{"id":1022,"date":"2013-05-23T17:35:02","date_gmt":"2013-05-23T15:35:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=1022"},"modified":"2013-07-29T10:06:11","modified_gmt":"2013-07-29T08:06:11","slug":"aus-der-menschlichen-bedingtheit-das-beste-machen-von-winton-higgins","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=1022","title":{"rendered":"Aus der menschlichen Bedingtheit das Beste machen <br\/> &#8211; von Winton Higgins"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Apr13_SecularReligion2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1030 alignright\" alt=\"Apr13_SecularReligion2\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Apr13_SecularReligion2.jpg\" width=\"130\" height=\"181\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Australier <strong>Winton Higgins<\/strong> ist Autor und Sozialwissenschaftler; er leitet seit vielen Jahren buddhistische Seminare und Meditationsretreats in der Tradition des Vipassana. Sein besonderes Interesse gilt der Ann\u00e4herung von Dharma-Praxis einerseits und Werten des Westens wie Demokratie, Feminismus und kritischer Forschung andererseits. Sein Denken ist dem von Stephen Batchelor verwandt. Im Feber 2013 hielt er ein Workshop unter dem Titel &#8222;Making the most of the human condition&#8220; in Wellington, Neuseeland. Mit seiner Zustimmung bringen wir hier eine \u00fcbersetzte Fassung dieser vier Vortr\u00e4ge.<\/p>\n<h2><strong>Vortrag 1: Am Anfang war die menschliche Bedingtheit: Buddhas neuer Weg, damit zu arbeiten<\/strong><\/h2>\n<p>Dieser Workshop ist\u00a0 als s\u00e4kular buddhistisch ausgewiesen. S\u00e4kularer Buddhismus<em> <\/em>ist eine neue Bezeichnung f\u00fcr eine Bewegung vor allem im englischsprachigen Teil der westlichen Welt. Aber die kulturellen Auspr\u00e4gungen der Ideen, Methoden und Organisationsformen von asiatischem Buddhismus, die heute von dieser Bezeichnung abgedeckt werden, haben sich zwei Dekaden lang spontan und ohne eigene Bezeichnung angesammelt. S\u00e4kularer Buddhismus ist nicht eine Schule des Buddhismus: er h\u00e4lt sich an keine Orthodoxie und ist schon jetzt eine recht vielf\u00e4ltige Bewegung. Er ist nicht an der Entwicklung einer neuen Sekte interessiert, sondern daran, tiefe, stimmige Dharma-Praxis in\u00a0Reichweite unserer westlichen Kultur zu bringen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">S\u00e4kularit\u00e4t:<\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr den Anfang m\u00fcssen wir kl\u00e4ren, was S\u00e4kularit\u00e4t bedeutet. Im allt\u00e4glichen Sprachgebrauch sind &#8217;s\u00e4kular&#8216; und &#8218;religi\u00f6s&#8216; entgegengesetzte Begriffe. Es gibt zweifellos eine gewisse Spannung zwischen dem, was wir als s\u00e4kular und als religi\u00f6s verstehen, aber f\u00fcr die Zwecke dieses Workshops bitte ich einfach darum, die Aussage, S\u00e4kularit\u00e4t w\u00e4re einfach die Negation von Religion, mit einem Fragezeichen zu versehen.<\/p>\n<p>Der Etymologie k\u00f6nnen wir hilfreichere Bedeutungen entnehmen: Das Wort kommt von <em>saeculum<\/em>, was im Lateinischen urspr\u00fcnglich eine menschliche Lebensspanne und (sp\u00e4ter) ein Zeitalter oder auch Jahrhundert bedeutete, wie im Franz\u00f6sischen siecle. F\u00fcrs erste zieht also S\u00e4kularit\u00e4t unsere Aufmerksamkeit auf die besonderen historisch-kulturellen Zusammenh\u00e4nge und Gegebenheiten als notwendiger Hintergrund zum Verst\u00e4ndnis der \u00c4u\u00dferungen jeder historischen Person. Und wie wir irgendeine auf uns gekommene Zusammenstellung von Methoden und Ideen anwenden, h\u00e4ngt gleicherma\u00dfen von unserer Sensibilit\u00e4t\u00a0 unseren eigenen spezifischen historisch-kulturellen Umst\u00e4nden gegen\u00fcber ab.<\/p>\n<p>Aus diesem Blickwinkel zeigt sich eine zweite Bedeutung von S\u00e4kularit\u00e4t: wenn alle wichtigen \u00c4u\u00dferungen sich auf einzelne Themen in besonderem Kontext beziehen, dann k\u00f6nnen sie nicht wie zeitlose Wahrheiten behandelt werden, die so, wie sie sind, jederzeit und \u00fcberall akzeptiert und angewendet werden m\u00fcssen. Wer sp\u00e4ter kommt, muss sie adaptieren und anpassen. Hier stellen wir die wesentliche Spannung zwischen S\u00e4kularit\u00e4t und vielen Ausdrucksformen von Religion fest: religi\u00f6se Menschen gehen mit den Lehrmeinungen ihrer Gr\u00fcnder wie mit zeitlosen Wahrheiten um, die in allen Situationen unbesehen akzeptiert und angewendet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann dieser oder jener Anh\u00e4nger einer Religion ganz unbewusst (und in manchen F\u00e4llen bewusst) &#8218;originalen&#8216; Lehren einen Impuls durch Interpretation geben, um seine eigene Ideologie und\/oder institutionelle Macht abzust\u00fctzen. Wir alle sind vertraut mit einer Form dieses Syndroms: Fundamentalismus.<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen besch\u00e4ftigen sich s\u00e4kulare Buddhisten mit den fr\u00fchesten Aufzeichnungen von Buddhas eigenen Lehren, dem Pali-Kanon, als ihrem Ausgangspunkt. Dabei gibt es zwei unmittelbare Probleme:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Buddha sprach nicht Pali, teilweise, weil es eine artifizielle Sprache ist, die zu dieser Zeit noch nicht erfunden war, das hei\u00dft, wir befassen uns nicht mit der originalen Ausdrucksweise, sondern eher mit einer \u00dcbersetzung. Und wie <em>alle <\/em>solche alten Lehren, sind sie nun durch viele H\u00e4nde gegangen, die Flecken und Fingerabdr\u00fccke auf dem Text hinterlassen haben, oft durchaus im eigenen Interesse oder unbewusst mit Vorurteilen behaftet; und<\/li>\n<li>nachfolgende Schulen haben die Texte interpretiert und kommentiert, um ihnen eine Richtung zu geben, die den eigenen Interessen diente. Wir m\u00fcssen die Tradition der Kommentare beiseite legen, wenn wir ein Gef\u00fchl f\u00fcr Buddhas eigene Lehre bekommen wollen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Also: wir werden niemals wissen, was der Buddha &#8218;wirklich sagte&#8216;, noch weniger, was er &#8218;wirklich meinte&#8216;. Aber frisches Studium der fraglichen Texte kann uns eine plausible Vorstellung geben, was er h\u00f6chstwahrscheinlich meinte, und auf dieser Basis k\u00f6nnen wir<em> in produktiver Weise<\/em> die Lehren interpretieren und sie f\u00fcr unsere eigenen Bed\u00fcrfnisse und Umst\u00e4nde adaptieren.