mitgef\u00fchl) hat die buchst\u00e4bliche Bedeutung von handeln, und hier: nach au\u00dfen wenden; sich von der eigenen Selbstbesessenheit trennen. In der Mythologie z\u00f6gert der Buddha nach seinem Erwachen, ob er lehren soll, weil die Lehre schwer zu verstehen sei. Nachdem er gebeten wird, es f\u00fcr die Menschen zu tun, wendet er sich nach au\u00dfen, und er sieht Leid. In dem Moment wird er zu einem voll Erwachten. Diese Bewegung in die Welt hinein bedeutet Mitgef\u00fchl. Es ist nicht ein nettes, warmes Gef\u00fchl, es geht um helfendes Handeln.<\/p>\n<p>\u201eMetta senden\u201c, geht eigentlich nicht, man kann aber den Geist einer bestimmten Richtung zuwenden. Es gibt ja keinen Botschafter, wie Gott o.\u00e4. Im Streben nach Freundlichkeit geht es auch darum, zu den eigenen unfreundlichen Gedanken freundlich zu sein, indem man sie einfach akzeptiert, sie sanft zur Kenntnis nimmt. Meditation wird immer wieder zu einem weiteren Instrument, mit unserem Geist hart umzugehen. Wir sollten uns nicht gei\u00dfeln, wenn der Geist umherschweift. Das geh\u00f6rt zu seinem Wesen. Westliche Leute wollen perfekt sein, und Dinge schnell lernen, und Meditation ist da keine Ausnahme. Perfektionismus hindert uns; der meditative Prozess enth\u00fcllt uns immer wieder unsere Unvollkommenheit. Mit dieser Erkenntnis k\u00f6nnen wir hart oder sanft umgehen. Es gibt keinen Grund, aus seinen Gedanken Feinde zu machen. Sie kommen und gehen einfach.<\/p>\n<p>Der nahe Feind von Metta ist Sentimentalit\u00e4t, sieht \u00e4hnlich aus, ist aber etwas ganz anderes. Im Gegensatz zu Liebe ist Freundlichkeit etwas, was wir tun k\u00f6nnen &#8211; in buddhistischen Texten steht \u201eLiebe\u201c nicht im Vordergrund, was in Pali \u00f6fters vorkommt, ist: \u201eNicht-Hass\u201c, was dann oft als \u201eLiebe\u201c \u00fcbersetzt wird: Der Ausdruck ist aber bewusst gebraucht, um der Sentimentalit\u00e4t zu entgehen.<\/p>\n<h2>Teil 2<\/h2>\n<p>Die \u00dcbung von Metta sich selbst gegen\u00fcber kann 3 Monate dauern, bevor man sich Metta anderen gegen\u00fcber zuwendet. Ich selbst habe ein Jahr lang ge\u00fcbt: Metta f\u00fcr mich selbst \u2013 f\u00fcr Menschen, die mir nahestehen \u2013 f\u00fcr neutrale Personen \u2013 f\u00fcr Menschen, mit denen es Schwierigkeiten gibt; und das ohne jede andere Praxis. Man sollte sich nicht nur auf eine Art von Praxis konzentrieren, und Metta sollte Teil von jeder Praxis sein, implizit oder explizit. Entscheidend ist immer, dass man mit sich selbst freundlich umgeht \u2013 das w\u00e4re Metta in impliziter Form. Es ist manchmal schwierig, Metta f\u00fcr alle Wesen in allen Himmelsrichtungen zu \u00fcben, man kann mit denen, die einem nahestehen beginnen, und z.B. zu allen Menschen in der Gruppe \u00fcbergehen&#8230;Wichtig ist, sich eine Grundlage von Freundlichkeit zu schaffen, bevor man das ausdehnt. Und dann: es soll einfach sein, nicht zu komplex. Wenn man dem Geist zu viel zu denken gibt, wird er von seinen eigenen Gedanken vergiftet.<\/p>\n<p>Metta-Praxis ist die Voraussetzung f\u00fcr das Entstehen von <i>karuna<\/i> (Mitgef\u00fchl), <i>mudita<\/i> (Mitfreude) und <i>upecca<\/i> (Gleichmut). Karuna-Praxis ohne Metta kann dazu f\u00fchren, dass man vom Leid in der Welt \u00fcberw\u00e4ltigt wird. Zur Karuna-Praxis soll Mudita-Praxis kommen, um Balance herzustellen: Mitfreude mit der Freude anderer, aber auch Dankbarkeit f\u00fcr das Gute im eigenen Leben. Ein singhalesisches Sprichwort sagt: das Leben ist ein Spiel von Freude und Schmerz. Um Gleichmut zu erreichen, muss man die beiden ausbalancieren. Metta-Praxis ist eine enorme Ressource f\u00fcr schwierige Zeiten. Meditationspraxis hat ihre H\u00f6hen und Tiefen, wenn man keine Hilfe von au\u00dfen hat, braucht man Hilfe von innen, und das ist die Freundlichkeit, mit der wir Schwierigkeiten begegnen.