{"id":1579,"date":"2013-09-24T12:21:38","date_gmt":"2013-09-24T10:21:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=1579"},"modified":"2013-09-28T13:29:20","modified_gmt":"2013-09-28T11:29:20","slug":"die-quellen-von-saekularem-buddhismus-von-winton-higgins","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=1579","title":{"rendered":"Die Quellen von s\u00e4kularem Buddhismus <br \/> &#8211; von Winton Higgins"},"content":{"rendered":"<p>Der Ausdruck &#8222;S\u00e4kularer Buddhismus&#8220;, der erst in den letzten Jahren aufgetaucht ist, bezeichnet spontane Entwicklungen der letzten vier Jahrzehnte unter buddhistischen Praxisgruppen und Lehrern im Westen. <sup class='footnote'><a href='#fn-1579-1' id='fnref-1579-1' onclick='return fdfootnote_show(1579)'>1<\/a><\/sup><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/DSC002771.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1590 aligncenter\" alt=\"DSC00277\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/DSC002771.jpg\" width=\"503\" height=\"469\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die meisten Buddhistinnen und Buddhisten in westlichen L\u00e4ndern geh\u00f6ren asiatischen Diaspora-Gemeinden an und bewahren die Praxis ihrer Herkunftsl\u00e4nder. Die gr\u00f6\u00dfenm\u00e4\u00dfig n\u00e4chste Gruppe Praktizierender besteht aus Menschen, die ethnisch dem Westen angeh\u00f6ren und seit langem bestehende asiatische Formen von Praxis gemeinsam mit deren Glauben und Organisationskultur (einschlie\u00dflich diskriminierender Geschlechterverh\u00e4ltnisse, Hierarchien und autorit\u00e4rer Denkweise) angenommen oder nachgebildet haben. Keine dieser Gruppierungen ist s\u00e4kular. Eine dritte Gruppe von Menschen, die im Westen Buddhismus praktizieren, formiert sich gerade. Ihr geh\u00f6ren jene an, die Praxisformen, Gemeinschaft und Gedanken entwickeln wollen, die mit ihrer eigenen Kultur und deren eher fortschrittlichen Werten in Einklang stehen &#8211; beginnend mit gesellschaftlicher Gleichstellung, dem Prinzip der Inklusion und demokratischer Selbstbestimmung. Es ist diese dritte Gruppe, die unter der Bezeichnung &#8222;S\u00e4kularer Buddhismus&#8220; Beachtung findet.<\/p>\n<p>Bei der Absicht, den Dharma in den eigenen kulturellen Begriffen und f\u00fcr die eigene Zeit neu zu formulieren, tut s\u00e4kularer Buddhismus nicht mehr und nicht weniger als das, was fr\u00fchere Wirtsgesellschaften taten, als der Dharma sich von seinem alten Geburtsort in Indien auf andere Gesellschaften ausbreitete. Zum Beispiel: als die Chinesen ihn vor zweitausend Jahren Schritt f\u00fcr Schritt f\u00fcr China adaptierten, machten sie die Praxis nicht nur f\u00fcr sich selbst zug\u00e4nglich, sondern brachten auch verborgene Tiefen im urspr\u00fcnglichen Ausdruck des Dharma zum Vorschein, indem sie sie in Begriffen ihres eigenen reichen kulturellen Erbes herauskristallisierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>S\u00e4kularit\u00e4t und Kultur<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Menschliches Leben, wie wir es kennen, ist abh\u00e4ngig von Kultur. Diese erg\u00e4nzt unsere blo\u00dfe neurobiologische Existenz auf sehr \u00e4hnliche Weise wie Software die ansonsten inaktive Hardware des Computers erg\u00e4nzt und sie erst wirksam macht. Kultur (inklusive der Sprache) erlaubt uns, uns selbst, unsere Lebensbedingungen und unsere unmittelbare Erfahrung zu verstehen. Kulturen (und Software) best\u00e4tigen eine alte buddhistische Einsicht, indem sie &#8211; wie alles andere &#8211; abh\u00e4ngig von Bedingungen entstehen und wieder abgel\u00f6st werden. In ihrem Kern steht S\u00e4kularit\u00e4t zu den kulturellen Besonderheiten von Zeit und Ort und l\u00e4dt uns ein, uns in ihnen zu verankern, wenn wir unser Leben bewusst f\u00fchren, und dabei immer wieder zu der Kernfrage zur\u00fcckkehren, der wir uns alle stellen m\u00fcssen: &#8222;Wie soll ich leben?