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Erste Unterweisung: die menschliche Bedingheit &#8211; der Tiger, auf dem zu reiten wir lernen m\u00fcssen<\/span><\/p>\n<p>Wer eine Einf\u00fchrung in den Buddhismus absolviert hat, wird zu wissen meinen, dass die Tradition auf den sogenannten vier Edlen Wahrheiten basiert, die der Buddha in seiner allerersten Unterweisung verk\u00fcndet haben soll:<\/p>\n<p>1. Leben ist Leiden<br \/>\n2. Begehren ist die Ursache des Leidens<br \/>\n3. das Ende des Leidens ist erreichbar<br \/>\n4. der Edle achtfache Pfad ist der Weg, Leiden zu beenden<\/p>\n<p>Das sieht nach einem schlechten Start aus. Der Pali-Text, der auf uns gekommen ist, sagt nichts Derartiges. Es zeigt sich gerade, dass der urspr\u00fcngliche Pali-Text vielmehr nicht einmal den Ausdruck &#8222;Edle Wahrheiten&#8220; <em>(ariya saccani) <\/em>enth\u00e4lt<em>, <\/em>ganz zu schweigen von irgendeinem Versuch einer offenbarenden Aussage, die Wahrheit beansprucht. In Stephen Batchelor&#8217;s Artikel &#8218;A Secular Buddhism&#8216;, ver\u00f6ffentlicht im <em>&#8218;Journal of Global Buddhism&#8216; <\/em>wird das n\u00e4her diskutiert.<\/p>\n<p>So gut wir es zur Zeit wissen k\u00f6nnen, ist im Folgenden skizziert, was geschah und was gesagt wurde, dargelegt in <em>Mahavagga<\/em> 1, 16-28. Ich folge hier durchgehend Stephen Batchelors \u00dcbersetzung. Nach seiner gro\u00dfen Erfahrung des Erwachens ist sich der Buddha &#8211; wie er sich nun nennt &#8211; nicht sicher, ob er das, was er gelernt hat, anderen vermitteln kann. Aber aus Mitgef\u00fchl entscheidet er sich, es auf jeden Fall auszuprobieren. Er w\u00e4hlt eine Zuh\u00f6rerschaft aus f\u00fcnf seiner fr\u00fcheren Gef\u00e4hrten aus der Zeit, als er einen Weg verfolgte, von dem er sich sp\u00e4ter lossagte, n\u00e4mlich Asketentum (Selbstkasteiung). Anfangs str\u00e4uben sie sich gegen das, was er sagt, was ihn zweifellos zu gr\u00f6\u00dferem Einsatz zwingt und zum Experimentieren, wie er seine neuen Einsichten im Rahmen menschlicher Bedingtheit ausdr\u00fccken kann.<\/p>\n<p>Zuerst sagt er ihnen, dass er einen Weg der Praxis gefunden habe &#8211; einen &#8218;mittleren Weg&#8216; &#8211; zwischen zwei Sackgassen: <em>Sucht<\/em> nach sinnlichem Vergn\u00fcgen, und <em>Sucht<\/em> nach Selbstbestrafung. Wir k\u00f6nnen sie mit den Etiketten Hedonismus und Asketentum versehen. Beide sind w\u00fcrdelos und nicht erf\u00fcllend, sagt der Buddha. Hedonismus &#8211; die offenbar popul\u00e4rere Sackgasse &#8211; ist auch &#8217;niedrig&#8216; und &#8218;provinziell&#8216;; w\u00e4hrend Asketentum ebenfalls eine schlechte Idee ist, weil es &#8217;schmerzvoll&#8216; ist. Da es Sackgassen sind, f\u00fchrt keiner der beiden Wege irgendwohin, beides sind Zust\u00e4nde der Blockade. Im Gegensatz dazu f\u00fchrt der &#8218;mittlere Weg&#8216; &#8211; bestehend aus authentischer (oder &#8218;rechter&#8216; oder &#8218;ganzer&#8216;) Erkenntnis, Gesinnung, Reden, Handeln, Lebenswandel, Streben, Achtsamkeit und Sammlung &#8211; zu Beruhigung, Klarheit, Erwachen und dem Nachlassen von Schmerz.<\/p>\n<p>Dann kommt der Buddha zum Kernst\u00fcck seiner ersten Unterweisung: vier Hauptthemen muss ein Mensch, der den Mittleren Weg spirituell praktiziert, erkennen, als durchf\u00fchrbar anerkennen und voll ausloten:<\/p>\n<p>1. Was er <strong><em>Dukkha<\/em><\/strong> (Schmerz) nennt (ein entscheidender Ausdruck des Dharma). \u00dcblicherweise zieht dieser Ausdruck im Englischen eine Anzahl von \u00c4quivalenten an: Unbefriedigtsein, Leiden, Stress, Not, Schmerz usw. &#8211; auf einer Skala vom Katastrophalen zum blo\u00df Irritierenden. Aber der Buddha hat sogar beschrieben, was Dukkha umfasst, und das ist eine interessante Liste: Geburt, Alter, Krankheit, Tod; umzugehen mit Menschen und Dingen, die wir nicht m\u00f6gen, getrennt zu sein von Menschen und Dingen, die wir sch\u00e4tzen, nicht zu bekommen, was wir uns w\u00fcnschen, und unsere allgemeine psycho-physische Verwundbarkeit. (Wir wollen im Vor\u00fcbergehen zur Kenntnis nehmen: niemand von uns kann irgendetwas auf dieser Liste vermeiden. Diese Elemente machen die unausweichliche Kehrseite menschlicher Bedingtheit aus. In der westlichen Philosophie werden diese Aspekte menschlicher Bedingtheit kurz zu <em>Zeit<\/em>, <em>Schicksal<\/em> und <em>Tod<\/em> zusammengefasst. Wir rufen sie nicht durch Begehren hervor; sie sind\u00a0 endemisch im menschlichen Leben als solchem). Der Buddha sagt, wir m\u00fcssen so weit kommen, Dukkha ganz zu erfahren.<\/p>\n<p>2. <strong>Entstehung<\/strong> (<em>samudaya<\/em>), im besonderen die Entstehung von <em>Begehren<\/em>. Der Buddha charakterisiert Begehren als &#8217;sich laufend zu wiederholen, in Abh\u00e4ngigkeit und Gier zu schwelgen, zwanghaft dem oder jenem zu fr\u00f6nen: nach Anreizen, nach Existenz (in besonderen Zust\u00e4nden) und nach Nicht-Existenz&#8216;. Impliziert ist, dass wir ins Begehren verfallen, um der menschlichen Bedingtheit zu entgehen, anstelle sie anzunehmen. Anstatt <span style=\"color: #333333;\">die<\/span> Situation, in der wir uns befinden, anzunehmen, greifen wir nach einer anderen. Die unbeabsichtigte Konsequenz des Begehrens ist, dass wir so unseren<span style=\"color: #333333;\"> Schmerz, der zum Menschenwesen geh\u00f6rt, noch <\/span>steigern. Die Anweisung des Buddha ist hier: lass das Begehren los.<\/p>\n<p>3.<strong> Beenden<\/strong> (<em>nirodha<\/em>): das spurlose Verschwinden und Aufh\u00f6ren dieses Begehrens, das Loslassen und Aufgeben, Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit davon. (Diese Erfahrung hat einen Namen &#8211; <em>nirvana<\/em> ([<em>nibbana<\/em> in Pali].) Erfahre dieses Loslassen, sagt der Buddha.<\/p>\n<p>4.<strong> Der Pfad <\/strong>(<em>magga<\/em>) mit seinen acht Teilen, wie oben beschrieben, n\u00e4mlich der &#8218;Mittlere Weg&#8216;. Pflege diesen Pfad, lehrt uns der Buddha.<\/p>\n<p>Das ist das Kernst\u00fcck von Buddhas Unterweisung, die Grundlage dessen, worauf er w\u00e4hrend der n\u00e4chsten 45 Jahre seiner Laufbahn als Lehrer weiter aufbaute. Wir m\u00fcssen mit diesen vier Brennpunkten arbeiten, indem wir sie in jedem Fall (a) erkennen, (b) die M\u00f6glichkeit sehen, uns ihnen zu stellen und (c) sie voll ausleben bzw. kultivieren. Drei Aspekte der vier Brennpunkte (oder &#8218;Aufgaben&#8216;) ergeben zw\u00f6lf Aspekte insgesamt.