<\/p>\n<p>Aus dem Boden der Freundlichkeit w\u00e4chst die sch\u00f6ne Blume des Mitgef\u00fchls, befeuchtet von Tr\u00e4nen der Freude, im k\u00fchlen Schatten des Gleichmuts. Dieses Bild macht die gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit der vier Elemente deutlich. Das kann jeder von uns in seiner t\u00e4glichen Erfahrung f\u00f6rdern. Es dauert eine gewisse Zeit, aber es \u00e4ndert deine Beziehung zu dir selbst und zur Welt; wenn du mit all deinen Unvollkommenheiten freundlich umgehen kannst, dann auch mit den Unvollkommenheiten anderer. Buchst\u00e4blich: gehe mit anderen um, wie du mit dir selber umgehst.<\/p>\n<p>In der Praxis warne ich vor st\u00e4ndigen Wiederholungen von Metta-S\u00e4tzen<sup class='footnote'><a href='#fn-231-4' id='fnref-231-4' onclick='return fdfootnote_show(231)'>4<\/a><\/sup>. Man sollte Metta nicht als Konzentrationspraxis, sondern viel mehr als Einsichtspraxis \u00fcben. Es geht nicht um Wiederholungen, anstelle dessen sollte es immer eine Praxis des Zuh\u00f6rens werden. W\u00e4hrend einer Sitzperiode braucht man Metta-S\u00e4tze nur 5 oder 6 mal zu sagen, aber man kann zuh\u00f6ren \u00fcben, seinem Herzen zuh\u00f6ren bei den Metta-S\u00e4tzen. H\u00f6r deinen Reaktionen zu. F\u00fchlst du, was du sagst? Komm in Beziehung mit den S\u00e4tzen, die du sagst. Wirf einen Kieselstein in die Quelle deines Seins und schau, welche Kreise er macht. Dies kann Menschen tief ver\u00e4ndern. H\u00f6r zu, was zwischen, in, hinter den Worten in dir ist. Es gibt da viele verschiedene Weisen zuzuh\u00f6ren, aber immer geht es um Langsamkeit. Ansonsten wird all das zu Konzepten. Es geht aber um Gef\u00fchl. Das ist der Grund der Sache, unabh\u00e4ngig davon, welche S\u00e4tze du gebrauchst. Was entsteht in deinem Geist? Ohne das wird es zur Konzentrationspraxis. Es geht aber darum, Herz und Geist zu ber\u00fchren. Metta ist das schlagende Herz der Praxis. Ohne Metta hat die Praxis kein Herz.<\/p>\n<p>Gute Praxis umfasst Konzentration, Einsicht und Metta, um mit dem Geist respektvoll umzugehen. Konzentrationspraxis ohne Metta f\u00fchrt dazu, den Geist in die Unterwerfung zu pr\u00fcgeln. Man sollte jede Praxis f\u00fcr einen gewissen Zeitraum \u00fcben. Ich selbst \u00fcbe jedes Jahr einen begrenzten Zeitraum Konzentrationspraxis, einige Monate Vipassana-Praxis und drei Monate Metta. Man sollte das tun, um seine Praxis immer wieder zu erneuern. Man sollte aber l\u00e4ngere Zeit bei einer Form der Praxis bleiben, um ihre Fr\u00fcchte sehen zu k\u00f6nnen. Und der Wechsel h\u00e4lt dein Interesse wach. Sonst wird Meditation zur blo\u00dfen Gewohnheit. Von der Meditationspraxis sollte man immer wieder etwas lernen.<\/p>\n<p>Es ist eine gute Art, mit Zweifeln umzugehen. Wir m\u00fcssen Vertrauen entwickeln in das, was wir tun. Wenn wir in schwierigen Zeiten dranbleiben, st\u00e4rkt das unser Vertrauen. Metta-Praxis soll die M\u00f6glichkeit schaffen, dass Gef\u00fchle entstehen. Man beginnt auch die Hindernisse genauer zu sehen. Und daraus wird eine Quelle f\u00fcr Metta, wenn wir freundlich mit ihnen umgehen. Wenn man sich die Metta-S\u00e4tze sagt, f\u00fchlt man sich oft gar nicht danach, besonders, wenn es um Metta f\u00fcr sich selber geht. Viele sagen auch: das