&#8220;\u00a0S\u00e4kularit\u00e4t konzentriert sich darauf, in diesem Leben &#8211; in dieser Welt, zu dieser Zeit &#8211; gut zu leben, anstatt Erl\u00f6sung in einem anderen Leben und einer anderen Welt zu suchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn Buddhistinnen und Buddhisten im Westen dem chinesischen Beispiel in diesem s\u00e4kularen Geist folgen, erschlie\u00dfen sich ihnen die drei gro\u00dfen Vorl\u00e4ufer moderner westlicher Kulturen: das klassische Erbe (einschlie\u00dflich seiner vor allem praktisch-philosophischen Schulen des Skeptizismus, Stoizismus und Epikureanismus, die auff\u00e4llige \u00dcbereinstimmungen mit dem Dharma zeigen); die j\u00fcdisch-christliche Tradition im Westen; und die eigentliche Kultur der Moderne, in der die Beitr\u00e4ge religi\u00f6ser Doktrin zur lebensnahen Erforschung nat\u00fcrlicher und sozialer Welten und zu unserem inneren Leben an Bedeutung verloren haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>S\u00e4kulare Religion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was Religionen betrifft: S\u00e4kularit\u00e4t hat \u00fcber die letzten sieben Jahrhunderte einen subtilen und tiefgreifenden Trend in der Entwicklung westlicher Religionen in Gang gebracht, der in unserer Gegenwart beschleunigt wurde, wie Charles Taylor in seinem ma\u00dfgeblichen Werk<em> A secular age<\/em> (2007) <em>zeigt.<\/em> Die mittelalterliche Kirche f\u00f6rderte abwechselnd bet\u00f6rende und verschreckende Bilder von Himmel und H\u00f6lle, einem r\u00e4chenden Gott, einem gerissenen Teufel, h\u00fcbschen Engeln und dem h\u00e4sslichen M\u00e4rtyrertod. Ihre Praxis war durchsetzt von Heiligenkult und der Verehrung von Reliquien und Abbildungen. Passend zu diesem Ethos religi\u00f6ser Hysterie erwarteten Folter und spektakul\u00e4rer Tod jedermann, der die Orthodoxie in Frage stellte. Aber wie Taylor zeigt, hat all dies einer n\u00fcchternen Abkehr von &#8222;abergl\u00e4ubischen Br\u00e4uchen&#8220; und von einigen der schlimmsten Aspekte von Dogmatismus Platz gemacht, und zwar noch vor der Reformation, die den Wandel stark beschleunigte; schrittweise \u00d6ffnung zum klassischen Erbe &#8211; und damit zum Humanismus &#8211; und eine gewissen Toleranz f\u00fcr Vielfalt trat ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn wir in unsere eigene Zeit vorspulen, finden wir eine wachsende Anzahl von s\u00e4kularen Christinnen und Christen, einschlie\u00dflich ordinierter Priester und Theologen, die all die \u00fcbernat\u00fcrlichen, nicht l\u00e4nger von der Kultur gest\u00fctzten Glaubensvorstellungen aufgegeben haben, die \u00fcblicherweise mit dem Christentum in Verbindung gebracht werden. Sie sehen ihre Aufgabe darin, wieder zu erfassen, was Jesus tats\u00e4chlich sagte und m\u00f6glicherweise meinte dar\u00fcber, wie man dieses Leben gut leben sollte, und dies in Ausdr\u00fccken zu interpretieren, die unserer eigenen Zeit angemessen sind. Die Bewegung &#8222;Sea of Faith&#8220; in England, Neuseeland und Australien und das in den USA heimische &#8222;Jesus Seminar&#8220; sind Beispiele f\u00fcr diese Entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist nicht \u00fcberraschend, dass s\u00e4kulare Buddhisten sich jetzt in kollegialem \u00f6ffentlichen Dialog mit s\u00e4kularen Christen engagieren (s. z.B.:<a href=\"http:\/\/secularbuddhism.org\/2012\/08\/02\/batchelor-cupitt\/\"> http:\/\/secularbuddhism.org\/2012\/08\/02\/batchelor-cupitt\/<\/a>); diese traten erstmals in den 1950er und 1960er Jahren in Erscheinung. Es gab sie vor uns, wir haben viel von ihnen zu lernen und ihr Einfluss muss als pr\u00e4gend f\u00fcr die Entwicklung von s\u00e4kularem Buddhismus gelten. Ein Punkt klarer \u00dcbereinstimmung ist, dass sowohl der Buddha als auch Jesus in ihren verschiedenen Sprachen eine Lebensform lehrten, die auf Bewusstheit, Integrit\u00e4t, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Mitgef\u00fchl