<\/p>\n<p>Der Buddha f\u00e4hrt fort, indem er sagt, bis er sich &#8218;ganz klar wurde \u00fcber die zw\u00f6lf Aspekte der Vier, nahm er nicht in Anspruch, er h\u00e4tte ein unvergleichliches Erwachen erlebt&#8216;. Vielleicht war seine Formulierung dieser Unterweisung &#8211; um sein widerspenstiges Publikum bei dieser Gelegenheit zu \u00fcberzeugen &#8211; die kr\u00f6nende Vollendung seiner eigenen spirituellen Reise. Vorl\u00e4ufig sagt er von sich, &#8218;&#8230;sein Geist ist unbeirrbar. Es wird keine wiederkehrende Existenz geben.&#8216;<\/p>\n<p>Seine Worte kommen in Herz und Geist seiner f\u00fcnf Zuh\u00f6rer an. Sie verstehen es, sie sind bekehrt. Ihr F\u00fchrer, Kondanna, fasst das Gelernte in vier Worten zusammen: &#8218;Was immer entsteht, vergeht&#8216;. Das Ergebnis der Unterweisung hat \u00fcberhaupt nichts mit Wahrheitsanspr\u00fcchen zu tun. Es hat damit zu tun, wie wir unsere Wahl treffen als menschliche Wesen in dieser Welt: damit umgehen oder sich dr\u00fccken.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Abschluss:<\/span><\/p>\n<p>Hier ist ein Buddha, der nicht Offenbarungen anbietet, die wir nicht aus eigener Erfahrung herausfinden k\u00f6nnten. Wir k\u00f6nnen zu arbeiten beginnen, ohne dass wir uns zuvor einem metaphysischen Glaubensanspruch anschlie\u00dfen m\u00fcssten. Buddha sagt uns nicht, dass wir leiden, weil wir begehren, sondern weil das zum Menschenleben dazugeh\u00f6rt &#8211; wie auch die Freude, und die M\u00f6glichkeit des Erwachens. Das ist der Tiger, den zu reiten wir lernen m\u00fcssen. Uns statt dessen nach einer Stra\u00dfenbahnfahrt zu sehnen, w\u00fcrde unser Unbehagen nur vergr\u00f6\u00dfern. Und Buddha bietet nicht an, uns von unserem Mensch-Sein zu befreien, von unserem In-der-Welt-Sein, indem er uns in ein himmlisches Reich ohne Leiden versetzt; anstelle dessen bietet er uns Hilfe an, das Beste aus dieser Welt und diesem verletzlichen, menschlichen K\u00f6rper und Geist zu machen, indem wir bei dem bleiben, was wirklich ist. Was immer beginnt, endet auch, wie wir wissen. Was sollen wir aus diesem Buddha ohne magische Tricks machen, gepr\u00e4gt wie wir sind durch unsere Kultur von Skeptizismus, Evolutionsbiologie, Big-Bang-Kosmologie usw.? Vielleicht ist das ein Buddha, auf den wir uns beziehen k\u00f6nnen. <strong> <\/strong><sup class='footnote'><a href='#fn-1022-1' id='fnref-1022-1' onclick='return fdfootnote_show(1022)'>1<\/a><\/sup>.<\/p>\n<h2><strong>Vortrag 2: Die Praxis auf der Basis ihrer ersten Prinzipien neu gestalten<\/strong><\/h2>\n<p>Die vier Aufgaben und der achtfache Pfad (die vierte der Aufgaben) sind das Kernst\u00fcck von Buddhas Lehre. Sie bilden eine Feedback-Schleife. Die acht Zweige des Pfades werden zur besseren \u00dcbersicht traditionellerweise in drei Gruppen geordnet (&#8222;die drei gro\u00dfen \u00dcbungen&#8220;): Weisheit (Erkenntnis und Gesinnung), Ethik (Rede, Handeln und Lebenswandel), und Meditation (Streben, Achtsamkeit und Sammlung). Wie k\u00f6nnen wir sie heute adaptieren und gebrauchen? Wir wollen historisch an die Frage herangehen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Gemeinschaft und Ethik in der Fr\u00fchzeit der Tradition<\/span><\/p>\n<p>Buddha starb etwa 400 v.u.Z. im Alter von 80 Jahren. Er hatte 45 Jahre lang gelehrt und hatte viele Nachfolger, M\u00e4nner und Frauen, W<span style=\"color: #333333;\">andernde <\/span>und Sesshafte, aus allen Gesellschaftsschichten. Er war geboren und aufgewachsen in der kleinen oligarchischen Republik der Sakyans, und bei der Leitung seiner zahlreichen kleinen wandernden Anh\u00e4ngergruppen folgte er republikanischen Prinzipien. Das bedeutet, alle Mitglieder waren voll beteiligt in unabh\u00e4ngigen, idealerweise harmonischen Gemeinschaften &#8211; &#8218;flache Organisationen&#8216; w\u00fcrden wir sie in heutiger Managementsprache nennen. Sie hatten keinen Bedarf an Chefall\u00fcren. Sie besa\u00dfen nichts und waren f\u00fcr Schutz und Lebensunterhalt auf den guten Willen von Kurzzeit-Monarchen und einfachen Leuten angewiesen. Abgesehen davon waren sie ziemlich <span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #333333;\">undiszipliniert, besonders was die Neigung Buddhas <\/span><\/span><span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #333333;\">betraf,<\/span><\/span><span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #333333;\"> das <\/span><\/span><span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #333333;\">herrschende <\/span><\/span><span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #333333;\">S<\/span><\/span><span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #333333;\">ystem<\/span><\/span><span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #333333;\">\u00a0 der Kasten und der Geschlechterdiskriminierung zu missachten. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #333333;\">Im Lauf der Zeit musste der Buddha sich mit den \u00fcblichen Schwierigkeiten gemeinschaftlichen Lebens auseinandersetzen. Von Fall zu Fall entwickelte er Regeln f\u00fcr seine Wandergemeinschaften, um deren Leben harmonisch und einfach zu gestalten, Regeln, die in den <em>Vinayas <\/em>zusammengefasst wurden. F\u00fcr die Allgemeinheit seiner Nachfolger fasste er seine ethische Einstellung in f\u00fcnf Regeln zusammen, die &#8211; positiv formuliert &#8211; die Werte allgemeiner Freundlichkeit, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, Zufriedenheit, Ehrlichkeit und geistiger Klarheit ausdr\u00fccken. Man beachte, dass das tats\u00e4chlich eine Ethik war &#8211; eine Erkl\u00e4rung fundamentaler Werte &#8211; im Gegensatz zu einer Morallehre, also einem Regelwerk. Eine Ethik fordert unsere Selbstverantwortung, Intelligenz und Sensibilit\u00e4t, das hei\u00dft, sie \u00fcberl\u00e4sst es uns, die Verantwortung f\u00fcr moralisches Handeln zu \u00fcbernehmen. Wir k\u00f6nnen nicht moralisch handeln, indem wir einfach Regeln befolgen. Was ethisches Handeln von uns verlangt, wird je nach unserem sozio-\u00f6konomischen, politischen und kulturellen Kontext variieren.