bedeutet, sich selbst zu verw\u00f6hnen \u2013 das kommt aus der protestantischen Kultur. Man f\u00fchlt sich leicht unw\u00fcrdig, selbst das Ziel f\u00fcr Freundlichkeit zu sein. Wenn man sich erlaubt, bei dem zu sein, was gerade so kommt, steigen die Chancen f\u00fcr Metta. Es bedeutet, Hartem weich zu begegnen \u2013 so wird es weich. Wasser erweicht Steine. Metta erweicht alle harten Urteile, die wir \u00fcber uns selber haben. Indem sie wahrgenommen werden, weichen sie sich selbst auf. In der Praxis: wir gebrauchen die Metta-S\u00e4tze als Gelegenheiten, zuzuh\u00f6ren. Der Geist schw\u00e4tzt die ganze Zeit \u2013 wir bringen ihn sanft zum Zuh\u00f6ren. Was immer auftaucht, dem wird freundlich begegnet. Das ist Kultivierung. Nach einer Weile entsteht Mitgef\u00fchl, indem man das immer wieder tut, aber nicht obsessiv, sondern durch Verlangsamung. Wir leben unser Leben unglaublich schnell, und jede Praxis, aber besonders Metta, bedeutet Verlangsamung, respektvolle Behandlung, Aufmerksamkeit zuwenden. Verschiedene Formen der Praxis schlie\u00dfen einander nicht aus, sondern erg\u00e4nzen einander.<\/p>\n<p><i>Karuna<\/i> (Mitgef\u00fchl) ist der Impuls zu Sanftheit und Anteilnahme. Mitgef\u00fchl k\u00fcmmert sich. Es geht darum, den Schmerz anderer zu leichter zu machen. Shantideva sagt: Mitgef\u00fchl bedeutet, die Hand instinktiv auszustrecken, um den Dorn im eigenen Fu\u00df herauszuziehen \u2013 genauso handelt Mitgef\u00fchl den Schmerzen anderer gegen\u00fcber. Auch wenn wir nicht wirklich helfen k\u00f6nnen \u2013 es geht um die Tendenz des Geistes, es zu tun. Damit dies geschieht: Metta bedeutet, das Herz schmelzen zu lassen. Metta und Karuna sind nicht zwei verschiedene Dinge. Karuna ist Metta in Aktion. Die grenzenlose Freundlichkeit l\u00e4sst das Herz schmelzen, und daraus entsteht Karuna: Mitgef\u00fchl im Handeln.<\/p>\n<p>Ein Sch\u00fcler, der das in sich vollendet hat, ist im Pali-Kanon beschrieben als: eine Person, die vibriert im Mitgef\u00fchl f\u00fcr das Wohlergehen der Welt. Das k\u00f6nnen wir werden, das ist unsere M\u00f6glichkeit. F\u00fcr mich ist das eine Hauptsache: die Brahmaviharas sind nicht Neben-Praktiken. Sie sind M\u00f6glichkeiten, unser Leben in dieser Welt zur Bl\u00fcte zu bringen. Darin liegt nicht die geringste mystische Dimension. Buddha geht es um menschliches Gedeihen: wie kannst du optimal in dieser Welt mit anderen leben? Nibbana ist keine mystische Erfahrung, es ist die Abwesenheit von Gier, Hass und Verblendung und die Bewegung zu Gleichmut (<i>upecca<\/i>) \u2013 und das ist die Quintessenz der <i>Brahmaviharas<\/i> &#8211; das Ergebnis all der Arbeit mit Metta. Der Pfad des Buddha ist der Pfad menschlicher Bl\u00fcte, nicht von etwas \u00dcbermenschlichem. Das macht Buddha zu einer so machtvollen Person: er ist der Inbegriff menschlichen Gedeihens.<\/p>\n<p><i>Mudita<\/i> kommt von einer Wurzel, die \u201esanft\u201c bedeutet. Sanfte Freude ist vielleicht die genaueste Beschreibung. Es hat auch eine Bedeutung von Weichherzigkeit. Mudita, wurzelnd in Mitgef\u00fchl, bedeutet Anteilnahme und Freude. Ich m\u00f6chte der Freude mehr Raum geben, damit alles nicht zu fromm wird. Ich habe von Tibetern gelernt, dass die Praxis viel Spass macht. Wir vergessen das leicht. Das ist der Punkt, an dem Zweifel aufkommen. Wenn es in deiner Praxis nichts Freudvolles mehr gibt, solltest du sie auffrischen. Wir sollten zur Geltung kommen lassen, was es an freudvollen Aspekten in unserem Leben gibt, und sie feiern. Es gibt eine Menge guter Dinge und eine Menge G\u00fcte in der Welt.