basierte, und dieselbe Metapher daf\u00fcr gebrauchten &#8211; ein <em>Weg<\/em>. Kein Glaubenssystem, keine Identit\u00e4tsabzeichen. Eine Lebensweise oder ein Praxisweg, der sinnvoll ist, muss nicht abgest\u00fctzt werden durch anspruchsvolle Behauptungen \u00fcber Themen jenseits der Welt, die uns \u00fcber die Sinne zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">S\u00e4kularit\u00e4t steht also nicht im Widerspruch zu Religion als solcher &#8211; sie ist eigentlich das Produkt der Entwicklung von Religion im Westen, und das Konzept &#8222;s\u00e4kulare Religion&#8220; wird zunehmend akzeptiert. Aber S\u00e4kularit\u00e4t ist am Tisch <em>institutionalisierter<\/em> Religionen, wie den alten christlichen Konfessionen und den oft noch \u00e4lteren buddhistischen M\u00f6nchsorden (&#8222;Traditionen&#8220;), wenig willkommen. Institutionen als solche tendieren dazu, ihre urspr\u00fcnglichen Absichten zu vergessen im dringlicheren Bed\u00fcrfnis, sich selbst zu verewigen (Verg\u00e4nglichkeit sollte man in der Umgebung des Vatikan nicht erw\u00e4hnen!), zu konsolidieren und ihre eigene Macht auszubauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Typischerweise haben religi\u00f6se institutionelle Eliten diese Ziele in Allianz mit \u00e4hnlich verschanzten weltlichen Eliten verfolgt, f\u00fcr die sie die politische Legitimation &#8211; nicht zuletzt in Kriegszeiten &#8211; geboten haben, sowie sozialen Zusammenschluss rund um elit\u00e4re Moralvorschriften. Mit einem Seitenblick auf Carl von Clausewitz k\u00f6nnte man sagen, institutionalisierte Religion sei, wie der Krieg, &#8222;&#8230;eine blo\u00dfe Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln&#8220;. Von Natur aus widersteht sie Ver\u00e4nderung in allen ihren Formen, und im besonderen verteidigt sie dogmatische Glaubenss\u00e4tze, die eine wesentliche Machtressource sind. Ihre Feindseligkeit gegen\u00fcber einem Vorboten von Ver\u00e4nderung wie S\u00e4kularit\u00e4t &#8211; die per definitionem zeitgen\u00f6ssisch ist &#8211; k\u00f6nnen wir als gegeben annehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die deutschen Wurzeln von s\u00e4kularem Buddhismus<\/strong><\/p>\n<p>Es ist stimmig, dass s\u00e4kularer Buddhismus jetzt in deutschsprachigen L\u00e4ndern auftritt, denn die moderne deutsche Philosophie hat einen wesentlichen Beitrag f\u00fcr ihn geleistet. Diese Geschichte beginnt mit dem ersten Schimmer von s\u00e4kularem Buddhismus im Werk des englisch st\u00e4mmigen Theravada-M\u00f6nchs Nanav\u00eera Thera<em> Clearing the path<\/em> (1965). Der Autor macht in dynamischer Weise Gebrauch von Martin Heideggers Opus magnum: Sein und Zeit (1927), das m\u00f6glicherweise der bedeutendste philosophische Einfluss auf s\u00e4kularen Buddhismus bleibt, sowohl direkt als auch vermittelt durch die Werke von Theologen wie Rudolf Bultmann und John Macquarrie. Heideggers zentrale, ineinander greifende Konzepte von Dasein und In-der-Welt-Sein entwickeln einen dynamischen, kontextualisierten Sinn menschlicher T\u00e4tigkeit, der Buddhas eigene Darstellung der Dynamik von Wahrnehmung und Handlung unterst\u00fctzt. In beiden F\u00e4llen zeigt sich menschliches Wesen mehr ereignishaft als dinghaft, und mehr abh\u00e4ngig von der sich f\u00fcr jedes Individuum ver\u00e4ndernde Umwelt als von seinen angeblich statischen inneren Charakteristika (menschliche Natur), die in einem leeren Raum gedacht werden.<\/p>\n<p>In weiterem Sinne hat Friedrich Nietzsches Revolution gegen die Metaphysik den Boden f\u00fcr s\u00e4kularen Buddhismus bereitet, gemeinsam mit der breiten Gruppierung post-metaphysischer Denker, die in der englisch sprechenden Welt als &#8222;kontinentale Philosophie&#8220; bekannt ist; Vieles davon hat enge Verwandtschaft mit dem Dharma. Auch der Buddha selbst hatte eine deutliche Abneigung gegen\u00fcber Kosmologien und metaphysischem Glauben als F\u00fchrer f\u00fcr unser Leben und unsere Praxis, und dementsprechend entwickelte er einen Weg der Praxis, der in keiner Weise von diesen abhing (Er k\u00f6nnte daher den Anspruch erheben, der erste post-metaphysische Denker der Welt zu sein!). Zum Beispiel bekr\u00e4ftigte er in der <em>Kalama-Sutta <\/em>den Wert der Dharma-Praxis unabh\u00e4ngig davon, ob jemand an Wiedergeburt glaubt oder nicht.