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p>Au\u00dfer w\u00e4hrend der Regenzeiten war der Buddha immer unterwegs, besuchte diese Gemeinschaften, beantwortete ihre Fragen und k\u00fcmmerte sich um ihre internen Probleme. Dieses Muster passte zu seiner Lehrpraxis: am Rande einer Stadt aufzutauchen, sich von wandernden Anh\u00e4ngern und Stadtbewohnern Fragen und Problemstellungen aus dem realen Leben zurufen zu lassen und spontan darauf zu antworten. Er erkl\u00e4rte die Grundz\u00fcge von Meditation recht detailliert, reduzierte sie aber niemals auf technische Anweisungen. Er hielt keine geplanten Reden, keine festgesetzten Vortr\u00e4ge, sondern einfach spontane, sehr situationsabh\u00e4ngige Ansprachen. Diese Gespr\u00e4che waren offen und frei heraus auf beiden Seiten. Niemand lernte durch ehrerbietige Unterw\u00fcrfigkeit. So sehen die <em>Suttas<\/em> aus, die auf uns gekommen sind, die Diskurse des Buddha im Pali-Kanon.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Erfordernisse von Institutionen haben die Einstellung zur Meditation gepr\u00e4gt<\/span><\/p>\n<p>In den Jahrhunderten nach Buddhas Tod hat all das sich allerdings ge\u00e4ndert. Buddhismus wurde als Religion organisiert und geriet in Fallen wie andere Religionen. Aus halbwilden Asketen wurden M\u00f6nche, deren Leben in gro\u00dfen reglementierten Einheiten mit strukturierten Hierarchien organisiert war. Die spontanen Lehrreden des Buddha wurden als orthodoxe \u00dcbersetzungen und Kommentare kodifiziert. Unzufrieden mit der einmaligen, aus dem Zusammenhang zu verstehenden Natur der <em>Suttas <\/em>entschieden sich wackere Seelen daf\u00fcr, diese in etwas zu destillieren, was sie mit bemerkenswerter Hybris &#8218;die h\u00f6here Lehre&#8216; nannten, den bruchlosen <em>Abidhamma. <\/em>Er war voll von metaphysischen Wahrheitsanspr\u00fcchen und wurde unter anderem die Basis der methodisch anspruchsvollen <em>Vipassana-<\/em>Meditation, die sich vor allem in burmesischen und thail\u00e4ndischen Kl\u00f6stern entwickelte. (Zusammen mit Zen hat diese Form der Meditation im sp\u00e4ten 20. Jahrhundert unter westlichen Anh\u00e4ngern Bedeutung erlangt).<\/p>\n<p>Bei der Einsch\u00e4tzung dieser Entwicklung und ihrer Ansto\u00dfeffekte in der heutigen buddhistischen Welt werden die weitreichenden Folgen von <em>Institutionalisierung<\/em> oft \u00fcbersehen. Macht wird unvermeidlich zum Hauptthema, sowohl extern als als auch intern. Besonders in vormodernen Zeiten haben in gro\u00dfem Stil organisierte Religionen aller Linien enorme soziale und kulturelle Macht ausge\u00fcbt, und die Vertreter ihrer Hierarchien neigten dazu, sich mit anderen Machthabern ins Bett zu legen &#8211; weltlichen Herrschern und Angeh\u00f6rigen sozio-\u00f6konomischer Eliten. Sie legitimierten sie und f\u00f6rderten soziale Integration auf der Basis der konservativen patriarchalen Werte dieser Eliten, einschlie\u00dflich der Unterordnung und Marginalisierung der Frauen.<\/p>\n<p>Um ihre externe und interne Macht aufrecht zu erhalten, mussten die W\u00fcrdentr\u00e4ger buddhistischer Kl\u00f6ster einen disziplinierten Kader untergeordneter M\u00f6nche heranziehen. Durchsetzung von Klosterregeln und eine besondere Einstellung zur Lehre von Meditation dienten diesem Zweck. Die Notwendigkeit, Autorit\u00e4t auszu\u00fcben und einen Kader zu trainieren, anstelle individuelle spirituelle Suche zu unterst\u00fctzen, \u00e4nderte die Art, in der Meditation gelehrt wurde, von Grund auf. Sie wurde in hohem Ma\u00dfe technisch, <em>formelhaft<\/em>, aufbauend auf der Metaphysik des <em>Abidhamma<\/em>. Z\u00f6libat\u00e4re M\u00e4nner, die reglementiert und institutionalisiert lebten, wurden in standardisierten Meditationstechniken gedrillt, die standardisierte Erfahrungen hervorbringen sollten. (Erfahrungen, die nicht dem Standard entsprachen, wurden nicht als Meditation angesehen und missbilligt).<\/p>\n<p>Die standardisierten Erfahrungen wiederum, dem Lehrer geb\u00fchrend &#8218;berichtet&#8216;, konnten an vorgeschriebenen Fixpunkten best\u00e4tigt werden, um einen Prozess geordneten Fortschritts &#8217;spiritueller Leistungen&#8216; zu erm\u00f6glichen. Spirituelle Entwicklung verkam zu \u00dcbereinstimmung mit den Vorgaben.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Nicht-formelhafte Meditation wiederfinden<\/span><\/p>\n<p>Wenn wir uns die Darstellung der wichtigsten Unterweisung der Buddha selbst \u00fcber Meditation ansehen, die <em>Satipatthana Sutta<\/em> (&#8218;Der Diskurs \u00fcber die vier Grundlagen der Achtsamkeit&#8216;), finden wir &#8211; nicht \u00fcberraschend &#8211; solche Vorstellungen nicht. \u00dcbereinstimmend mit dem Blickwinkel der vier Aufgaben auf die menschliche Bedingtheit ist das Leitmotiv von Buddhas Unterweisung menschliche Erfahrung in all ihrer Vielfalt und Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>Meditation dient dazu, unsere Sinne zu sch\u00e4rfen, unsere individuelle, direkte Erfahrung des In-der-Welt-Seins tiefer zu erforschen, dadurch deren Dynamik von Ursache und Wirkung verstehen zu lernen, sie schrittweise anzunehmen und gewandter damit umzugehen. Wie wir sicherlich alle gemerkt haben, ist der Ablauf menschlicher Erfahrung komplex und vielschichtig.<\/p>\n<p>Um nicht den Faden zu verlieren w\u00e4hrend wir uns all diese Komplexit\u00e4t bewusst machen: Buddha l\u00e4dt uns ein, unsere direkte Erfahrung in vier Bereichen zu ber\u00fccksichtigen: grob gesprochen sind das der k\u00f6rperliche, der Bereich der Gef\u00fchlst\u00f6nung, der emotionale und der kognitive. Wenn unsere Aufmerksamkeit dazu neigt, sich auf einen dieser Bereiche einzuengen, gibt es die Anleitung, auch herauszufinden, was in den anderen drei vorgeht, sodass wir vollst\u00e4ndiger in unsere Erfahrung eindringen und das ganze Muster sehen.<\/p>\n<p>Formelhafte Zug\u00e4nge zu Meditation, die von uns verlangen, gro\u00dfen Teilen unserer Erfahrung als &#8218;Nicht-Meditation&#8216; auszuweichen, sind falsche Freunde.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Abschluss<\/span><\/p>\n<p>Lasst uns zu den drei gro\u00dfen \u00dcbungen zur\u00fcckkehren. Wozu fordern sie uns heute auf, uns relativ gut situierte, gebildete Individuen, B\u00fcrger einer stabilen, wohlhabenden Demokratie, die wir also im Vergleich mit den meisten anderen Menschen h\u00f6chst untypisch privilegiert leben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/1_winton_workshop.