<\/p>\n<p><i>Upecca<\/i>, Gleichmut, ist der Gipfel der Praxis. Das gr\u00f6\u00dfte Gl\u00fcck, sagt Buddha mehrmals im Pali-Kanon, ist nichts anderes als Zufriedenheit. Es ist das Fehlen des Getriebenseins durch Habenwollen. Dann entdecken wir Balance und Engagement -in der Mitte sein, im Gleichgewicht sein. Es bedeutet auch, in der Mitte des Lebens sein; <i>Upecca<\/i> findet nicht in einer M\u00f6nchsklause oder auf einem Berggipfel statt. Man kann es erleben in einem durchschnittlichen Alltagsleben. Dort sollten wir es entwickeln. Gleichmut hat mit Disziplin zu tun. Freiheit besteht immer nur innerhalb einer bestimmten Disziplin, und daraus kann Gleichmut entstehen, durch Regeln des Trainings.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">leicht gek\u00fcrzte \u00dcbersetzung von Evamaria Glatz<\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-231'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-231-1'> <a href=\"http:\/\/www.audiodharma.org\/series\/207\/talk\/2603\/\">http:\/\/www.audiodharma.org\/series\/207\/talk\/2603\/<\/a>. John hat der Ver\u00f6ffentlichung einer gek\u00fcrzten \u00dcbersetzung auf unserem Blog zugestimmt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-231-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-231-2'> Die Brahmaviharas, die vier zu kultivierenden Geisteshaltungen buddhistischer Ethik, sind: <i>Metta<\/i> \u2013 Freundlichkeit, <i>Karuna<\/i> \u2013 Mitgef\u00fchl, <i>Mudita<\/i> \u2013 Mitfreude, und <i>Upecca<\/i> \u2013 Gleichmut. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-231-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-231-3'> Buddhaghosa war ein bedeutender Gelehrter und Kommentator des Theravada-Buddhismus. Er lebte im 4. Jahrhundert n. Chr. Sein Hauptwerk, heute ein Standardwerk des Theravada-Buddhismus, ist der <i>Visuddhimagga<\/i>, eine systematische Zusammenfassung der Praxis des urspr\u00fcnglichen Buddhismus, wie sie in verschiedenen Kl\u00f6stern seiner Zeit dokumentiert wurde. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-231-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-231-4'> Damit sind formelhafte S\u00e4tze gemeint wie: M\u00f6ge es mir (bzw. anderen Menschen) wohlergehen! M\u00f6ge ich besch\u00fctzt sein! M\u00f6ge ich in Frieden leben! <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-231-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Peacock studiert und praktiziert Buddhismus seit fast 40 Jahren. Er wurde urspr\u00fcnglich in der tibetischen Gelugpa-Tradition in Indien ausgebildet, studierte danach Theravada in Sri Lanka. Er unterrichtet Buddhistische Studien an der Universit\u00e4t von Bristol und ist Co-Direktor des \u201eOxford Mindfulness Centre\u201c. Er lehrt Meditation seit \u00fcber 25 Jahren. Der folgende Text findet sich im &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=231\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u00dcber Metta-Meditation <br \/>  von John Peacock\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":39,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"page-templates\/full-width.php","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/231"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=231"}],"version-history":[{"count":39,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1913,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/231\/revisions\/1913"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/39"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}