<\/p>\n<p>Die gleicherma\u00dfen bedeutende, aber weniger gefeierte deutsche moderne Quelle von s\u00e4kularem Buddhismus ist die Hermeneutik &#8211; die R\u00fcckkehr zur alten Kunst der Interpretation, die die Griechen nach dem G\u00f6tterboten Hermes benannten. Die ma\u00dfgebliche Abstammungslinie geht hier \u00fcber Friedrich Schleiermacher, Wilhelm Dilthey und (sp\u00e4ter und wichtiger) Hans-Georg Gadamer. Was wir von irgendeinem Text verstehen, h\u00e4ngt von der Interpretation ab, die wir ihm geben; das Ergebnis ist eine &#8222;Fusion&#8220; der Worte des Autors und der Aktivit\u00e4t der Leserin bei deren Aufnahme und Verarbeitung. Gadamer vertritt die Auffassung, dass Interpretation immer eine produktive Aktivit\u00e4t ist, die \u00fcblicherweise auch von fr\u00fcheren Interpretationen abh\u00e4ngt. Die Leserin ist somit Ko-Autorin des Textes, und wird ihre eigenen gestaltenden Einfl\u00fcsse und ihren Kontext einbringen, die sich auf die produktive Aktivit\u00e4t, um die es geht, auswirken. Hier haben wir einen Mittleren Weg zwischen dogmatischer Buchstabentreue (der Idee, dass der Text, wie er da steht, zeitlos vollst\u00e4ndig und unver\u00e4nderbar sei) und einem zusammenhanglosen Subjektivismus.<\/p>\n<p>S\u00e4kularer Buddhismus legt gro\u00dfen Wert darauf, zu den fr\u00fchesten Lehren des Buddhismus zur\u00fcckzukehren und sie in diesem hermeneutischen Geist zu interpretieren, um sie in unserer eigenen modernen Welt anzuwenden. Seine Kritiker verurteilen diese produktive Aktivit\u00e4t oft aus der Sicht von Buchstabentreue. Darin liegt Ironie angesichts dessen, dass sie selbst sich \u00fcblicherweise an eine Version des &#8222;unber\u00fchrten Dharma&#8220; halten, die vom Abhidhamma aus dem 3. Jahrhundert v.u.Z. herkommt &#8211; m\u00f6glicherweise der einschneidendsten Neuinterpretation der Lehren des Buddha \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Es gibt hier noch eine umfassendere Sichtweise. <em>Alle <\/em>die unz\u00e4hligen Ausdrucksformen des Buddhismus sind durch Kultur vermittelt (einschlie\u00dflich der Sprache und g\u00e4ngiger vorherrschender Annahmen), inklusive derer von Buddha selbst. Daher gibt es keinen unverf\u00e4lschten Dharma und keinen buddhistischen Goldstandard (wie Bernard Faure in seinem <em>Unmasking Buddhism, <\/em>2009) gezeigt hat, noch mehr als es kein unverf\u00e4lschtes Christentum gibt. Wir m\u00fcssen akzeptieren, dass wir Wesen sind, die sich selbst interpretieren und in einer wechselnd interpretierten Welt leben und m\u00fcssen lernen, mit beidem zu arbeiten. Daher gibt es keine Sicherheit oder festen Grund, von dem aus Gl\u00e4ubige s\u00e4kularen Buddhismus mit einem Bannfluch belegen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Buddhismus und Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert hat der Buddhismus im Westen den schmeichelnden Beinamen &#8222;wissenschaftliche Religion&#8220; erworben inmitten der Kontroverse zwischen Evolutionsbiologie, christlicher Kosmologie, die auf der Genesis basiert, und dem ersten Auftreten der &#8222;Wissenschaft&#8220; der Psychologie. Buddhismus hatte keinen eigenen Sch\u00f6pfungsmythos und keine Kosmologie, die durch die neuen Erkenntnisse bedroht h\u00e4tten werden k\u00f6nnen, und er hatte Interesse am menschlichen Geist entwickelt, sodass es auch hier keinen Konflikt gab. Bis zu diesem Punkt von &#8222;Wissenschaftlichkeit&#8220; ist Buddhismus gekommen: er konnte problemlos mit westlicher Wissenschaft koexistieren, w\u00e4hrend die abrahamitischen Religionen das