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1033 aligncenter\" alt=\"1_winton_workshop\" src=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/1_winton_workshop-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/1_winton_workshop-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/1_winton_workshop.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<h2><strong>Vortrag 3: Tradition und Kultur<\/strong><\/h2>\n<p>Bevor s\u00e4kular buddhistische Praxis und Gruppen in westlichen L\u00e4ndern auftauchten, hegten Menschen im Westen zwei Grundvorstellungen \u00fcber das Wesen des Buddhismus:<\/p>\n<p>1. Buddhismus war <em>exotisch: <\/em>fremde Rituale und mystische Glaubensvorstellungen wie Wiedergeburt; Tempel und vergoldete Buddha-Statuen in Thailand und anderswo; der gelegentliche fl\u00fcchtige Blick auf Menschen in den Stra\u00dfen mit geschorenen K\u00f6pfen und in T\u00fccher geh\u00fcllt; schicke, aber r\u00e4tselhafte Schnipsel von Zen-Weisheit, mit entsprechenden B\u00fcchern wie <em>Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten; <\/em>ein kichernder, aber tiefsinniger Dalai Lama, der farbenfrohe Roben und einen Sonnenschild zur Schau stellte und f\u00fcr Momente auf der Fernsehschirm auftauchte.<br \/>\n2. Eine Fundgrube wunderbar effektiver Meditationstechniken &#8211; der westlichen Tradition unbekannt, geschmiedet in Jahrhunderten asiatischen Klosterlebens &#8211; mit denen man sein Elend lindern und seine pers\u00f6nlichen Probleme l\u00f6sen konnte.<\/p>\n<p>Beide Vorstellungen waren kraftvoll, pr\u00e4sentabel und vermarktbar. Also boomte Buddhismus im Westen.<\/p>\n<p>Jetzt kommt der s\u00e4kulare Buddhismus an als eine Art ungeladener Gast bei der Hochzeit von Buddhismus und westlicher Gesellschaft. Ungeladene G\u00e4ste k\u00f6nnen sich recht oft\u00a0 schlecht benehmen, ohne das wirklich zu beabsichtigen. Dieser ist ein wenig kritisch gegen\u00fcber Exotischem, er hat Edward Said \u00fcber &#8218;Orientalismus&#8216; gelesen, und Marina Warner \u00fcber &#8218;Stranger Magic&#8216;. Und da er keine eigenen vermarktbaren Angebote hat, m\u00f6chte er die Angebote anderer Leute aufmachen und deren Inhalte eingehend untersuchen. Positiver formuliert, er m\u00f6chte die lebende Tradition des Buddha ehren, indem er sie an die westliche Kultur anpasst, anstatt sie einfach zu \u00fcbernehmen &#8211; zu dem Zweck, ihre Zug\u00e4nglichkeit und Anwendbarkeit im Westen betr\u00e4chtlich zu steigern. Auf diese Weise akzentuiert der s\u00e4kulare Buddhismus die Wichtigkeit von Tradition und Kultur.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Tradition:<\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr seine Kritiker ist s\u00e4kularer Buddhismus die Antithese zu &#8218;traditionellem&#8216; Buddhismus: er gibt Glaubensinhalte auf, die Viele f\u00fcr wesentlich im Buddhismus halten (wie Wiedergeburt); er r\u00e4umt auf mit Kl\u00f6stern, Roben und Ritualen und wendet sich von Meditationsformen ab, die mit ihnen verbunden sind. Den Vorwurf beantwortend, s\u00e4kularer Buddhismus untergrabe den &#8218;wahren&#8216; Buddhismus, m\u00f6chte ich eine Unterscheidung einf\u00fchren &#8211; die ich von Alasdair MacIntyre&#8217;s Buch &#8218;After Virtue&#8216; bezogen habe &#8211; zwischen <em>lebenden<\/em> und <em>toten<\/em> Traditionen.<\/p>\n<p>Jede Praxis, die diesen Namen verdient, ist getragen und durchdrungen von ihrer Tradition, sei sie lebendig oder tot. Aber eine <em>lebendige Tradition<\/em> ist ein fortdauernder Austausch (der sich manchmal zu hitzigen Debatten steigert) von Generation zu Generation, und wird so laufend angepasst und vertieft. Jene, die diesen Austausch f\u00fchren, wissen, was die urspr\u00fcnglichen Fragen des Gr\u00fcnders waren, und wie die Fragen und Antworten seitdem \u00fcberarbeitet worden sind. Dieser Sinn f\u00fcr Geschichte in lebender Tradition stattet jede Generation mit Vorgaben aus, innerhalb derer sie diese aktualisieren k\u00f6nnen. &#8218;Um einen Zukunft zu haben, muss man zuerst eine Vergangenheit haben&#8216;, wie die alte Redensart sagt. Im Gegensatz dazu ist eine <em>tote<\/em> Tradition eine, in der die Praktizierenden dieses unerl\u00e4ssliche historische Wissen verloren haben und dadurch darauf reduziert sind, ihre Rituale und Sicherheiten mechanisch zu wiederholen und sie so zu reproduzieren, wie sie sind, genauso, wie sie sie \u00fcbernommen haben.<\/p>\n<p>Die meisten Ausdrucksformen von s\u00e4kularem Buddhismus sind in hohem Ma\u00dfe traditionalistisch im Sinn einer lebenden Tradition. Im gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Ausma\u00df wollen wir damit beginnen, zum Urgestein des Dharma zur\u00fcckzugehen, wie es zu Lebzeiten Buddhas war. Welche Fragen hat er gestellt? Warum hat er sie so formuliert, wie er es getan hat? Was waren die Gr\u00fcnde f\u00fcr seine Unterweisungen mit den Ausdr\u00fccken, die er benutzte? Welche Praxis und welche Formen von Zusammenschluss hat er gef\u00f6rdert? Dar\u00fcber hinaus haben wir das Bed\u00fcrfnis zu erfahren, warum sich die Tradition nach seinem Tod in einer so vielf\u00e4ltigen Weise entwickelte. Welchen Einfluss hatte das M\u00f6nchswesen &#8211; mit seinen politischen und institutionellen Erfordernissen &#8211; auf die Entwicklung der Tradition? Und angesichts der Unm\u00f6glichkeit, buddhistische Praxis im Westen durch m\u00f6nchisches Leben weithin zu verbreiten, wie sollte sich die Praxis von Laien entwickeln? Welche Grundlagen sollten f\u00fcr ihre Gemeinschaften angewendet werden?<\/p>\n<p>Auf seiner wesentlichsten Ebene strebt s\u00e4kularer Buddhismus danach, den Dharma der westlichen Kultur anzupassen und ihm zu erm\u00f6glichen, tiefe Wurzeln in die Erde westlicher Kultur zu senken. Dieses Projekt ist nicht \u00fcberraschender als derselbe Prozess vor langer Zeit in den Kulturen von China, Korea, Tibet oder Thailand &#8211; und vielen anderen. Um mit gro\u00dfer Tiefe in jeder neuen Gastgesellschaft praktiziert zu werden, muss er (der Dharma)\u00a0 sich in Begriffen der Kultur derjenigen ausdr\u00fccken, die ihn neu praktizieren. Die westliche Kultur hat einen schlechten Ruf durch die Arroganz der Kolonisatoren, aber in diesem Fall haben westliche Praktizierende bisher eher zur\u00fcckhaltend und bescheiden Praxis-Traditionen \u00fcbernommen, die nicht ihrer Kultur angepasst waren, wie etwa tibetische, burmesische, japanische und thail\u00e4ndische.