{"id":1183,"date":"2013-07-09T10:58:05","date_gmt":"2013-07-09T08:58:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=1183"},"modified":"2013-07-29T10:09:12","modified_gmt":"2013-07-29T08:09:12","slug":"wie-man-sterben-kann","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=1183","title":{"rendered":"Wie man sterben kann"},"content":{"rendered":"<p>Als wir im Fr\u00fchjahr 2012 nach dem Seminar von Martine und Stephen Batchelor im \u00f6sterreichischen Scheibbs beschlossen, eine deutschsprachige Website \u00fcber saekularen Buddhismus ins Leben zu rufen, waren wir f\u00fcnf. Vier von uns haben sich hier vorgestellt; die f\u00fcnfte, Herta, die mir mehr als 30 Jahre lang eine Herzensfreundin war, konnte nicht mehr aktiv mitarbeiten, sie ist im vergangenen Herbst gestorben. Auch in ihren letzten Wochen waren wir einander nahe; ich m\u00f6chte ein wenig\u00a0erz\u00e4hlen, wie sie in dieser Zeit\u00a0 gelebt hat.<\/p>\n<p>Sie litt an Brustkrebs in einer sehr aggressiven Form, der dreieinhalb Jahre vorher ausgebrochen war. Sie hatte sich der Krankheit gef\u00fcgt und gleichzeitig alles ausgesch\u00f6pft, was ihr an schul- und alternativmedizinischen Ma\u00dfnahmen zug\u00e4nglich war. Ihren 60. Geburtstag &#8211; ein Jahr vor ihrem Tod &#8211; hat sie gemeinsam mit ihren vielen G\u00e4sten zu einem Freudenfest gestaltet.<br \/>\nIm Sommer 2012 traten Metastasen im R\u00fcckenmark auf, Herta konnte nur mehr mit M\u00fche gehen, sie wurde bald pflegebed\u00fcrftig. Die letzten zehn Wochen ihres Lebens verbrachte sie im Krankenhaus und\u00a0 in einem Sanatorium; dort habe ich jede Woche einen Tag mit ihr verbracht.<\/p>\n<p>Sie f\u00fchrte ein gutes, freundliches Leben. Sie telefonierte, freute sich sehr \u00fcber Besuche und hatte einen Kalender daf\u00fcr, wen aus Familie und Freundeskreis sie zu welchem Zeitpunkt begr\u00fc\u00dfen konnte und wollte. Sie legte Wert auf ihr \u00c4u\u00dferes, auf gemeinsame Mahlzeiten, und sie gestaltete ihr Umfeld im Krankenzimmer mit Blumen, Fotos und den vielen kleinen Geschenken, die sie bekam. Musik h\u00f6ren wollte sie nicht; da hatte sie wohl Angst, die Fassung, die sie aufrecht hielt, zu verlieren. \u00c4rzte und Pflegepersonal mochten sie sehr und taten f\u00fcr sie, was sie konnten; viel Aufmerksamkeit war der medikament\u00f6sen Einstellung gewidmet worden, sodass sie keine Schmerzen hatte. Als sie nicht mehr gehen konnte, liebte sie kleine Ausfl\u00fcge im Rollstuhl in den Garten. Sie schlief viel, las ein wenig und genoss es, mit ihren T\u00f6chtern Karten zu spielen. Sie interessierte sich wie vorher f\u00fcr die Themen, die ihre Freundinnen bewegten, sie dachte \u00fcber unsere Arbeit an der Website nach und hatte auch noch kleine Hinweise zu deren Aufbau f\u00fcr uns. Sie gab uns Besucherinnen und Besuchern das Gef\u00fchl, Zeit zu haben, und sie klagte nie. Sie verhielt sich, als w\u00e4re ihr Zustand nichts Besonderes.<\/p>\n<p>Einiges hat sehr geholfen: Familienangeh\u00f6rige und Freunde haben sie mit viel W\u00e4rme und Umsicht begleitet. Sie wurde von sehr guten \u00c4rztinnen, \u00c4rzten und Pflegepersonen betreut, zu denen sie in den letzten Wochen noch vertrauensvolle Beziehungen entwickeln konnte &#8211; sie hat sich gut aufgehoben gef\u00fchlt. Ihre Krankheit hat sich so rapide entwickelt, dass niemand sie noch\u00a0 mit &#8222;heroischen&#8220; Therapien behelligt hat, dabei war ihr Geist fast bis zum Ende klar. Bei alldem, nicht zu untersch\u00e4tzen:\u00a0 es gab keine finanziellen Einschr\u00e4nkungen, und die kompetente Unterst\u00fctzung von Fachleuten in ihrem Freundeskreis erleichterte Vieles.<\/p>\n<p>Auf meine Frage, warum sie so gut mit ihrer Lage umgehen k\u00f6nne, antwortete sie, das h\u00e4tte wohl mit ihrer Pers\u00f6nlichkeit zu tun, auch damit, dass sie sich seit dem Ausbruch der Krankheit intensiv mit deren m\u00f6glichen Folgen besch\u00e4ftigt h\u00e4tte, und mit ihrer jahrelangen Meditationspraxis. Einmal sagte sie mir, sie h\u00e4tte ein gutes Leben gehabt. Sie wusste ohne Zweifel, dass ihr der Tod nahe bevorstand, aber sie sprach dar\u00fcber nicht. Ich habe das anfangs nicht verstanden, sp\u00e4ter dachte ich mir, sie wollte dem Ende nicht Raum geben, bevor es da war. Sie lebte. Als sie schlie\u00dflich immer weniger selbst tun konnte und bewegungsunf\u00e4hig wurde, hat sie sich nicht gewehrt, sondern einfach losgelassen. In den letzten Tagen sagte sie ein paar mal, sie wolle jetzt heimgehen.<\/p>\n<p>Als sie starb, waren eine Pflegerin und ein Pfleger bei ihr. Beide erz\u00e4hlten, dass Herta in den letzten Stunden heiter gewirkt habe, kurz vor ihrem Tod h\u00e4tte sie sich aufgerichtet, ihr Gesicht habe gestrahlt, als ob sie in ein helles Licht schauen w\u00fcrde. Als ich wenige Minuten sp\u00e4ter kam, lag sie l\u00e4chelnd da, ihre H\u00e4nde waren noch warm.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Evamaria<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wir im Fr\u00fchjahr 2012 nach dem Seminar von Martine und Stephen Batchelor im \u00f6sterreichischen Scheibbs beschlossen, eine deutschsprachige Website \u00fcber saekularen Buddhismus ins Leben zu rufen, waren wir f\u00fcnf. 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