nicht konnten, und das Etikett &#8222;Wissenschaft&#8220; hat zu einem netten Verkaufsargument unter den westlichen Experten beigetragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einer weit verbreiteten Wahrnehmung entsprechend, verdankt der heutige s\u00e4kulare Buddhismus der Wissenschaft eine ganze Menge, oder vielleicht dem Szientismus im Sinn einer messianischen Subkultur rund um Wissenschaft und ihre ber\u00fchmten Repr\u00e4sentanten, wie etwa die &#8222;neuen Atheisten&#8220; und einige Autoren neurowissenschaftlicher Arbeiten. Ungeachtet dieser Wahrnehmung ist schwer einzusehen, wie s\u00e4kularer Buddhismus aus diesen Quellen mehr Substanz erhalten h\u00e4tte als der Buddhismus als ganzer aus den Naturwissenschaften w\u00e4hrend der letzten 150 Jahre. Wegen seiner post-metaphysischen Tendenzen hat er kein Interesse an der &#8222;Gottesfrage&#8220;. Und die heutige Flut neuer Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft besch\u00e4ftigt sich kaum mit den Fragen, wie ich leben sollte und wie ich den Dharma als reflektierende (sich selbst-interpretierende) Disziplin am besten praktizieren sollte. Damit wird nicht geleugnet, dass diese Erkenntnisse anderswo sinnvolle Anwendungen finden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Zum Abschluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">S\u00e4kularer Buddhismus ist keine &#8222;Schule&#8220; des Buddhismus: er hat keine Orthodoxie, keinen separierten Kanon und keine institutionelle Pr\u00e4senz. Der gr\u00f6\u00dfte Teil seiner Sympathisantinnen und Sympathisanten beteiligt sich an Laien-Gemeinschaften<em> (sanghas) <\/em>mit Dharma-Freundinnen und -Freunden anderer buddhistischer Richtungen oder ohne eigene Ausrichtung. S\u00e4kularer Buddhismus steht vielmehr f\u00fcr eine Entwicklungsrichtung, die typisch buddhistisch ist in ihrem aufgeschlossenen Skeptizismus und ihrem Verlangen danach, den Dharma so effektiv wie m\u00f6glich sprechen zu lassen, das hei\u00dft in Ausdr\u00fccken, die kulturell verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00dcbersetzung: Evamaria Glatz<\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-1579'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-1579-1'> Dieser Text wird hier zum ersten Mal ver\u00f6ffentlicht, wof\u00fcr wir dem Autor herzlich danken. Der Artikel wurde urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Zeitschrift &#8222;Buddhismus aktuell&#8220; verfasst; unmittelbar vor dem Ver\u00f6ffentlichungstermin wurden von der Redaktion umfassende \u00c4nderungen gew\u00fcnscht, die eine rechtzeitige Fertigstellung unm\u00f6glich machten. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1579-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ausdruck &#8222;S\u00e4kularer Buddhismus&#8220;, der erst in den letzten Jahren aufgetaucht ist, bezeichnet spontane Entwicklungen der letzten vier Jahrzehnte unter buddhistischen Praxisgruppen und Lehrern im Westen. 1 Die meisten Buddhistinnen und Buddhisten in westlichen L\u00e4ndern geh\u00f6ren asiatischen Diaspora-Gemeinden an und bewahren die Praxis ihrer Herkunftsl\u00e4nder. Die gr\u00f6\u00dfenm\u00e4\u00dfig n\u00e4chste Gruppe Praktizierender besteht aus Menschen, die ethnisch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=1579\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Quellen von s\u00e4kularem Buddhismus <br \/> &#8211; von Winton Higgins\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":30,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1579"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1579"}],"version-history":[{"count":19,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1579\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1605,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1579\/revisions\/1605"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/30"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}