<\/p>\n<p>Nach meinem Verst\u00e4ndnis erzeugt dieses Muster Widerspr\u00fcche in unserem Inneren. Die meisten von uns gehen von einem grundlegenden westlichen Wirklichkeitskonstrukt aus, dessen Hauptzutaten eine Kosmologie der Big-Bang-Theorie, Evolutionsbiologie und neuere wissenschaftliche Erkenntnisse aller m\u00f6glichen F\u00e4cher von Neurowissenschaften bis Medizin sind. Die meisten von uns sind also skeptisch gegen\u00fcber Jungfrauengeburt, der Auferstehung von den Toten, Geistern, Engeln und einem pers\u00f6nlichen Gott. Diese Art magischen Denkens meiden wir. Und dennoch: wenn wir die meisten asiatischen Formen von Buddhismus annehmen, wie durch Karma verursachte Wiedergeburt, das Reich der H\u00f6lle usw., bewegen wir uns automatisch auf diesem Gebiet, zumindest als Arbeitshypothesen. Manchmal unternehmen wir es, in Pali, Sanskrit, Japanisch oder Tibetisch zu rezitieren, obwohl wir uns verabschieden w\u00fcrden, wenn jemand vorschl\u00fcge, an einer lateinischen Messe teilzunehmen.<\/p>\n<p>Auf der gesellschaftlichen Ebene ist es nicht besser. Vor allem wir Kinder der gro\u00dfen n\u00f6rdlichen, s\u00fcdlichen und westlichen Inseln Ozeaniens sind B\u00fcrger der der beiden \u00e4ltesten existierenden Demokratien der Welt. Soziale Ehrerbietung ist unseren Kulturen fremd. Wenn wir uns daf\u00fcr entscheiden, uns einer Vereinigung mit Menschen gleicher Vorlieben anzuschlie\u00dfen oder eine zu gr\u00fcnden &#8211; Kricket, Netzball, Briefmarkensammeln, Sturz des Kapitalismus oder was auch immer &#8211; nehmen wir an, dass wir als aktive Mitglieder das gleiche Mitsprache &#8211; und Stimmrecht wie alle unsere KollegInnen haben werden. Freiheit im Sinn von Selbstbestimmung st\u00e4rkt unser Selbstgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Aber wenn wir uns einer typischen buddhistischen Einrichtung anschlie\u00dfen, wird Ehrerbietung von uns erwartet &#8211; erst einmal den M\u00f6nchen (meistens in v\u00f6lliger oder fast v\u00f6lliger Abwesenheit von Nonnen) und den m\u00e4nnlichen W\u00fcrdentr\u00e4gern gegen\u00fcber. Im schlimmsten Fall werden wir angewiesen, niemals einen Lehrer in Frage zu stellen. Im gr\u00f6\u00dften Teil der buddhistischen Welt leitet Autorit\u00e4t sich nicht von Souver\u00e4nit\u00e4t der einfachen Mitglieder ab sondern beruht eher auf der \u00dcbertragung charismatischer Autorit\u00e4t vom Himmel her. Wie sollen wir all das glauben ohne unser b\u00fcrgerliches Verst\u00e4ndnis von uns selbst zu gef\u00e4hrden, einschlie\u00dflich so grundlegender moralischer Verpflichtungen wie Geschlechtergleichheit und Integration?<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist da noch die kulturelle Frage: die Unvereinbarkeit von Frauen und M\u00e4nnern in komplexen Lebenssituationen mit Studien, Jobs, Liebhabern, Ehepartnern, Kindern, Hunden, Hypotheken usw. &#8211; von denen erwartet wird, intensiv Meditationsformen zu \u00fcben, die entwickelt wurden, um z\u00f6libat\u00e4re M\u00e4nner in streng gef\u00fchrten totalen Institutionen zu drillen. Wir m\u00fcssen keine lange Meditationspraxis haben, um zu realisieren, dass unsere aktuelle Meditationspraxis unser t\u00e4gliches Leben spiegelt. Daher sollten wir einen Zugang zur Meditation suchen, der mit unserer Lebensform zusammenpasst und nicht voraussetzt, dass eine drastisch vereinfachte, z\u00f6libat\u00e4re Lebensform einen viel besseren Ausgangspunkt f\u00fcr spirituelle Praxis bieten w\u00fcrde.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Abschluss:<\/span><\/p>\n<p>Von dem Zeitpunkt an, zu dem wir als kleine Kinder Sprache erwerben, kodiert Sprache &#8211; eine kulturelle Errungenschaft &#8211; unsere Wahrnehmung und den Rest unserer emotionalen und kognitiven Verarbeitungsprozesse. Unsere gesamte Erfahrung ist durch Sprache vermittelt. Diese Einsicht k\u00f6nnen wir\u00a0 auf die zentrale Bedeutung von Sprache f\u00fcr andere Aspekte von Kultur ausweiten. Kultur ist f\u00fcr unsere biologische Existenz das, was das Betriebssystem f\u00fcr unsere Computerhardware ist. Ohne das Betriebssystem geht nichts; und wir k\u00f6nnten nicht beginnen, ein menschliches Leben zu f\u00fchren ohne unsere allgegenw\u00e4rtige Kultur.<\/p>\n<p>Und Kulturen sind spezifisch, eine jede \u00fcblicherweise mit ihrer eigenen Sprache (oder zumindest ihrem Dialekt), Konventionen, Sitten, Ritualen, stillschweigenden \u00dcbereink\u00fcnften, Lebensformen, Vorgangsweisen usw. Das sind die Aspekte von Kultur, die wir nutzen um uns selbst zu verstehen, mit anderen zu kommunizieren, Vertrauen aufzubauen und unsere komplizierten Gesellschaften zu koordinieren.<\/p>\n<p>Die meisten von uns beginnen mit der Dharma-Praxis mit dem Anliegen, sie werde unsere Lebensweise in dieser Welt tief durchdringen. Damit dies geschieht, muss der Dharma unsere Sprache sprechen und kulturangepasste Praxisformen annehmen, die stimmig sind, sodass wir sie zu den unseren machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><strong>Vortrag 4: Frag nicht, ob es stimmt &#8211; frag eher, ob es gelingt<\/strong><\/h2>\n<p>Beginnen wir mit einer der grundlegenden Einsichten Friedrich Nietzsches: menschliche Handlungen, Ideen und Wahrheitsanspr\u00fcche dr\u00fccken einfach Bed\u00fcrfnisse und Interessen der individuellen oder kollektiven Autoren aus. Nehmen wir eine \u00c4u\u00dferung wie: &#8222;Es gibt einen allm\u00e4chtigen Gott, und er hat mir die Verantwortung f\u00fcr dich \u00fcbertragen; wenn du meinen Regeln nicht gehorchst oder dem widersprichst, was ich dir sage, wird er dich ewig in der H\u00f6lle brennen lassen.&#8220; Es gab einmal eine Zeit im Westen und im Mittleren Osten, zu der dieser Satz verbreitet war und gewirkt hat.<\/p>\n<p>Teilweise dank Nietzsches Einfluss wirkt er aber nicht mehr gut. Wir brauchen uns nicht mehr mit der Frage herumzuschlagen, ob es wirklich einen allm\u00e4chtigen Gott gibt, ob er oder sie der Macht-Figur, die zu uns spricht, wirklich Autorit\u00e4t \u00fcbertragen hat, und ob es irgendwo eine H\u00f6lle gibt, die die Unbotm\u00e4\u00dfigen aufnehmen soll. Wir k\u00f6nnen feststellen, dass der Macht-Figur die Mittel fehlen, uns auf ihren Weg zu zwingen, und dass sie uns statt dessen zu betr\u00fcgen versucht.<\/p>\n<p>Unser Sinn f\u00fcr N\u00fctzlichkeit beim Verfolgen unserer Bed\u00fcrfnisse und Interessen erkl\u00e4rt vielleicht, warum wir Zweibeiner uns in der Evolution als so erfolgreich erwiesen haben. Zumindest bisher.<\/p>\n<p>Die Geburt des Dharma folgte derselben Logik von Bed\u00fcrfnissen und Interessen. Im 5. Jahrhundert vor Christus war die landwirtschaftliche Revolution in der Ganges-Ebene voll im Gang und regte Handel und st\u00e4dtisches Leben an. Wohlhabende St\u00e4dter wie der junge Siddattha Gotama &#8211; und seine ersten Sch\u00fcler, als er sp\u00e4ter seine Laufbahn als Lehrer begann &#8211; f\u00fchrten ein aufgeschlossenes Leben und genossen Wahlm\u00f6glichkeiten (die Freiheit zu intellektueller Nachforschung eingeschlossen), die der \u00fcberwiegenden Mehrheit, die noch im l\u00e4ndlichen Leben feststeckten, unbekannt waren. Sie erwarteten, dass ihre Vorteile ihnen ihr Leben lang Gl\u00fcck bescheren w\u00fcrden, aber anstelle dessen machten sie dennoch Erfahrungen von Krankheit, Verlust, Alter, Tod und all dem. Warum war das Leben auch f\u00fcr sie von Natur aus so entt\u00e4uschend und unbefriedigend? Sie waren besessen von dieser fundamentalen existentiellen Frage. Da trat der neue Buddha auf mit seiner Lehre des mIttleren Weges und der vier gro\u00dfen Aufgaben als Antwort auf ihre Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p>Der Buddha ging das Problem auf strikt pragmatische Weise an, ohne dass er aus seiner Lehre eine kosmische Geschichte gemacht h\u00e4tte.Tats\u00e4chlich hat er immer wieder gesagt, dass die Zuflucht zu kosmischen Fragen und Geschichten ein betr\u00e4chtliches Hindernis dabei darstelle, sich der menschlichen Bedingtheit auf sinnvolle Weise zu stellen. Wie es Nietzsche viel sp\u00e4ter tat, wandte er allen metaphysischen Spekulationen und Wahrheitsanspr\u00fcchen den R\u00fccken zu. Wie Nietzsche geh\u00f6rt er wirklich unter die heutigen nach-metaphysischen Denker, obwohl er seit 2500 Jahren tot ist. Er konzentriert sich darauf, wie wir direkt<em> in die Erfahrung von Menschsein hinein k<\/em>ommen k\u00f6nnen. Beide rieten davon ab, Geschichten und Theorien \u00fcber die menschliche Bedingtheit zu erfinden im Versuch, sie &#8218;objektiv&#8216; zu verstehen, als ob wir klarer sehen w\u00fcrden, wenn wir uns von unserem Dilemma distanzierten und einen Standpunkt einn\u00e4hmen wie &#8218;den Blick von Nirgendwo&#8216; oder &#8218;den Blick des Auge Gottes&#8216;.<\/p>\n<p>Beim Fernsehen oder beim Besuch von Flughafen-Buchhandlungen l\u00e4sst sich feststellen, dass die &#8218;Blick von Nirgendwo&#8216;-Truppe weiterhin stark besch\u00e4ftigt ist, ihre einander widersprechenden Wahrheitsanspr\u00fcche zu diskutieren. Diese Leute reduzieren Religionen, Spiritualit\u00e4ten, Philosophien und Wissenschaften auf ihre Lehrs\u00e4tze &#8211; ihre Wahrheitsanspr\u00fcche &#8211; und streiten wie im W\u00fcrfelspiel, wessen Geschichte die &#8218;richtige&#8216; ist, das hei\u00dft, die einleuchtendsten Wahrheitsanspr\u00fcche hat. Dabei gehen sie am Kern der Sache v\u00f6llig vorbei: alle diese Denkschulen sind Produkte des menschlichen Geistes, entwickelt, um menschliche Bed\u00fcrfnisse und Interessen zu erf\u00fcllen, genauso, wie es Buddhas erste Unterweisung offenkundig tat. Die wirklichen Themen der Debatte sollten sein: wessen und welche Bed\u00fcrfnisse werden bedient, und wie effektiv? Wir wollen also Buddhas Rat folgen und uns nicht ablenken lassen in metaphysische Anspr\u00fcche und Behauptungen.<\/p>\n<p>Nach dem, was wir heute \u00fcber die Geschichte und Vielfalt von Religionen, Spiritualit\u00e4ten usw. wissen &#8211; lauter <em>soziale Aktivit\u00e4ten<\/em> &#8211; haben sie einer Menge von praktischen Zwecken gedient, wie: Gruppenzusammenhalt zu st\u00e4rken, gemeinschaftsbildende moralische Regeln und Rituale bereitzustellen, Zeremonien\u00a0 f\u00fcr jahreszeitliche und pers\u00f6nliche \u00dcbergangssituationen und einschneidende Ereignisse im Leben zu entwickeln; gemeinschaftliche Erinnerung zu bewahren; als Plattform f\u00fcr k\u00fcnstlerisches Handeln zu dienen; eine Sprache f\u00fcr existentiellen Trost und Reflexion zu bieten; und Arbeitshypothesen zur Befriedigung der unerbittlichen menschlichen Neugier. Religionen unterscheiden sich also nicht von anderen menschlichen Errungenschaften, wie Pfl\u00fcgen und Bauwerken. Wie Wittgenstein feststellte: Menschen sind &#8218;zeremonielle Tiere&#8216;, und diese Eigenschaft scheint einen evolution\u00e4ren Faktor zu bilden. Die F\u00e4higkeit dieser sozialen Praktiken, ihre Zwecke zu erf\u00fcllen, h\u00e4ngt nicht davon ab, ob ihre Mythen buchst\u00e4blich &#8218;wahr&#8216; sind, und nicht einmal davon, dass sie geglaubt werden.<\/p>\n<p>Also: welchen Nutzen hat achtsamkeitsbasierte buddhistische Meditation, und welche Vorgangsweise schl\u00e4gt sie vor, um ihren Zweck zu erreichen? Es \u00fcberrascht nicht, dass wir die Antwort aus der ersten Unterweisung des Buddha beziehen k\u00f6nnen. Meditation h\u00e4lt unsere Aufmerksamkeit bei der feinen Faser unserer Erfahrung, nicht zuletzt k\u00f6rperlicher Erfahrung, und sie f\u00fchrt uns auf diese Weise dazu, ganz zu verstehen und anzunehmen was es bedeutet, ein verletzliches, sterbliches, aber bewusstes Wesen zu sein. Was es bedeutet, in dieser Gestalt, auf diese Weise in der Welt zu sein. Sich abzufinden mit unserer aktuellen Verfassung und nicht in Fantasien \u00fcber andere Lebensbedingungen zu fl\u00fcchten, als die, mit denen wir tats\u00e4chlich konfrontiert sind. Das bedeutet es, uns in unserem wirklichen Leben zu verankern, ohne Gier. Es ist die erste der vier gro\u00dfen Aufgaben des Buddha.<\/p>\n<p>Die Vorgangsweise k\u00f6nnen wir klar pr\u00e4sentiert in der<em> Satipatthana sutta <\/em>finden, auch an vielen anderen Orten im Kanon. Im Grunde geht es darum, sich der Gesamtheit unserer Erfahrung zu \u00f6ffnen, w\u00e4hrend sie sich in all ihrer Frische und Komplexit\u00e4t entfaltet, zu Bewusstheit (<em>sati<\/em>) und mit der Zeit zu Verst\u00e4ndnis zu kommen (<em>sati-sampajana<\/em>). Es geht <em>nicht<\/em> darum, f\u00fcr eine kaderartige Rolle in einer reglementierten Gemeinschaft z\u00f6libat\u00e4rer M\u00e4nner gedrillt zu werden und Erfahrungen zu machen, die schon vorgegeben sind, w\u00e4hrend man diejenigen zur\u00fcckweist, die nicht in die Schablone passen &#8211; das n\u00e4mlich ist der herk\u00f6mmliche Ablauf formelhafter Meditationstechniken.<\/p>\n<p>Daher zielt s\u00e4kularer Buddhismus unter anderem darauf, Meditation\u00a0 in ihre fr\u00fcheste Rolle wieder einzusetzen als haupts\u00e4chliches Mittel, die vier gro\u00dfen Aufgaben anzugehen. Daher f\u00f6rdert er nicht-formelhafte, nicht-technische Einsichtsmeditation, bei der man Sinnne und Geist einl\u00e4dt, all ihre Inhalte zu offenbaren in all ihrer vielschichtigen Komplexit\u00e4t, sodass wir das ganze Bild sehen k\u00f6nnen und nach und nach an unserer individuellen Art, in der Welt zu sein, die Muster unterscheiden lernen. Wir brauchen einen Zugang zur Meditation, der an unsere gegenw\u00e4rtige Lebensweise angepasst ist, nicht einen, der angepasst ist an die Lebensweise zur\u00fcckgezogener M\u00e4nner, die in Institutionen leben. Als Literatur dazu ist zu empfehlen: Jason Siff: <em>Unlearning Meditation: what to do when the instructions get in the way <\/em>und:<em> <\/em>Barry Magid: <em>Ending the pursuit of happiness: a Zen guide.<\/em><\/p>\n<p>Um sinnvoll Meditation zu \u00fcben, brauchen wir nichts anderes einzusetzen als unser Streben und Ehrlichkeit. In der Umgebung von Meditation ist es sinnlos, wenn wir uns dazu gratulieren, ein &#8218;guter Meditierender&#8216; zu sein, der den Anleitungen folgen kann, oder zu verzweifeln und uns f\u00fcr &#8218;unf\u00e4hig zur Meditation&#8216; erkl\u00e4ren, weil wir nicht die Erfahrungen machen, die &#8218;wir machen sollten&#8216;. (So viele Leute bekommen schnell ein Gef\u00fchl von Verlorensein, unangemessenem Verhalten und Scheitern, wenn sie in formelhafte Meditation eingef\u00fchrt werden, die als der &#8218;einzig wahre Weg&#8216; beworben wird. Der einzige echte Fehler dabei ist es, wie z\u00f6libat\u00e4re M\u00e4nner in geschlossenen Einrichtungen zu\u00a0 leben!) Und wir sind sicherlich nicht &#8218;gute Meditierende&#8216;, wenn wir oft in gl\u00fcckselige Zust\u00e4nde geraten, und nicht &#8217;schlechte Meditierende&#8216;, wen wir manchmal w\u00e4hrend der Meditation in einen Abgrund schauen. Jedes Leben enth\u00e4lt tragische Elemente, und beim Sitzen sollten wir sie annehmen wie alle anderen Erfahrungen.<\/p>\n<p>Wir sind alle f\u00fcr unsere eigene Meditationspraxis verantwortlich, und das Hauptthema, mit dem wir zu tun haben, ist, ob unser Zugang f\u00fcr den Zweck geeignet ist. Die einzigen Hinweise f\u00fcr ihre Wirksamkeit sind oft subtil und haben nichts mit dem Meditationskissen zu tun. Werden nach und nach positive Qualit\u00e4ten wie Freundlichkeit (einschlie\u00dflich mir selbst gegen\u00fcber), Empathie, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, Klarheit, Selbsterkenntnis und Gleichmut st\u00e4rker in mir ? Sehe ich mein blindes Reagieren, meine Unreife und meinen Narzissmus klarer, und kann ich sie \u00fcberwinden?<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Abschluss:<\/span><\/p>\n<p>Schon zu Buddhas Lebzeiten haben einige seiner Nachfolger seine Unterweisungen, sein Dharma, zum Fetisch gemacht, indem sie sie als h\u00f6chsten Wert in sich ansahen, als den Heiligen Gral (wie wir in unserer Kultur sagen w\u00fcrden), anstatt als Mittel zu einem Zweck. Buddha behandelte dieses Problem in einer wohlbekannten Unterweisung, in der er den Dharma mit einem Flo\u00df verglich, das jemand aus allen m\u00f6glichen Materialien, die zuf\u00e4llig herumliegen, zusammen zimmert, um ein Gew\u00e4sser zu \u00fcberqueren. Wenn er sicher ans andere Ufer gelangt ist, was sollte der Reisende mit dem Flo\u00df tun: es am Ufer zur\u00fccklassen, oder es auf dem Kopf \u00fcbers Land zu tragen wie einen Gegenstand von gro\u00dfem Wert? Buddha, pragmatisch wie immer, empfahl in<em> Majjhima Nikaya 22<\/em> dringend, das Flo\u00df am Ufer zu lassen. Es hat seinem Zweck schon gedient, und das ist sein einziger Wert.<\/p>\n<p>Stephen Batchelor schl\u00e4gt vor, dass s\u00e4kulare Buddhistinnen und Buddhisten sich diese Unterweisung zu Herzen nehmen. Wir sollten ein Flo\u00df zusammen zimmern aus dem, was wir in unserer Zeit und in unserer Kultur zur Hand haben. Die Frage ist dann nicht: &#8218;Ist das wirklich Buddhismus?&#8216; sondern die einzig sinnvolle Frage w\u00e4re: &#8218;Schwimmt es?&#8216;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00dcbersetzung: Evamaria Glatz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-1022'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-1022-1'> Dieser Text deckt sich zum Teil mit unserem Beitrag &#8222;Was ist s\u00e4kularer Buddhismus?&#8220;; beide wurden unabh\u00e4ngig voneinander formuliert  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1022-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Australier Winton Higgins ist Autor und Sozialwissenschaftler; er leitet seit vielen Jahren buddhistische Seminare und Meditationsretreats in der Tradition des Vipassana. Sein besonderes Interesse gilt der Ann\u00e4herung von Dharma-Praxis einerseits und Werten des Westens wie Demokratie, Feminismus und kritischer Forschung andererseits. Sein Denken ist dem von Stephen Batchelor verwandt. Im Feber 2013 hielt er &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/?page_id=1022\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAus der menschlichen Bedingtheit das Beste machen <br \/> &#8211; von Winton Higgins\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":30,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"page-templates\/full-width.php","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1022"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1022"}],"version-history":[{"count":16,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1022\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1306,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1022\/revisions\/1306"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/30"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.saekularerbuddhismus.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}